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Stadt Willich
Großes Interesse am richtigen Schnitt

Stadt Willich. Die Stadt Willich feierte eine Premiere. Sie lud zu einem kostenfreien Obstbaumschnittkurs ein. Wie ein Apfelbaum fachlich richtig geschnitten wird, vermittelte der NABU Krefeld-Viersen auf der städtischen Obstwiese in Neersen. Von Bianca Treffer

Obstbäume im April schneiden? Ist dies die richtige Jahreszeit? Mit genau dieser Frage startet der Obstbaumschnittkurs auf der städtischen Obstwiese an der Hauptstraße in Neersen, die der NABU Krefeld-Viersen betreut. "Der optimale Zeitpunkt ist ein relativer Begriff. Es geht immer darum, was man erreichen möchte", erklärt Günter Wessels. Der Winterschnitt, wenn keine Blätter mehr vorhanden sind, sorgt für stärkere Triebe. Ist der Saft nämlich eingezogen und man schneidet, treibt der Baum nicht so stark nach. Bei Starktreibern ein Vorteil, bei anderen Bäumen hingegen nicht. Für Steinobst ist daher der Sommerschnitt besser. "Steinobst kann sogar in der Ernte geschnitten werden. Man kann Äste voller Früchte vorsichtig herunterschneiden und quasi am Boden ernten", informiert der NABU Obstbaumfachmann.

Generell gilt, das alte abgetragene Holz, das nach unten hängt, muss weggenommen werden. Für Schnittstellen, auch größerer Art, ist dabei kein Baumwachs zwecks Versiegelung der Fläche nötig. Wichtig ist nur, dass nach Möglichkeit immer schräg geschnitten wird, damit die Schnittstelle schnell abtrocknet und Pilze keine Chance haben sich anzusiedeln. Wessels macht klar, wie wichtig das Baumbild an sich ist. Ein Baum mit herabhängenden Ästen stellt ein schlechtes Aussehen dar. Gehen die Äste hingegen in gebogener Form nach oben, sieht das Bild gut aus. Doch bevor die 20 Kursteilnehmer des Obstbaumschnittkurses, zu dem die Stadt Willich eingeladen hat, zu Astscheren und Sägen greifen dürfen, ist noch mehr Theorie angesagt. Wessels und seine Nachfolgerin in Sachen Obstbaumschnitt und Pflege der Streuobstwiesen beim NABU, Karoline Cremer, erklären die Erziehungsschnitte eines jungen Baumes, informieren über den Erhaltungsschild und gehen auch auf den Verjüngungsschnitt ein, wenn ein Baum schon etliche Jahrzehnte alt ist. Ein junger Baum darf nicht einfach in den Himmel wachsen. Der Beispielsbaum für die Erklärungen hat einen, steil nach oben ragenden langen Trieb mit etlichen Blattknospen und sieben Seitenaustrieben. "Wir wollen aber nur vier Seitenaustriebe um die Mittelachse haben", erläutert Wessels. Welche entfernt werden, entscheidet die Winkelung. Die Äste, die in einem 60 Grad Winkel zum Baum stehen und damit in die Höhe wachsen sind optimal. Die nahezu waagerechten Äste hingegen kommen weg.

Wessel demonstriert, wie die Schere angesetzt und der Schnitt erfolgen soll. "Wir schneiden zudem eine Saftwaage", sagt der Obstbaumfachmann. Die Erklärung, was es mit dieser auf sich hat, folgt direkt. Es geht darum, alle vier stehengebliebenen Äste gleichmäßig einzukürzen, damit sie "alle gleich viel Sonne abbekommen", fügt Cremer an. Der steil nach oben wachsende Haupttrieb erfährt ebenfalls eine entsprechende Kürzung, wobei er aber ein gutes Stück über der Saftwaage abgeschnitten wird.

Was es mit den sogenannten Schlitzästen auf sich hat, ist das nächste Thema. Es handelt sich um einen jungen Baum, der gleich mehrere Triebe hat, die an der Spitze nach oben gehen. "Das sind die Äste, die später brechen werden, wenn man jetzt nicht einschreitet. Sie halten einer späteren Belastung durch das Obst nicht stand", informiert Wessels. Daher gilt es, beim Jungbaum diesen Ast nahe des Hauptstammes zu nehmen und mit einem kurzen Ruck nach unten abzureißen, "Reißen, nicht brechen", mahnt Cremer. Wer zur Schere greift, muss darauf achten, auf Astring zu schneiden. Es darf kein Stumpen stehen bleiben.

Überhaupt ist das korrekte Schneiden nicht so einfach. Das merken die Teilnehmer kurze Zeit später, als es auf der städtischen Obstwiese, die der NABU pflegt, in die Praxis geht. Doch die Erklärungen und Tipps von Wessels und Cremer helfen und Übung macht bekannterweise den Meister.

Quelle: RP
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