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Stadt Willich
Lebensgarten als Hilfe bei Demenz

Stadt Willich: Lebensgarten als Hilfe bei Demenz
Martina Schumacher, Claudia Frei, Elenor Wicklaus und Malteser-Stadtbeauftragter Kurt-Wilhelm Schumacher bieten mit dem Demenzdienst eine Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige. FOTO: WOLFGANG KAISER
Stadt Willich. Café Malta, Besuchsdienst für dementiell veränderte Menschen und Seminarangebote rund um die Erkrankung: In Sachen Demenz ist der Malteser Hilfsdienst in Willich breit aufgestellt. Von Bianca Treffer

Das Telefon mit Wählscheibe und Hörer auf der Gabel ruft genauso wie das alte Radio und die Sammeltasse Erinnerungen hervor. Erinnerungen sind ein wichtiger Punkt, denn mit Hilfe von Gegenständen, die Erinnerungen auslösen, können Menschen mit Demenz an alte Erlebnisse anknüpfen. Daher gehören diese und weitere Gegenstände zu den Ausstellungsstücken im Café Malta des Malteser Hilfsdienstes Willich. "Mit unserem Café sprechen wir sowohl die Angehörigen von dementiell veränderten Menschen an, als auch die Demenzkranken selber. Während sich die Angehörigen austauschen können und Informationen zum Krankheitsbild erhalten, betreuen geschulte Helfer die Dementen", informiert Kurt Schumacher.

Beim Stichwort Helfer geht der Blick des Malteser Stadtbeauftragten und Leiter des Demenzdienstes "Lebensgarten" zu Marlene Rieger, Eleonore Wicklaus und Claudia Frei hinüber. Die drei Frauen gehören seit Jahren dem Team der Malteser an, das im Bereich der Demenz in den Einsatz geht. Neben dem Café Malta bieten die Willicher Malteser unter dem Stichwort "Lebensgarten" weitere Angebote an, darunter einen Besuchsdienst für Menschen mit Demenz. Dazu kommt das Seminarangebot "Menschen mit Demenz verstehen und begleiten", das sich sowohl an betroffene Angehörige als auch an Menschen richtet, die am Thema interessiert sind und sich eventuell bei den Maltesern einbringen möchten. Wer dort innerhalb der Demenzangebote aktiv werden will, benötigt das Seminar generell. "Wir haben nur entsprechend fachlich geschulte Mitarbeiter", betont Martina Schumacher von den Willicher Maltesern.

Noch immer ist das Thema Demenz dabei ein Tabuthema, wenngleich die Willicher Malteser mit ihrem breit aufgestellten Demenzangebot daran arbeiten, dass sich dies ändert. Die Krankheit und ihre Besonderheiten verstehen und dadurch dementsprechend besser damit umgehen können, ist genauso ein Ziel, wie die praktische Entlastung der Angehörigen. Angehörige und Demente dort abholen, wo sie stehen und begleiten, haben sich die Malteser auf ihre Fahnen geschrieben. "Wir tragen ein stückweit dazu bei, dass dementiell erkrankte Menschen so lange wie es geht in der gewohnten, liebgewonnenen Umgebung leben können und das ist auf der ganzen Linie ein gutes Gefühl", sagt Frei. Sie begleitete so über viereinhalb Jahre einen dementen Bürger. Wiederkehrende Tätigkeiten wie gemeinsames Singen, Spaziergänge, das Betrachten von Fotoalben und das Spielen von Gesellschaftsspielen gehörten zu der regelmäßigen wöchentlichen Begleitung über drei Stunden, in die die Angehörigen einmal Zeit für sich hatten. "Das Schöne ist es, dass wir keinen beruflichen Druck dahinter stehen haben. Wir können uns Zeit lassen und müssen nicht auf die Uhr schauen, wenn wir betreuen. Es ist unsere Zeit", sagt Rieger. Zwar gibt es eine Aufwandsentschädigung, die den Übungsleiterpauschalen entspricht, aber "niemand, der bei uns die Ausbildung macht und danach in den Einsatz geht, macht es aufgrund der kleinen Entlohnung", weiß Kurt Schumacher aus Erfahrung. Die Dankbarkeit der Familien, die man entlaste, sei enorm und mit der Zeit gehöre man ein stückweit zur Familie dazu, fügt Wicklaus an. Angehörige gehen oftmals bis an die Belastungsgrenze, um ihrem erkrankten Familienmitglied ein Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Der Besuchsdienst ist eine Auszeit für sie, in der sie neue Kraft tanken können. Ein Angebot, das mehr als nur hoch geschätzt wird. Um es entsprechend der Nachfrage anbieten zu können, sind die Malteser immer auf der Suche nach neuen Mitstreitern. "Zudem suchen wir aktuell einen Koordinator für den Demenzdienst im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung", sagt Kurt Schumacher.

Quelle: RP
 
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