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Mehrhoog
Keine Toleranz gegenüber Fremdenfeindlichkeit

Rechtsextreme in Mehrhooger Facebook-Gruppe
Hasskommentare bei Facebook - in der Mehrhooger Gruppe ein Problem. FOTO: dpa, Stephan Jansen
Meinung Unsere Redaktion berichtete über Nazi-Inhalte in der Mehrhooger Facebookgruppe "Dorf im Grünen". Jetzt fordern manche in der Gruppe allen Ernstes Toleranz auch für Andersdenkende. Die Logik ist perfide. Von Sebastian Peters

Recherchen unserer Redaktion haben es offengelegt: Die Mehrhooger Facebookgruppe "Dorf im Grünen" ist eine Spielwiese für Rechtsextreme. Immer wieder las man hier in den vergangenen Wochen fremdenfeindliche Sprüche, wurde die NS-Zeit verherrlicht, wurden gar "Säuberungen" in Deutschland verlangt. Moderiert wird diese aktuell 2770 Mitglieder starke Gruppe auch von einem bekennenden Neonazi. Wer in seinem Profilbild den Slogan "Frei. Sozial. National" führt, der muss schon sehr geschichtsvergessen sein, um die Anspielung auf den Nationalsozialismus zu ignorieren. Nachdem unsere Redaktion wochenlang in der Gruppe recherchierte – Zitate notiert, etwaige strafrechtlich relevante Beiträge entdeckte - , schließlich am Donnerstag berichtete, ist in der Gruppe eine Diskussion entstanden: Darf man Neonazis in solch einer Gruppe akzeptieren? Und plötzlich wird auch vonseiten der anderen Moderatoren Partei für den rechtsextremen Mitstreiter ergriffen. Eine offene Facebookgruppe müsse auch die Meinung Andersdenkender akzeptieren, heißt es dort. Gestern schrieb die Administratorin der Gruppe: "Es gibt nun mal Menschen verschiedener Charaktere und Meinungen, jeder hat eine andere Sicht der Dinge und jeder hat auch andere Vorstellungen vom Leben und das sollte man akzeptieren."

Die Logik ist perfide und verfängt in einem bestimmten Lager doch so leicht: Auch Andersdenkende tolerieren. Genau da aber, wo man auch tolerant gegenüber Intoleranten wird, hört die Toleranz auf. Gegenüber politischen Extremen darf man keine falsche Toleranz üben. Genauso wenig übrigens gegenüber den Linksextremen, die ebenso Feinde unserer Verfassung sind, den Staat bekämpfen wollen. Die Extremen links und rechts haben in der Geschichte bewiesen, dass man ihnen unser Land nicht überlassen darf.

Instrumentalisiert wird die neue Debatte übrigens auffällig deutlich von einzelnen AfD-Sympathisanten und AfD-Politikern, die sich nun darin versuchen, eine freie Debattenkultur einzufordern, sich gleichzeitig nur halbherzig von Rechtsextremen rhetorisch abgrenzen. Am Ende legen sie damit ihre Gesinnung offen, Nazi-Sympathisanten zu sein. Man muss Angst haben um unser Land, wenn Nazis durch Politiker offen ermuntert werden, laut ihre Meinung zu sagen.

Geschichte wiederholt sich manchmal eben doch: Das Dorf Mehrhoog hatte Jahrzehnte lang den Ruf, ein Zentrum der Neonazis zu sein. Wahrscheinlich lebten hier am Ende nicht weniger oder mehr Rechtsextremisten als in anderen Gegenden auch, aber in Mehrhoog zeigten sie ihre Gesinnung offener: Diese Clique stand an der Tankstelle im Dorfzentrum, war auf Volksfesten zu sehen, sie suchte dort immer wieder den Streit. Zur rechtsextremen Gesinnung kam eine ausgesprochene Freude daran, sich mit anderen zu prügeln. Mit Ausländern ging das nicht, weil es die in großer Zahl am Niederrhein kaum gab. So mussten andere dran glauben. So viel gehört zur Wahrheit: Auf den Volksfesten am Niederrhein trafen sie nicht selten auf Gruppierungen, die eine ebensolche Freude an der Keilerei hatten. Es war zuletzt ruhiger geworden um die Szene in Mehrhoog, was auch daran liegt, dass man heute Fremdenfeinde nicht mehr direkt erkennt; blankpolierte Glatzen tragen heute auch Menschen, die politisch ganz normal gepolt sind.

Wenn jetzt wieder offen Fremdenfeindlichkeit ausgedrückt werden darf und manche das mit dem Hinweis auf Meinungsfreiheit verteidigen, dann ist das alarmierend. Es gibt aber zum Glück genug anständige Menschen in Mehrhoog, die sich dem widersetzen, indem sie ihre Meinung in der Gruppe aufschreiben, indem sie sich für echte Toleranz einsetzen. Die Zahl der Gruppenbeitritte war hoch in den vergangenen Stunden. Das ist ein gutes Zeichen: Da sind Leute neugierig geworden, wollen wissen, was in der Gruppe passiert. Die Moderatoren werden sich daran messen lassen müssen, wie sie mit Kommentaren umgehen, die nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Sie stehen besonders in der Pflicht, Hasskommentare zu melden, aber wiederum das in der Gruppe zu belassen, was nur politische Meinungsäußerung ist – und sei es vom rechten Rand. Ein verantwortungsvolles Amt. 

Quelle: RP
 
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