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Niederrhein
Ein Truck wird zur Theaterbühne

Niederrhein: Ein Truck wird zur Theaterbühne
Am Lehmbruck-Museum startet der zur mobilen Bühne umgebaute Lkw und fährt dann sieben Stationen in Duisburg an, die vorab aber nicht bekannt gegeben werden. FOTO: Volker Hartmann
Niederrhein. Am 12. August startet in Duisburg ein ungewöhnliches Kunstprojekt: In einem umgebauten Lastwagen fahren jeweils 49 Teilnehmer zu ausgewählten Orten der Stadt, erleben dort eine Art Hörspiel und schauen sich dabei das "Leben" an. Von Peter Klucken

Die ersten Zeitungsankündigungen und die Mund-zu-Mund-Propaganda nach dem Start haben das Projekt "Truck Tracks Ruhr" schon jetzt zu einem Riesenerfolg gemacht. Eine unliebsame Konsequenz ist, dass sämtliche Duisburger Termine vom 12. August bis zum 24. September offiziell ausgebucht sind. Allerdings gebe es immer wieder Kartenrückgaben und es lohne sich, ab und zu auf die Internet-Seite zu schauen, ob man nicht dennoch eine Karte für eine Truckrundfahrt ergattern kann, sagte gestern ein Sprecher der Veranstalter gegenüber der RP.

Worum geht's? Das Kunstprojekt "Truck Tracks Ruhr", das von mehreren internationalen Künstlern konzipiert wurde, möchte "den Geschichten des Ruhrgebiets eine Bühne geben". Oder anders gesagt: Das Ruhrgebiet selbst soll eine Art Bühne werden. Zum Konzept gehört ein großer, umgebauter Lastwagen, in dem 49 Zuschauer Platz finden. Diese Zuschauer können durch eine große Panoramascheibe nach draußen blicken. Allerdings nicht immer: Die Panoramascheibe kann nämlich abgedeckt und zu einer Projektionsfläche für Videofilme werden. Außerdem fährt ein DJ im Truck mit, der für den Sound sorgt.

Am 21. April startete der Truck seine erste Tour in Oberhausen. Bis zum April des kommenden Jahres sind Touren durch sieben Städte des Ruhrgebiets geplant. Jetzt steht die Duisburger Tour vor der Tür, genannt "Truck Tracks Ruhr # 3 Album Duisburg".

Was dort zu erleben ist, wird im Detail nicht verraten. Bekannt ist nur, dass der Kunst-Truck jeweils am Lehmbruck-Museum abfährt und dann sieben Stationen in Duisburg ansteuert. Bei der Fahrt werden die Teilnehmer oftmals gar nicht wissen, wo sie sich in der Stadt befinden, weil die Panoramascheiben als Mattscheibe für Videofilme genutzt wird. Bisweilen soll die Fahrt aber auch mit Durchblick nach draußen durchgeführt werden.

Bei einer Truck-Tour in Recklinghausen durfte ausnahmsweise ein Fernsehteam einige Minuten drehen. So kann man eine Vorstellung davon bekommen, was einen erwartet. Da wurde beispielsweise der Bahnhof angesteuert, und die Teilnehmer blickten auf das Leben an diesem Ort. Außengeräusche hörten sie dabei nicht, allerdings lief im Truck eine Art Hörspiel. Das ist nicht immer heiter, bisweilen auch verstörend, wie man an einer anderen Station erleben konnte. Da machte der Truck an einem Freibad Halt. Zunächst hörte man im Truck das, was wohl auch gerade im Schwimmbad zu hören war: Fröhlicher Lärm von Kindern und Ähnliches. Doch plötzlich wurden die Teilnehmer im Truck von einem Explosionsgeräusch erschreckt: Ein harter Kommentar zur Gegenwart.

Auch in Duisburg sollen aufregende Szenerien zu erleben sein. Wenn der Truck an den bislang noch geheimen Stationen hält, soll aus Bild und Ton eine Inszenierung des Ortes und seiner zufälligen Passanten entstehen. Vor der Zuschauerbox des Trucks werden die zufällig anwesenden Menschen zu Kurzzeit-Schauspielern. Zusammen mit dem Hörspiel, das speziell für den Ort entwickelt wird und das man im Truck hört, bekommt der angesteuerte Ort und die Menschen, die sich gerade dort befinden, eine neue Bedeutung. Welche das sein kann, wird man dann sehen.

Das Projekt wird durchgeführt von der Organisation Urbane Künste Ruhr und dem Künstlerkollektiv Rimini Protokoll. Informationen, besonders über noch verfügbare Karten (15 Euro, ermäßigt acht Euro), bekommt man tagesaktuell nur über das Internet unter www.trucktracksruhr.de.

Quelle: RP
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