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Wülfrath
Bilder von Asylsuchenden im Korridor des Zeittunnels

Wülfrath: Bilder von Asylsuchenden im Korridor des Zeittunnels
Der Eritreer Jonas Mehari malte im Projekt mit. FOTO: Achim Blazy
Wülfrath. Mit 30 Werken von 18 Kunstfreudigen trägt derzeit ein Malprojekt Früchte, das Elke Voß-Klingler und Claus Klingler ins Leben gerufen haben. Sie hatten erfahren, dass der rührig engagierte Verein Inga neue Unterstützer zur Flüchtlingshilfe suche. Von Lars Mader

Die beiden Künstler wollten etwas tun, nicht zuletzt, nachdem sie eine sich verdichteten Ausländerfeindlichkeit verspürt hatten: "Wir haben uns gedacht, wir machen das, was wir können. Dass man mit Farbe weiterführen kann, wo Sprache versagt, davon sind wir überzeugt." Bei der Vorstellung des Projekts in den Heimen stieß die Verständigung tatsächlich an Grenzen. Die Flüchtlinge glaubten zunächst, dass es um die Vermittlung von Maler- und Anstreicharbeiten ginge. Auf Freunde in der Stadt konnten die Initiatoren indes bauen.

Zeittunnel-Chefin Andrea Gellert stellte einen Werkraum samt Küche zur Verfügung. Standfeste Staffeleien lieh das Offene Atelier der Bergischen Diakonie aus. Auch das Niederbergische Museum half mit Wechselrahmen für eine stilechte Präsentation der Kunst. Gemalt wurde mit Acrylfarben sowie Aquarell- und Bleistiften auf Papier, Pappe und Leinwand. Klingler benannte bloß eine Grundregel: "Vorgaben gab es keine. Jeder konnte das tun, wonach ihm war." Bei insgesamt zehn Treffen von je zwei Stunden lernte sich die bunte Gruppe gut kennen. Der jüngste Teilnehmer war acht, die älteste Teilnehmerin 80 Jahre alt. "Hier gibt es keine 'große Kunst' zu sehen. Aber wenn die Kunst ein Ausdruck des Lebens ist, dann ist diese Kunst hier ein Ausdruck des Überlebens", so sah Klingler Berührungspunkte zum Schicksal vieler bekannter Künstler, die ebenfalls oft nur ihre Ausdruckskraft zum Überleben gehabt hätten.

"Die Atmosphäre in den Malstunden war konzentriert, aber auch leicht und unbeschwert. Spürbar war, dass einige vom grauen Alltag loslassen konnten." fasste Klingler zusammen. Entstanden sind ganz unterschiedliche Motive von Abstraktionen über Landschaften bis zu Portraits. Der 25-jährige Yonas aus Eritrea lebt seit vier Monaten in Wülfrath. Er berichtete, dass er früher schon gezeichnet habe; nun aber erstmalig in einer Gruppe. Über Sudan und Libyen führte sein dramatischer Weg; von dortigen Begegnungen mit Tod, Elend und Hoffnung erzählen seine wirkungsstarken Bilder.

Mentorin Voß-Klingler schlug in der Bilanz zur Eröffnung der Bilderschau auch selbstkritische Töne an: "Wir haben leider nicht alles erreicht, was wir uns wünschten." Ursprünglich war vorgesehen, auch die heimischen Bürger zur Teilnahme am kreativen Austausch zu motivieren. Doch das war nicht gelungen. Vielleicht wird diese Einbindung der Wülfrather beim Folgeprojekt geschafft.

Unter dem Motto "Jeder hat seinen Platz" sind ab dem 23. September alle Interessierten eingeladen, mittwochs von 17 bis 19 Uhr, diesmal im Niederbergischen Museum, zu werkeln. Als Werkstoff werden dafür alte Holzstühle gesucht, die an den Verein Inga, der die Malutensilien finanziert, gespendet werden können.

Die Vereinsvorsitzende Annemarie Lüderitz malte auch im Zeittunnel mit; ähnliche Kreativprojekte mit Asylsuchenden kannte sie bislang nur aus Berlin. Versucht hat sie sich an einer ernsthaften Darstellung des nahen Steinbruchs. Doch nach Betrachtung nannte sie das zu Papier gebrachte Resultat dann doch humorig "Der Rosenkohl". Lüderitz wies darauf hin, dass sich die Mitgliederzahl des Inga-Vereins im letzten Jahr verdoppelt hat und viele Sachspenden eingingen. Bedarf bestünde weiterhin etwa für Winterschuhe.

Quelle: RP
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