| 10.37 Uhr

Hamminkeln
Wenn Biestigkeit bereichert

Hamminkeln. Validation ist eine Methode, mit an einer Demenz erkrankten Menschen zu kommunizieren. In Dindgen wurde sie vorgestellt. Was man tun kann, wenn Ältere so richtig ungerecht werden: Bloß nicht ablehnend reagieren und immer wieder korrigieren, sondern zuhören. Von Gisela Blauza-Graf

Über fünfzig Zuhörer kamen beim Angehörigenforum kürzlich im Saal des St. Josef-Hauses in Dingden zusammen. Validations-Anwenderin Heidrun Mildner aus Herford versuchte Angehörige und Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass im wertschätzenden Umgang mit desorientierten alten Menschen Vertrauen, Akzeptanz und Wertschätzung aufgebaut werden sollten und das eigene Erleben – trotz aller Verständigungsschwierigkeiten – dadurch bereichert werden kann.

Unerledigte Dinge aufarbeiten

Validation ist eine Methode, mit alten, an einer Demenz erkrankten Menschen zu kommunizieren. Sie geht von der Beobachtung aus, dass der Mensch mit zunehmendem Alter das Bedürfnis hat, unerledigte Dinge seines Lebens aufzuarbeiten. „Gerade die besonders Angepassten, die alles für sich behalten, keine Gefühle äußern, werden später oft biestig“, erklärte Heidrun Mildner und begründete das damit, dass diese Menschen dazu neigen, Schwierigkeiten unverarbeitet zu verdrängen. Sie werden in einer ersten Phase beginnender Demenz oft unzufrieden und nörgelnd – eine Situation, die für ihre Mitmenschen schwer zu ertragen ist und in Verachtung und Ablehnung enden kann. Bestätigend nickten einige Zuhörer, als die Referentin weitere, oft wiederkehrende Verhaltensweisen zunehmender Verwirrung alter Menschen schilderte: ständiges, unruhiges Herumwandern oder sich wiederholende, stereotype Handlungen, wie etwa ununterbrochenes Klopfen auf den Tisch.

Mildner machte deutlich, dass es wenig nützt, aber Misstrauen und Ablehnung auf beiden Seiten erzeugt, wenn man den Verwirrten immer wieder korrigiert, ihm widerspricht und ihn zurechtweist.

Sie forderte Verwandte und Pfleger auf zu akzeptieren, dass der Verwirrte aus einer anderen geschichtlichen und biographischen Erfahrung kommt, als man sie selber erlebt hat. „Sehr alte Menschen kann man nicht zwingen, ihr Verhalten zu ändern. Verhalten kann nur geändert werden, wenn die betreffende Person es will.“ Mildner betonte, dass die Verhaltensweisen dementer Menschen keineswegs sinnlos sind, sondern immer einen Grund haben. Es kommt also darauf an, auf den anderen einzugehen und ihm zuzuhören.

An Beispielen aus ihrem eigenen Erleben zeigte sie, dass mit Geduld, Phantasie und wertschätzender Beobachtung oft der Schlüssel zum (nervenden) Verhalten des Verwirrten gefunden wird, und er sein Verhalten ändert, wenn man auf sein Problem eingeht.

„Wertschätzender Umgang“

Mildner riet: „Schweigen Sie doch mal bei ungerechten Vorwürfen, hören sie zu. Versuchen Sie, das Verhalten aus seiner Perspektive zu sehen.“ Sie machte klar, dass dieser Weg des wertschätzenden Umgangs nicht von heute auf morgen gelingt. Es ist für beide Seiten schwierig, den Veränderungsprozess anzunehmen. Sie erklärte, dass Spannungen ein notwendiger Lebensbestandteil sind und empfahl, sie zu akzeptieren und sich auf den Vorsatz einzulassen: Ich will dich kennenlernen. „Die Erfahrungen, die man durch das sammelt, was der Andere sagt, werden zu einer persönlichen Bereicherung“, berichtete sie aus eigener Erfahrung.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Hamminkeln: Wenn Biestigkeit bereichert


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.