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Wülfrath-Schlupkothen
So dreckig und kaputt ist das Obdachlosenheim

Wülfrath: Obdachlosenheim in miserablem Zustand
Wülfrath: Obdachlosenheim in miserablem Zustand FOTO: Privat
Wülfrath. In Wülfrath-Schlupkothen klagen die Bewohner eines Obdachlosenheims über ein verdrecktes Treppenhaus sowie verschmutzte Waschgelegenheiten. Auch in der Küche sehe es nicht gerade wohnlich aus. Von Sabine Maguire

Schon vor Monaten gab es Gerüchte, die städtische Obdachlosenunterkunft sei in einem unzumutbaren Zustand. Mittlerweile wurde das Gebäude am Schluphothen 1 ringsherum freigeschnitten. Öffnet man jedoch die Tür zum Flur, wird schnell klar: Im Haus selbst hat sich nicht allzu viel getan.

Kaputte Briefkästen, auf dem Boden liegen Werbebroschüren kreuz und quer verteilt. Wir folgen der Einladung eines Bewohners, uns durch die Gemeinschaftsräume zu begleiten. Katzenkot, Fleischknochen und überall Müll: Hier hat schon lange keiner mehr geputzt. "Alle paar Wochen kommt mal jemand vorbei", berichtet der Bewohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Offenbar gibt es also doch hin und wieder jemanden, der für Ordnung sorgt.

Abgesehen vom Schmutz sind auch die Räumlichkeiten in einem schlechten Zustand. In einer der beiden Küchen verraten Wasserflecken an der Tapete, dass vermutlich das Dach undicht ist. "Vor allem in den Wintermonaten tropft es dann durch die Decke ", weiß der Bewohner.

Um den "undichten" Raum als Küche zu bezeichnen, braucht man viel Fantasie. Der einzige Hängeschrank an der Wand ist kaputt. Die Schränke darunter sind es auch. Die Wände sind beschmiert, auf dem völlig verdreckten Boden wird der Müll in Plastiktüten gesammelt. Teller, Tassen und Töpfe sucht man vergebens. Vermutlich verwahren die Bewohner das Kochgeschirr in ihren Zimmern, in die wir nicht schauen wollten, um die Privatsphäre nicht zu stören. Gekocht wird übrigens dennoch in der Küche, was an dem völlig verdreckten Herd unschwer zu erkennen ist. Noch unangenehmer wird es in den Toiletten. Auf dem Boden steht das Wasser - vermutlich passiert es des Öfteren, dass jemand neben das Toilettenbecken uriniert.

In einem der Waschbecken sammelt sich gelbliche Brühe, offensichtlich ist es verstopft. Die Wände im ganzen Haus sind verdreckt und beschmiert. Das Treppenhaus ist "zugemüllt", an das Geländer sollte man sich lieber nicht anlehnen. In einem der Flure steht ein Wäschegerüst, obwohl es wenig Sinn macht, in diesem Ambiente frisch gewaschene Wäsche trocknen zu lassen. Hin und wieder schaut einer der Bewohner aus seinem Zimmer - meist junge Männer, nicht älter als 20 bis 25 Jahre. Man fragt sich, ob es gewollt ist, sie an einem solchen Ort sich selbst zu überlassen.

Drogen, Kriminalität, gescheiterte Lebensentwürfe: Es gibt so einiges, was schief gelaufen ist in einem Leben, mit dem man irgendwann in der Obdachlosenunterkunft strandet. Dabei wäre es vielleicht noch möglich, die Reißleine zu ziehen. Aber sicher nicht an einem solchen Ort - und vor allem nicht ohne Unterstützung. Einen Ansprechpartner sucht man im Haus vergebens, die Bewohner müssen für Beratungsgespräche zur Diakonie nach Velbert fahren. Angesichts der prekären finanziellen Lage ist das wohl eine Situation, die zum "Schwarzfahren" und damit erneut zu kriminellem Handeln einlädt.

Eine Nachfrage bei der Caritas-Suchthilfe in der Nordstraße hat ergeben: Dort ist man für die Betreuung der Wohnungslosen am Schlupkothen nicht zuständig. Hin und wieder komme zwar mal ein Klient zum gemeinsamen Frühstück oder zu Beratungsgesprächen. Vor Ort sei man jedoch nur selten, da die Zuständigkeiten anders verteilt seien. Eine Antwort auf die Frage, warum die Bewohner nicht selbst im Haus für Ordnung sorgen können, gibt Caritas Bereichsleiter Thomas Rasch dennoch: "In deren Leben herrscht ein andauernder Ausnahmezustand. Man kann die Betroffenen deshalb nicht einfach sich selbst überlassen und erwarten, dass sie das schon irgendwie hinbekommen."

Sie seien nicht in der Lage, Selbstverantwortung zu übernehmen und bräuchten Unterstützung um zu lernen, wie man den Tag strukturiert, sein häusliches Umfeld pflegt und gut für sich selbst sorgt. "Gelernt haben sie in aller Regel exakt das Gegenteil: Nahezu alle kommen aus desolaten Verhältnissen, haben Sozialhilfe-Karrieren bereits in der Kindheit erlebt oder sind früh auf die schiefe Bahn geraten."

Quelle: RP
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