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Wülfrath
Leichen, Lieder und Lachsalven

Wülfrath: Leichen, Lieder und Lachsalven
Kommissar Engelmann alias Sascha Gutzeit jagt Mörder am Klavier mit umwerfender Situationskomik. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. Sascha Gutzeit trat als Kommissar Engelmann im Kommunikations-Center Schlupkothen auf. Von Lars Mader

Zu wissen, was zu tun ist, ist eine Lebenskunst. Bernd Kicinski vom Schlupkothener Kultur-Team beherrscht dieses Handwerk. Für 70 Zuhörer des Programms "Leichen, Lieder & Lachsalven" von Schauklavierspieler Sascha Gutzeit hatte er die Kathedrale bestuhlt; 69 zahlende Gäste erschienen letztlich und ein bisschen Spielraum sollte man schließlich immer haben. Ähnlich souverän mit dem Fluss der Realität weiß auch Kommissar Heinz Engelmann umzugehen, dessen schlitterndes Schicksal Gutzeit zu dieser Gelegenheit beschrieb und besang.

Im Oktober 2014 erschien das zugrundeliegende Buch "Kommste heut nicht, kommste morden!" des bekennenden Wuppertalers. Um den komischen Krimi atmosphärisch dicht darzulegen, reminiszenierte er an die guten alten frühen Siebziger Jahre. Gutzeit verklärt sie zum Zeitalter des authentischen Handelns und der Menscheligkeit.

Einen gewissen Hang zur Sentimentalität kann Gutzeit ohnehin nicht verbergen. Etwa dann, wenn er sich an seine Auftrittshistorie in Schlupkothen erinnert. Zum achten Male und mit acht unterschiedlichen Programmen gastierte er bereits im Kulturzentrum. Um das Jahr 2003 begann diese treulich wiederkehrende Romanze zwischen dem Bühnennomaden und dem Kulturort, sinnierte Gutzeit zurück: "Ich weiß noch, dass das Gelände hier mal ganz anders aussah."

Auch sein Superheld Engelmann brilliert als Aufklärer "unerbittlich, von Schlupkothen bis hinter Wittlich". Dem passionierten Hutträger ist es "ganz egal, ob mit einem dicken Stein beschwert und tief unten in der Düssel versenkt"; er findet zu jeder Leiche einen Mörder. Diesmal geht im schönen Mäandertal, das auffällig unbeabsichtigte Ähnlichkeiten mit dem Kalkstädter Sibirien aufweist, und, wie Gutzeit unkte, "vielleicht in Wülfrath auch" ein köpfendes Phantom um. Seine Mordwaffe erweist sich bald als Peitsche, deren Schlag Gutzeit durch erschreckendes Improvisationskönnen mit der Zunge nachschnalzte. Unterspielt wurde die Situationskomik von ihm mit einer in perfekter Leichtigkeit vorgetragenen Vertonung in Klaviaturtönen und Kessreimen. Von der Lockerleichte eines Vorabendkrimis steigerte sich der Verbrechensvortrag stetig.

Das Allerbeste folgte dann als Draufgabe. Gutzeit sang das hymnenhafte Hohelied vom Schlupkothener Kulturschwein, jenem possierlichen kleinen Kerl, der immer fitter wird, je mehr man in ihn hineinsteckt. Mit stolzgeschwellter Brust stand der Besungene stocksteif wie eine erstarrte Salzsau da und mehrte seinen Ruhm.

Quelle: RP
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