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Wesel
Den Kindern eine Stimme geben

Wesel. Die Drogenberatungsstelle wollte auf Kinder hinweisen, die aus Suchtfamilien kommen.

Die Sonne ließ die Luftballons, die Mittwochmittag am Rathaus gen Himmel stiegen, besonders hell leuchten. Zahlreiche gelbe Ballons waren zu sehen, doch unter sie mischte sich jeder sechste in roter Farbe - symbolisch für jedes sechste betroffene Kind aus Wesel, das in einer Suchtfamilie lebt. Auf ihr Schicksal sollte die Aktion der Drogenberatungsstelle aufmerksam machen, ihnen sollte eine Stimme gegeben werden.

Musikalisch geschah das zuvor durch den Chor "Aggiornamento", der den Song "Kinder an die Macht" von Herbert Grönemeyer sang. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp sprach einleitend über das Thema, Passanten waren stehen geblieben, um mitzusingen, Schüler der achten Jahrgangsstufe des Andreas-Vesalius-Gymnasiums waren gekommen und ließen die Ballons steigen.

Mehr als drei Millionen Kinder in Deutschland haben Eltern, die an einer Suchterkrankung leiden würden, allein 40.000 kommen aus Familien, die mit einer Drogensucht zu kämpfen hätten - das sagte Sandra Groß von der Drogenberatungsstelle über Schätzungen von "Nacoa Deutschland", einer Interessensvertretung für Kinder aus Suchtfamilien. Doch die wirklichen Zahlen seien weitaus höher.

Mit "Fitkids" will die Drogenberatungsstelle Wesel diesen Kindern und ihren Eltern seit dem Jahr 2003 helfen, schaffte für sie ein regelmäßiges Angebot. "Wichtig ist, dass die Sucht offen in den Familien thematisiert wird", sagt Yvonne Ewecker, die mit den Kindern in zwei verschiedenen Altersgruppen im Rahmen des Projekts zusammenarbeitet. Fragen könnten so regelmäßig kindergerecht erklärt werden. Vor allem sei wichtig, dass Kinder begreifen, dass das Verhalten ihrer Eltern nichts mit ihnen zu tun habe, betont Yvonne Ewecker. Auch gemeinsame Ausflüge, in den Zoo oder ans Meer, werden organisiert.

Erschreckend: "Viele Achtjährige kennen den Unterschied zwischen Cannabis, Kokain und Heroin", berichtet sie von ihren Erfahrungen. Vor allem geht es um Präventionsarbeit: Kinder aus suchtkranken Familien sind erwiesenermaßen eine Risikogruppe, betonen Ewecker und Groß. Viele würden als Folge selbst psychisch erkranken oder eine eigene Sucht entwickeln. "Diesen Kreislauf möchten wir durchbrechen, nicht später auch die Kinder unserer heutigen Klienten behandeln."

Auf das Schicksal dieser Kinder hinweisen und ihnen eine Stimme geben: In Zukunft lassen sich hoffentlich bei solchen Aktionen immer weniger rote Ballons am Himmel entdecken.

Info Die Aktion vor dem Rathaus fand anlässlich der weltweiten "Nacoa-Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien" unter Regie der Drogenberatungsstelle statt. Heute ab 18 Uhr wird im Scala der Film "Ein Teil von uns" gezeigt. Abendkasse: ein Euro plus vier Euro Spendenempfehlung.

(acf)
 
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