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Stadt Willich
Markt: Was wird aus den Ahornbäumen?

Stadt Willich: Markt: Was wird aus den Ahornbäumen?
Laut Stadtplanern verstellen die rund 20 Kugelahorn-Bäume auf dem Willicher Marktplatz die Sicht auf die Pfarrkirche St. Katharina. Nun ist eine Diskussion darüber entbrannt, was mit ihnen geschehen soll. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Willich. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland kämpft weiter für den Erhalt der Bäume. Als möglicher Kompromiss zeichnet sich deren Umpflanzung ab - was den Naturschützern aber auch nicht passt. Von Marc Schütz

Scheitert die Umgestaltung des Marktplatzes in Alt-Willich nun an der Fällung der Kugelahorn-Bäume, die vor der Kirche stehen? Ja, wenn es nach Almut Grytzmann-Meister geht. Sie ist Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in der Stadt und im Kreis Viersen und will dafür kämpfen, dass die Bäume stehenbleiben. Notfalls will sie sich ans Land NRW wenden, um dort auf den "Irrsinn, der hier vonstattengeht," aufmerksam zu machen und zu verhindern, dass Geld nach Willich fließt. Denn das Land soll die gut eine Million Euro teure Umgestaltung des Platzes mit 60 Prozent fördern.

Heute Abend um 18 Uhr will Grytzmann-Meister zunächst mit möglichst vielen Mitstreitern die Sitzung des Planungsausschusses im Technischen Rathaus besuchen, auf dessen Tagesordnung die Markt-Umgestaltung steht. "Das Schauspiel schaue ich mir noch an und sehe, was passiert", sagt Grytzmann-Meister, die von 30 bis 40 Bürgern angesprochen worden sei, die gegen die Fällung der Bäume sind.

Christian Pakusch (CDU), Vorsitzender des Planungsausschusses, gibt sich indes zuversichtlich, dass die Umgestaltung des Platzes im Großen und Ganzen so durchgezogen wird, wie es das Planungsbüro "Kraft.Raum." vorsieht - also mit der Fällung der Kugelahorne, die aus Sicht der Planer den Blick auf die Pfarrkirche St. Katharina versperren. Auch die drei anderen am Ideen-Workshop beteiligten Büros hatten sich für die Fällung der Bäume und Ersatzpflanzungen an anderer Stelle ausgesprochen - was von der Empfehlungskommission, in der unter anderem Vertreter aller vier im Stadtrat vertretenen Fraktionen sitzen, auch so abgenickt wurde. Erst als der BUND aufschrie, äußerten auch die Grünen deutlich wahrnehmbare Bedenken und ruderten zurück.

Die Grünen streben nun den Dialog mit den Bürgern, der Stadtverwaltung und den drei anderen politischen Kräften an, um "eine möglichst naturverträgliche Umgestaltung des Marktplatzes unter weitgehendem Erhalt der Kugelahorne durchzusetzen", heißt es in einer Pressemitteilung. Man sei zuversichtlich, dass bis zur endgültigen Entscheidung in der ersten Sitzung des Planungsausschusses nach den Sommerferien "eine gute Lösung gefunden wird, die die architektonische Neugestaltung mit dem Erhalt der Bäume verbindet", so Fraktionsvorsitzender Dr. Raimund Berg.

Als Nächste kam die SPD-Fraktion mit einem Kompromissvorschlag um die Ecke und schlug vor, die gesunden Kugelahorn-Bäume umzupflanzen - zum Beispiel in Parks oder städtische Grünanlagen. Doch dieser Vorschlag ist aus Grytzmann-Meisters Sicht "Augenwischerei". Pro Baum koste die Versetzung 30 000 bis 40 000 Euro, und die Aussichten, dass der Baum überlebe, seien sehr gering, habe ihr ein Gutachter gesagt. Vollends auf die Palme treibt die BUND-Vorsitzende ein Vorschlag, den die CDU heute machen will: Die Stadt soll die Bäume freilegen, und wer mag, kann sie sich abholen. "Das ist ein Schildbürgerstreich. Die Politik verblödet doch total", ärgert sich Grytzmann-Meister. "Natürlich ist der Platz potthässlich, aber doch nicht durch die Bäume, sondern durch die Politiker." Aus ihrer Sicht hätte man schon längst den Autoverkehr vom Marktplatz verbannen und die Seite des Platzes, auf dem die Geschäfte liegen, attraktiver gestalten können. "Die Bäume können nichts dafür, dass die Geschäfte pleite gehen. Ich verstehe das blöde Geschwätz der Parteien nicht", echauffiert sich die Umweltschützerin, die sich nun von der FDP Hilfe erhofft - entsprechende Gespräche stimmten sie zuversichtlich. Wie sich die FDP zu dem Thema stellt, wird sich aber erst heute erweisen, denn erst gestern Abend kam die Fraktion zusammen, um darüber zu beraten. "Bei uns gibt es ganz unterschiedliche Meinungen dazu", sagt der Fraktionsvorsitzende Hans-Joachim Donath auf Nachfrage.

Planungsausschuss-Vorsitzender Christian Pakusch hat Verständnis dafür, dass die Fällung von Bäumen für Emotionen sorgt. Dennoch sieht er keine andere Möglichkeit. "Alle vier Planungsbüros waren dafür, die Bäume zu entfernen. Wir müssen jetzt ein Zeichen setzen, dass es in Alt-Willich vorangeht. Wir machen uns doch unglaubwürdig, wenn wir uns jetzt wieder im Kreis drehen und womöglich die nächste Bürgerbefragung ins Auge fassen." Und dann komme der Nächste, dem das neue Pflaster nicht passe oder der die Poller erhalten wolle. Über Details wie die Lage des Wasserfontänen-Feldes, das Lichtkonzept oder die Möblierung könne sich das Planungsbüro allerdings durchaus noch Gedanken machen.

Dabei drängt die Zeit: Um die Förderung des Landes zu erhalten und mit der Umgestaltung 2016 beginnen zu können, muss nach der Fertigstellung eines Vorentwurfs die Ausführungsplanung kurzfristig erstellt werden und bis spätestens November 2015 fertig sein, damit der Bezirksregierung fristgerecht zum 1. Dezember 2015 die Ausbaukosten vorgelegt werden können.

Quelle: RP
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