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Stadt Willich
"Gutes beginnt im Kleinen" fing klein an

Stadt Willich: "Gutes beginnt im Kleinen" fing klein an
Dr. Tobias Tichelbäcker gehört zum insgesamt achtköpfigen Vorstandsteam des Vereins "Gutes beginnt im Kleinen". FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Seit sieben Jahren kümmert sich der aus einer spontanen Idee heraus entstandene Verein um Menschen, die in Not sind. Vor allem um Flüchtlingskinder will sich die Anrather Initiative verstärkt kümmern. Von Willi Schöfer

Es begann eigentlich schon vor etwa sieben Jahren. Einige junge Anrather trafen sich an einem Dezember-Tag im Elternhaus des heute 28-jährigen Marco Wienen. Es wurde bei Glühwein oder Bier über Gott und die Welt gequatscht. Und da es den jungen Leuten gut ging, entstand die Idee, anderen, die diese Voraussetzungen aus welchen Gründen auch immer nicht hatten, etwas abzugeben. Aus diesem Advent-Treffen entwickelte sich der Verein "Gutes beginnt im Kleinen" (GBIK).

Tobias Tichelbäcker kann sich noch gut an die Anfänge erinnern: "Da damals viele von uns ihr Elternhaus verlassen hatten oder kurz davor standen, haben wir erst einmal das abgegeben, was wir nicht mehr brauchten, unter anderem Spielzeug und Kinderbücher." Darüber hinaus ging bei den Treffen das Sparschwein rum, gaben auch viele Eltern der jungen Anrather ihr Scherflein dazu. Die ersten Sach- und Geldspenden erhielten Kinderkrankenhäuser in Kanew (Ukraine) und Viersen sowie das Hospiz-"Haus Franz" in Dülken.

Die beiden Initiatoren Marco Wienen und Tobias Tichelbäcker, die gemeinsam Handball im TV Anrath spielten, wollten der guten Sache dann aber eine Struktur geben und regelmäßigere Aktionen planen. Nach ersten eigenen Erkundigungen kam ihnen der Zufall zu Hilfe: Auf einer Veranstaltung in Göttingen lernte Tobias Tichelbäcker den Mann einer Kommilitonin kennen, den Rechtsanwalt Jan Sabin. Er half den beiden entscheidend bei der Vereinsgründung und ist weiterhin beratend mit seiner Kanzlei für den Verein tätig.

Mittlerweile sind aus den Studenten oder Auszubildenden unter anderem Schreiner, Controller, Speditionskaufleute oder Ärzte geworden. Einer davon ist Dr. Tobias Tichelbäcker, der derzeit Assistenzarzt in der Göttinger Uniklinik und Vereinsvorsitzender ist. "Stellt mich bloß nicht in den Mittelpunkt, wir machen das gemeinsam", sagt der 28-jährige Mediziner. Er meint damit sein Team mit Björn Schaper, Thomas Mertens, Sebastian Fritz, Wilhelm Reiners, Steffen Henkel, Christopher Bermes und Marco Wienen.

Frei nach dem Vereinsnamen begann GBIK mit kleinen Schritten, Benachteiligten, Bedürftigen und anderen Organisationen zu helfen. Unterstützt wurden unter anderem das Jugendfreizeitheim "Titanic", das Zeltlager der katholischen Anrather Pfarrgemeinde St. Johannes, kleinere Schul-und Hospizprojekte. Kürzlich wurde der Verein beim "Tag des Ehrenamtes" im Neersener Schloss neben anderen für sein beispielhaftes Engagement geehrt.

Auch in der Flüchtlingshilfe will der junge Verein weiterhin aktiv bleiben, sich vor allem für die Kinder einsetzen. So wurden bereits die Finanzierung einer Audio-CD für den Deutschunterricht in einem Anrather Asylbewerberheim sowie ein Zooausflug möglich gemacht. Warnwesten und eine 500-Euro-Spende gingen unter anderem in die große Flüchtlingsunterkunft Via Stenden in Kerken. Tobias Tichelbäcker war vor einigen Monaten selbst dort und schildert einige seiner Eindrücke aus der damals total überbelegten und durch den DRK sehr gut geführten Unterkunft: "Eine Turnhalle war tagsüber der Aufenthaltsraum für Hunderte von Flüchtlingen. Die Feldbetten, die sich dort am Rand stapelten, wurden abends dicht an dicht in die Halle gestellt, Kinder oder Erwachsene mussten über die Betten anderer klettern, um zur Toilette zu kommen."

Insbesondere um die Flüchtlingskinder will sich GBIK weiter kümmern. Außerdem sind zukünftig weitere Projekte mit der bundesweit tätigen Initiative "Hospiz macht Schule" geplant. Ferner will der Verein in seinem Heimatort Anrath ein neues Projekt der Streetworkerin Marion Tank mit Namen "Ladestation" unterstützen und begleiten.

Quelle: RP
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