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Wülfrath
Wülfrath feiert mit den Flüchtlingen

Wülfrath: Wülfrath feiert mit den Flüchtlingen
Beim Flüchtlingsfest in Wülfrath gab es leckere Speisen am Stand von Rot-Weiß. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. Kerngedanke des Festes war es, ein Netzwerk zu schaffen sowie das Miteinander in der Stadt fördern. Von Dominique Schroller

"Ich wünsche mir, dass der Krieg aufhört und die Flüchtlinge herzlich von allen aufgenommen werden", steht auf der kleinen rosa Karteikarte, die am Wunschbaum der Gymnasiasten flattert. "Ich möchte Arzt werden", hat jemand in Englisch auf ein gelbes Kärtchen geschrieben, "ich möchte meine Familie hierher holen" ein anderer.

Winta Tesfay spricht schon etwas Deutsch. Die Frau aus Eritrea bietet den Besuchern des Willkommensfestes ihren Kaffee an. Sie hat die Bohnen aus ihrer Heimat selbst geröstet, gemahlen und nach einem speziellen Verfahren aufgebrüht. "Das ist perfekt. Es schmeckt sehr mild und gleichzeitig sehr aromatisch. Die Zubereitung scheint sehr schonend zu sein", sagt Peter Klückmann nach einem Schluck aus den kleinen Tässchen. Winta Tesfay lächelt und deutet auf die Kanne mit der langen Tülle. "Das ist eine Jebena", sagt sie.

Die Organisatoren: Matthias Freund, Thomas Reuter und André Herbes FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)

"Der Aufguss ist sehr aufwändig", sagt Christel Gruner-Olesen von der INGA. Sie gibt den Frauen Deutsch-Unterricht und hatte die Idee zu der Kaffee-Kostprobe. "Das passt wunderbar zum Programm hier." Gemeinsam mit den Männern aus Syrien hat sie vor dem Fest bis halb drei Uhr morgens in der Küche der Sekundarschule Grieskuchen, Fingerfood und Grillspieße vorbereitet. "Die sind schon alle weg." Tatsächlich duftet es köstlich unter den Pavillons und der Andrang ist entsprechend groß.

Zufrieden schlendert Matthias Freund über den Schulhof. "Alle feiern gemeinsam und damit haben wir unser größtes Ziel schon erreicht. Wir wollten den Menschen ein Gesicht geben. Sie sollen nicht nur eine Zahl sein", betont der Organisator der Initiative Wülfrath hilft II. Viele Vereine und Bürger haben sich spontan eingebracht und dazu beigetragen, dass die Veranstaltung gelingt. "Wir konnten Gentränke und Speisen komplett aus Spenden finanzieren." Diese Hilfsbereitschaft hat auch Lioba Heinzler erfahren. Sie ist für die Koordination der langfristigen Unterstützung verantwortlich.

Röstete und kochte frischen Kaffee: Winta Tesfay aus Eritrea. FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)

"Es gibt ganz viele Menschen, die sich mit ihrer Zeit und ihren Kompetenzen einbringen möchten und wir verteilen sie auf die verschiedenen Projekte." Es gibt beispielsweise einen Arbeitskreis zum Thema Wohnraum oder Patenschaften für Familien, die Begleitung zu Behörden brauchen oder jemanden, der ihnen erklärt, was ein Turnbeutel ist.

Dazu kommen Koch- und Sprachkurse sowie das Café international von Evangelischer Kirche und Diakonie, das ein zentraler Treffpunkt sein soll. "Dort können sich die Menschen begegnen und Hemmnisse abbauen", sagt Pfarrer Thomas Rehrmann. Er hat zum Fest ein Kunstangebot initiiert, bei dem die Besucher Schirme bemalen konnten.

"Die Idee ist, dass bei schlechtem Wetter alle Wülfrather mit bunten Schirmen unterwegs sind und sie vielleicht sogar untereinander tauschen und so für Vielfalt werben."

In bunten Trikots sprinten Spieler aller Nationen über den kleinen Fußballplatz auf der Rückseite des Schulgebäudes. "Die Jungs aus der Erstaufnahme-Einrichtung haben wir eben aus Spenden eingekleidet. Sie sind begeisterte Fußballer und es sind auch einige richtig gute Spieler dabei", sagt Christian Huning vom Stadtsportbund.

Das ist auch Yüksel Sümbül aus dem Vorstand von Rot-Weiß Wülfrath aufgefallen. "Wir schauen hier gezielt nach Talenten. Einige haben schon bei uns mittrainiert, ein paar haben sogar schon einen Spielerpass. Sie können alle zum Training kommen", betont er und konzentriert sich dann wieder auf das Duell auf dem Platz.

Quelle: RP
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