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Stadt Willich
Eine Mahnung für mehr Frieden überall

Stadt Willich. Beim Volkstrauertag auf dem Vorster und dem Schiefbahner Friedhof wurde der Toten der Weltkriege, aber auch aller Opfer von Gewaltherrschaft gedacht. Die Redner betonten die Verpflichtung, den Frieden in aller Welt zu erhalten. Von Willi Schöfer

Es gehe nicht nur um die Kriegstoten, sondern auch um all diejenigen, die früher und jetzt ausgebeutet, verschleppt, wegen ihre Rasse, Herkunft oder politischen Gesinnung verhaftet, vertrieben oder ermordet würden. Egal, in welchen Ländern, an welchen Grenzen. Darin waren sich gestern die Redner auf den Friedhöfen in Vorst und Schiefbahn einig. In Schiefbahn war dies Joachim Schuler, Pfarrer der evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde, in Vorst der Bezirksbrudermeister der Schützen, Uli Loyen.

Große Abordnungen, so von Feuerwehr, den Schützen, Vereinen oder Hilfsorganisationen, so DRK, Malteser oder DRLG, machten sich am gestrigen Volkstrauertag, auf den Weg. Die Jüngsten, etwa von den Jugend-Feuerwehren, waren vielleicht zehn oder elf Jahre alt. Sie hörten genauso aufmerksam den Reden zu, wie die Größeren, darunter natürlich die Bürgermeister der beiden Städte, Josef Heyes und Thomas Goßen.

In Vorst spielte der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst unter anderem die Choräle "Ich hatte einen Kameraden" und "Über den Sternen". Es sang der MGV "Cäcilia" Vorst; es ging unter anderem um Tränen und um die Hoffnung. Dem 53-jährigen Uli Loyen, der als Bezirks-Brudermeister 14 Bruderschaften aus Kempen, Grefrath und Tönisvorst anführt, ging es erst einmal um die Erinnerung. Nicht nur an die eigenen Verstorbenen, sondern an die Millionen von Toten in aller Welt, an die gefallenen Soldaten und an die Zivilbevölkerung. Nach wie vor fassungslos zeigte sich Loyen über die Zahl der rund 55 Millionen Toten im Zweiten Weltkrieg, darunter allein etwa 27 Millionen Menschen aus der Sowjetunion.

Loyen sagte: "Es ist gut, dass an diesem Tag nicht jeder für sich, sondern wir alle gemeinsam trauern." Dies sei wichtig, weil man sich dadurch viel stärker bewusst werde, wie kostbar die Demokratie, der Einsatz um die Menschenrechte, Frieden und Verständigung auch in Europa seien. Der Volkstrauertag müsse auch ein Mahnmal für die Lebenden sein, respektvoller mit einander umzugehen. Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe seien Werte, für den sich der Einsatz lohne, unabhängig von Hautfarbe oder Glauben. Dazu gehöre auch, Menschen aus anderen Ländern hier eine Heimat zu geben.

Einige Frauen pflegten die Gräber, als sich auf dem Schiefbahner Friedhof über 300 Menschen versammelten. Die Sänger von "Cäcilia" und "Eintracht" wirkten ebenso mit wie die Bettrather Musikanten und das Tambourcorps "Germania" Willich. Bevor es zur Kranzniederlegung kam, sprach der evangelische Pfarrer Joachim Schuler eingangs von seinen Kinderjahren. Schuler spielte damals Fußball und Tischtennis, sah sich im TV regelmäßig die Sportsendungen an. Und einmal im Jahr, wenn die Gedenkfeier zum Volkstrauertag live aus Bonn übertragen wurde, musste er auf seine geliebte Sendung der "Sport-Reportage" verzichten. "Warum? Ich hatte den Krieg nie erlebt und viele Erwachsene hatten so getan, als wäre der Krieg nie geschehen." Fragen, die er sich dann später selbst beantwortete: diesen Tag müsse es weiter geben, nicht nur aus Tradition, sondern als eine Hoffnung und große Motivation, dass die Zahl der Verfolgten, Vertriebenen und militärischen wie zivilen Opfer in den Kriegen der Welt zurückgehen müssten.

Die Trauer müsse zu einer wirklichen Anteilnahme werden. Jeder solle sich die Frage stellen, welchen Beitrag er für die Demokratie, für Frieden und Völkerverständigung leisten könne. Auf Willich bezogen befände man sich, so Joachim Schuler weiter, auf einem guten Weg. Der Pfarrer stellte als vorbildlich die bestehenden Partnerschaften zwischen Linselles und Zogoree heraus und wünschte sich einen weiteren Ausbau. Vorbildlich sei außerdem die Flüchtlingsarbeit. Trotz aufkommender Kritik sei es wichtig, sich für eine europäische Gemeinschaft einzusetzen. Die EU sei "ein Segen für unser Land." Schuler stellte den respektvollen Umgang mit den Mitmenschen an die oberste Stelle und meinte zum Abschluss sinngemäß, dass aus dem Erinnern an die vielen Greueltaten heraus Energie freigesetzt werden müsse, um die Zukunft für die nachfolgenden Generationen lebenswert zu erhalten.

Quelle: RP
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