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Wülfrath
Kopf-an-Kopf-Rennen im Dichterwettstreit

Wülfrath. Zum dritten Mal treffen sich Poetry Slammer aus ganz Deutschland in der Kalkstadt: beste Stimmung in Evi's Bistro. Von Laura Micus

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen war es. Der Poetry Slam in Evi's Bistro. Acht Akteure stellten sich auf die Bühne und gaben ihre selbst geschriebenen Texte zum Besten, Punkte gab es von der siebenköpfigen Jury. Der moderne Dichterwettstreit wurde in drei Runden ausgetragen. Runde eins war die Vorrunde, in der jeder der acht Redner seinen Text vorstellte. Runde zwei war das Halbfinale und die dritte Runde schließlich das Finale. Im Halbfinale trafen die vier Besten aus der ersten Runde erneut aufeinander.

Der Moderator und Veranstalter der Show, Jan Schmidt, erklärte zu Beginn die drei "goldenen" Regeln: Erstens, die Texte müssen selbst geschrieben sein. Zweitens, es dürfen keine Requisiten verwendet werden. "Also die, die hier auf der Bühne stehen, sehen wirklich so aus", sagt Jan Schmidt zum Publikum. Und drittens, die Poetry Slammer dürfen nicht singen. Sie sollen schließlich mit ihren Texten überzeugen, nicht mit ihrer Stimme.

Für die Teilnehmer ist das aber kein Problem. Selbstsicher und wortgewandt treten sie auf und begeistern das Publikum restlos. Nach jedem Auftritt bewertet die Jury mit einer Punkteskala von eins bis zehn. Viele Neunen und Achten werden in die Höhe gestreckt, ein paar Mal sieht man eine Zehn, einige Siebenen sind auch dabei, ab und zu eine Sechs. Eine Bewertung mit weniger als sechs Punkten wird nur sehr selten gegeben. Lyrik auf hohem Niveau.

Die Acts bringen das Publikum zum Lachen, einige zum Schmunzeln, manche auch zum Nachdenken. Themen sind Religion, Liebe und Leben. Die Beiträge sind ausdrucksstark, die Mimik der Slammer ebenso. Sie sprechen schnell, aber dennoch artikuliert, mal leise und mal ganz laut. Mit ihrer Stimme können sie jedenfalls umgehen. Sie sind aus ganz Deutschland angereist: Köln, Bonn, Bochum, Paderborn, Magdeburg, Bremen und Kiel sind vertreten.

Das Beste an einem solchen modernen Dichterwettstreit sei der direkte Kontakt zum Publikum, sagt Jan Schmidt. "Ich bin selber Poetry Slammer, ich dachte, in der Heimatstadt kann man so etwas auch gut machen." Es ist mittlerweile schon der dritte Wettstreit in der Kleinstadt und der Andrang wird immer größer. "Es wird angenommen von den Leuten."

Die Nähe zum Publikum begeistert auch die Akteure. Es gebe eine richtige Interaktion mit den Zuschauern, sagen sie. "Man lebt die Literatur auf der Bühne. Das hat etwas Dynamisches", erklärt Theresa Hahl aus Bochum. Die Literatur sei außerdem gestorben und so würde sie wieder zum Leben erweckt. Die Szene der Lyriker ist eng vernetzt, mittlerweile kennen sich schon alle und haben sich angefreundet. "Die Szene ist einfach sehr geil", findet Hinnerk Köhn aus Kiel.

Das sehen die Gäste allerdings auch so. Ihnen gefällt die Atmosphäre im Bistro. "Wir gehen hin und wieder zu einem Poetry Slam", sagen Martin Kroll und Kristina Zimmermann. "Es ist eine ganz eigene Ausdrucksart." Martin Kroll vergleicht es mit Musik und Tanz. Früher war die Lyrik eher klassisch, sagt er, "das ist jetzt eine moderne und zeitgemäße Form."

Quelle: RP
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