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Hamminkeln
Die Namen des Kreuzes

Hamminkeln. Ausstellung „Kunst im Kreuzgang“ des Klosters Marienthal – 13 moderne Annäherungen an das Zentrum des christlichen Glaubens – Meditation, Protest oder optische Täuschung Von Martha Agethen

Seit nun sechs Jahren eine etablierte Reihe: die Ausstellungen „Kunst im Kreuzgang“ des Klosters Marienthal. „Wir haben nicht nur ein großartiges kunsthistorisches Erbe hier, sondern hier schlägt auch der Puls moderner Kunst“, sagt Kunsthistorikerin Dr. Cornelia Garwer-Schier. Diesmal ist das Kreuz selbst Thema. 13 Künstler haben sich ausgedrückt.

Neu dabei: Ingeborg Schmidthüsen (Moers). Ihre Arbeit hat den unmittelbarsten kirchlichen Bezug. Fast ein Kultgegenstand ist das zierliche Gebetbuch von 1908 mit 640 gefalteten Seiten. Titel: „Gott ist mein Heil“. Im Zentrum bilden Goldschnittkanten das Kreuz – Ästhetik dominiert, verborgen dahinter die inhaltliche Aussage. Falten betrachtet die Grafik-Designerin als Weg zur Meditation. Respekt vor dem Material ist ihr wichtig, nichts wurde geschnitten oder verklebt.

„Kreuz und quer“

Beim Objekt „Vater unser“ handelt es sich um eine Schrifttafel der Bildhauermeisterin Dagmar Kessler (Schwelm). Im Zentrum der Platte aus Ablagerungsgestein befindet sich das Christus-Monogramm in Gold. Drumherum ist bildhauerisch in Form von vier Quadraten der Text des Vater unser eingraviert. Christus als Mittelpunkt: je weiter weg vom Zentrum, desto mehr verflacht der Glaube – optisch sichtbar gemacht. Tod, Wahnsinn, Krieg verbindet gedanklich Dietrich Weber (Moers) mit dem Kreuz – eine Anklage. In kreuzförmig angeordneten Stahlplatten befinden sich Einschusslöcher. So testet man Stahl für Panzer.

Nicht immer war christliche Bindung für das Projekt ausschlaggebend. Die Japanerin Yoshi Yamauchi steht zwischen den Religionen. Sie studierte in Tokio und Venedig und ist seit 25 Jahren als Glasmalerin tätig, auch in Kevelaer.

Sie präsentiert in Marienthal eine Arbeit aus reliefartigem, verschmolzenem Glas und Metallfolie. Ihre Idee: Das Kreuz – großflächig dargestellt – wird weiter verbreitet. Dies zeigt sie mit 55 kleinen Kreuzen, die sie darunter gitterförmig anordnet.

Form ist Schwerpunkt der Arbeiten von Brigitte Baldauf und Werner Hanssen (Krefeld). In Baldaufs Objekt „Kreuz und quer“ sind 25 Kreuzpunkte geometrisch angeordnet, die aus gewisser Entfernung zu flimmern beginnen. In seinem Spiel mit der „Illusion“ will Künstler Hanssen „dem Spiegel den Spiegel vorhalten“. Schaut man durch Ausschnitte in einen Holzquader hinein, so meint man kreuzförmig angeordnete Drähte zu erkennen. Eine optische Täuschung: Es sind verklebte Spiegelflächen.

Quelle: RP
 
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