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Interview Heinz Breuer (cdu)
Abschied mit einem umkämpften Thema

Wesel. Heinz Breuer (73) ist ältestes Ratsmitglied und legt heute sein Amt nieder - auf Gegenkurs zu seiner Fraktion in der Schulfrage.

HAMMINKELN Heinz Breuer (CDU) hört heute im Rat auf, wenn es um das Thema Elternbefragung geht. Hier liegt er mit seiner Fraktion nicht auf einer Linie. Bei der Senioren Union macht er weiter.

Heute ist Ihre letzte Ratssitzung als aktives Mitglied - mit dem umstrittenen Thema Elternbefragung für den Standort der Gesamtschule.

Heinz Breuer Um es sofort zu sagen: Ich bin auf jeden Fall für Elternbefragung. So werde ich auch abstimmen. Man kann die Betroffenen nicht außen vorlassen. Ich kann eine Ablehnung nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Das Geschehen ist auch ein Grund, jetzt aufzuhören. Aber ich hatte ohnehin nach der Kommunalwahl 2014 geplant, vorzeitig aufzuhören. Ich bin mit 73 Jahren das älteste Ratsmitglied und will jüngeren Kräften Platz machen. Eine altersmäßig gut durchmischte Fraktion ist wichtig. Leider ist es schwierig, jüngere Leute für die Ratsarbeit zu gewinnen. Ich denke, es ist ein Zeichen der Souveränität, wenn man selbst entscheiden kann aufzuhören.

Nun sind Sie der Einzige, der aus der Fraktionsdisziplin ausschert.

Breuer Ich bin es meinen Wählern in Hamminkeln schuldig, für die Befragung zu stimmen. Viele - und nicht nur aus meinem Wahlkreis Realschule Hamminkeln - haben mich angesprochen, dass sie kein Verständnis für eine Ablehnung haben. 2012, als die Entscheidung für eine Gesamtschule fiel und Dingden als zweiter Standort festgelegt wurde, war die Lösung in Ordnung. Aber nun werden pädagogische und organisatorische Veränderungen seitdem nicht genug berücksichtigt.

Hat sich die Ratsarbeit verändert?

Breuer Nicht so wesentlich, die Zusammenarbeit in der CDU-Fraktion ist sehr gut. Das Ortsteildenken ist längst nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Oft zieht man einem Strang. Ich bin seit 2009 im Rat, habe aber vorher jahrzehntelang ehrenamtlich gearbeitet. Ich war 22 Jahre lang Vorsitzender des Hamminkelner Verkehrsvereins (HVV). Zusammen mit der Politik haben wir Hamminkeln attraktiver gemacht. Schon vor der kommunalen Neuordnung 1975 war ich engagiert, zum Beispiel mit Otto Schlebes im Kreis "Hamminkelner Probleme", wo wir viele Themen angepackt haben. Wir haben auch "Hamminkeln ruft" 1985 als Heimatzeitung initiiert. Wir haben sehr viel Ortsgeschichte festgehalten, die sonst vergessen worden wäre, zum Beispiel Post, Bahnhof, Molkerei oder Juden in Hamminkeln. Ich bin sehr froh, dass wir das alles bewahrt haben.

Sie bleiben der Senioren Union treu. Als Beobachter werden Sie sich sicher weiter zu Wort melden.

Breuer Ich bleibe Vorsitzender der Senioren Union Hamminkeln. Diese Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Wir treffen uns jedem Mittwoch, 60 Leute sind dabei. Wir wandern oder machen eine Radtour, anschließend treffen wir uns zum Frühstück. Ich berichte aus der Lokalpolitik, spreche über gesellschaftliche Themen oder biete Unterhaltsames an. Wir sind eine gute Gemeinschaft in der Senioren Union. Auch als stellvertretender Vorsitzender der Kreis-Senioren-Union mache ich weiter. Unsere Bundestagsabgeordnete Sabine Weiss hat mich extra aus Berlin angerufen, weil sie weiter mit mir rechnet. Ehrenämter und Vereinsmitgliedschaften kommen hinzu. So bin ich Übungsleiter im Sport und Geschäftsführer der Blankenburg-Vereinigung.

THOMAS HESSE FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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