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Stadt Kempen
Außergewöhnlicher Klavierabend mit Martin Stadtfeld

Stadt Kempen. Das Publikum in der Paterskirche bedachte das Konzert des 35-jährigen Pianisten mit begeistertem Applaus. Von Heide Oehmen

Im Jahre 2006 war der Pianist Martin Stadtfeld zum ersten Mal Gast bei den Kempener Klosterkonzerten. Seitdem ist viel geschehen. Der aus Koblenz stammende Künstler, dessen Debüt-CD mit Bachs "Goldberg -Variationen" bereits 2004 auf Platz eins der Klassikcharts gelangte und ihm den ersten (von inzwischen vier) Echo-Klassik-Preis eintrug, ist europaweit und auch im asiatischen Raum geschätzt. Bisher 14 CDs dokumentieren sein Können mit Beispielen von Bach bis Schönberg. Außerdem setzt sich Stadtfeld mittels Schulbesuchen nachdrücklich für die musikalische Bildung von Kindern ein.

In der bis auf wenige Plätze vollbesetzten Paterskirche erklang ein überwiegend von Bach-und Mozart-Werken bestimmtes Programm - genannt "Fantasien" - das Stadtfeld nach ganz besonderen Gesichtspunkten ausgewählt hatte. Den Anfang machte das "Ricercare à 3" BWV 1079 aus Johann Sebastian Bachs großartigem "Musikalischen Opfer". Hier setzte der Interpret unerwartet scharfe dynamische Akzente, meißelte die Themenköpfe fast mit brachialer Gewalt aus dem Flügel und war im nächsten Moment zu zartester Ausdrucksintensität bereit. Eine in sich logische, aber ungewohnte Deutung. Ohne die geringste Zäsur schloss der Pianist "Fantasie und Sonate c-Moll KV 475 & KV 457" von Wolfgang Amadeus Mozart an - und das, weil sowohl das Anfangsthema der Fantasie als auch das der Sonate mit dem Thema des Ricercare fast identisch ist. Die c-Moll-Sonate (1784), die Mozart an einem einzigen Tag schrieb und der er erst später die Fantasie als "Präludium" hinzufügte, gilt als ein Dokument der Trostlosigkeit und Verzweiflung, das in seinen unerwarteten Eruptionen bereits auf die Romantik verweist. All' das wusste der eher introvertiert, in die Musik eingetaucht agierende Gast mit packender Intensität und großem Ernst zu vermitteln, wobei seine glasklare Technik nie zum Selbstzweck geriet.

Bachs Chaconne aus der "Partita d-Moll für Violine solo BWV 1004" hat Martin Stadtfeld selbst für sein Instrument bearbeitet. Zwar immer eng an das große Vorbild angelehnt, schweift diese Neuschöpfung teils bis in romantische Gefilde ab - eine interessante Sicht! Wiederum ging es nahtlos weiter in die abschließende Polonaise Nr. 6 As-Dur op.53 von Frédéric Chopin - auch das überraschenderweise kein Stilbruch. Hier wirkte der Interpret völlig gelöst und beflügelt vom Leuchten dieses von strahlendem Glanz und wirkungsvollen virtuosen Passagen geprägten Werkes.

Mit einer Chopin-Etüde und einer kleinen, feinen Komposition des achtjährigen Mozart - aus dessen "Londoner Skizzenbuch" waren bereits nach der Pause eindrucksvolle Beispiele erklungen - ging ein vor allem im zweiten Teil mit begeistertem Applaus bedachter, außergewöhnlicher Klavierabend zu Ende.

Quelle: RP
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