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Stadt Willich
Anwohner bangen um schönen Ausblick

Stadt Willich: Anwohner bangen um schönen Ausblick
Diesen Blick haben derzeit die Nachbarn des Langels-Grundstücks. Dort sollen Einfamilienhäuser gebaut werden. FOTO: Bürgerinitiative
Stadt Willich. Hinter einem Elektromarkt an der Willicher Bahnstraße versteckt, liegt die Villa Langels. Die soll renoviert werden, im Garten sollen Einfamilienhäuser gebaut werden. Jetzt informierte die Stadt. Rund 50 Bürger kamen. Von Marc Schütz

"Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben." So könnte man die Informationsveranstaltung der Stadt zum geplanten Wohngebiet hinter der Villa Langels an der Bahnstraße zusammenfassen. Jedenfalls zeigte sich Reinhard Krämer von der "Bürgerinitiative zum Erhalt von Villa und Park Langels" nach der gut zweistündigen Veranstaltung ein wenig erleichtert darüber, dass Verwaltung und Politik sich noch ganz am Anfang eines mehrstufigen und ergebnisoffenen Planungsprozesses befinden, bei dem die Bürger zweimal Gelegenheit haben, ihre Bedenken vorzutragen. Die Argumente werden dann abgewogen und in die Entscheidung einfließen, wie und ob überhaupt der Bebauungsplan des Grundstückes geändert wird. Das hatten Stadtplaner Thomas Scholemann und Christian Pakusch, Vorsitzender des Planungsausschusses betont - und so die anfangs doch etwas aggressive Stimmung besänftigt.

Einen Anwalt will die Initiative laut Krämer dennoch hinzuziehen, denn: "Der Investor beschäftigt sich schon seit eineinhalb Jahren mit dem Thema, wir wissen erst seit ein paar Wochen davon." Bereits bis zum 18. November müssen die ersten Eingaben der Bürger sowie der Behörden und Träger öffentlicher Belange (wie beispielsweise der Naturschutzbund Nabu) schriftlich bei der Stadt eingegangen sein.

"Wohnen im Park - Villa Langels" heißt das Projekt des Investors, der die Villa und das große parkähnliche Grundstück von der bisherigen Besitzerin, einer alten Dame, gekauft hat. Peter Marquardt stand den Bürgern als Eigentümervertreter Rede und Antwort, zudem ein Architekt und Friederike Schweer, die das Planverfahren für den Investor betreut. Bisher sieht der Flächennutzungsplan im hinteren Teil des Grundstücks Grünflächen vor. Dort sollen nun allerdings bis zu elf Einfamilienhäuser, teils freistehend, teils als Doppelhäuser oder als Dreiergruppe, entstehen. Verschiedene Varianten sind denkbar. Die Villa mit ihrem charakteristischen Turm, die seit 20 Jahren leer steht, aber beheizt und instandgehalten wird, soll renoviert und ebenfalls vermarktet werden. Die hohen, alten Bäume, die die Villa umgeben und teilweise ebenfalls unter Denkmalschutz stehen, sollen dabei weitgehend erhalten bleiben.

Vor allem die Anwohner an der Grunewall- und der Wilhelmstraße, an deren Gärten das Langels-Grundstück stößt, stören sich an den Plänen - haben sie doch bisher einen schönen Ausblick in den weitläufigen Garten im hinteren Teil des Grundstücks mit teils prächtigen Bäumen. Diese müssten allerdings weichen, wenn dort Häuser gebaut werden sollen. Da die Bäume im hinteren Teil des Grundstücks aber nicht unter Denkmalschutz stehen und die Stadt Willich keine Baumschutzsatzung hat, können diese gefällt werden.

Weiterer Kritikpunkt der Anwohner ist die bisher vorgesehene Höhe der geplanten Häuser, die zweigeschossig plus Staffelgeschoss sein sollen. Die Häuser der unmittelbar angrenzenden Grundstücke sind allerdings maximal anderthalbgeschossig mit Schrägdach. Christian Pakusch ließ durchblicken, dass man sich auf dieses Maß womöglich auch für das neue Wohngebiet festlegen könne. Die Abstände der Neubauten zu den Nachbargrundstücken seien übrigens größer, als gesetzlich vorgeschrieben, sagte Friederike Schweer.

Einige der anwesenden Bürger würden es lieber sehen, wenn das Grundstück so bliebe, wie es ist, oder wenn die Stadt es kaufen und zu einem öffentlichen Park machen würde. Allerdings machte Stadtplaner Scholemann deutlich, dass es sich bei dem Verkauf der Immobilie um eine Privatangelegenheit handelt, auf die die Stadt keinen Einfluss hat. Sie sei lediglich für das Planungsrecht, das sich streng nach Vorschriften und Gesetzen richtet, zuständig. Zudem sei es zweifelhaft, dass die Politik dem Kauf eines solchen Grundstücks und der Unterhaltung eines Parks angesichts der angespannten Haushaltslage zustimmen würde. Die Empörung einiger Anwesender milderten diese Argumente jedoch nicht.

Eine Bürgerin äußerte Bedenken, dass die Erschließung des Grundstücks über die Bahnstraße zu zusätzlichem Chaos auf der schon jetzt stark befahrenen Straße führen werde - zumal am Ende der Ackerstraße derzeit mit der Klimaschutzsiedlung ein weiteres Baugebiet entstehe. Diese Anregung versprachen Scholemann und Pakusch, in die Überlegungen einzubeziehen.

Quelle: RP
 
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