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Wülfrath
Theater hilft bei der Flüchtlingsarbeit

Wülfrath: Theater hilft bei der Flüchtlingsarbeit
Im Rahmen der Aktionswoche gegen Gewalt wurde in der Kulturkirche "Auf Augenhöhe" aufgeführt. FOTO: janicki
Wülfrath. Im Sommer 2015 begann die sogenannte "Flüchtlingskrise". Seitdem ist die Flüchtlingshilfe der Bergischen Diakonie im Einsatz, führt Schulungen und Fortbildungen für Ehrenamtler durch - und bietet Sprachkurse und Gruppen an. "In den ersten Monaten ging es hauptsächlich um Erste Hilfe, heute liegt der Schwerpunkt auf Integration", sagt Astrid Kothe-Matysik von der Diakonie. Welche Probleme gibt es bei der Integration und was könnten Helfer besser machen? "Statt eine weitere dröge Fortbildung zu machen, sind wir ganz froh, die "inszene"-Leute für uns gewonnen zu haben", so Matysik.

Das Forumtheater "inszene" aus Siegburg hat sich auf die Behandlung gesellschaftlicher Probleme spezialisiert. "Wir nutzen das Theater als ästhetisch kraftvolles Medium, um gesellschaftliche Fragen aufzuwerfen und Impulse für Veränderungen zu geben", sagt "inszene" über sich selbst. Im Rahmen der Wülfrather "Woche gegen Gewalt" waren die Theaterleute mit ihrem Projekt "Auf Augenhöhe" zu Gast in der Evangelischen Kulturkirche. "Inszene"-Gründerin Friderike Wilckens-von Hein: "Wir haben typische Situationen aus der Flüchtlingshilfe ausgewählt und wollen mit Ihnen zusammen gucken, was man besser machen könnte".

Erste Szene: Eine junge Frau steht an der Rezeption einer Arztpraxis. Ehrenamtlerin Miriam (Patricia Lempke) wartet auf Flüchtling Salim (Nadeem Ahmed), der um 17.15 Uhr einen Termin zur Impfung hat. Er kommt nicht. Ob er denn auch später heute noch zum Doktor könne, fragt Miriam die Empfangsdame. "Das wird sehr schwer, tut mir leid". Am nächsten Tag ist Nachbarschaftsfest in Miriams Garten. Salim kommt und fragt "Wann Antrag? Ich hier in Deutschland, meine Frau und Kinder sollen kommen". Doch Miriam hat ganz andere Sorgen. "Ich hab beim Arzt auf dich gewartet! Das geht so nicht, es ist wichtig, dass du zu Terminen erscheinst". Doch Salim sieht das nicht ein. "Ich nix Arzt", sagt er knapp. Er habe gestern seinem Kumpel Shiraz im Handyladen helfen müssen. Nach jeder Szene wendet sich Friderike Wilckens an das Publikum. "Wie fühlt sich Miriam?", fragt sie, und "Was möchte Salim?".

Die Zuschauer machen Vorschläge, wie man diplomatisch vorgehen könnte. Wer den besten Vorschlag hat, darf die alternative Szene selbst spielen. Man müsse Salim rechtzeitig an den Termin erinnern, seinen Kumpel könne er ja mitbringen. In weiteren Szenen will ein Flüchtlingskoordinator seinen Schützling erst in ein Praktikum, dann in eine eigene Wohnung vermitteln, ohne auf deren Wünsche einzugehen. Die Zuschauer, unter ihnen viele Ehrenamtler, bekommen Anregungen für ihre eigene Arbeit. Die Botschaft des Abends: Man muss mehr miteinander reden.

(tpp)
 
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