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Diese Woche In Unserer Stadt
Wülfrath ringt sich zu Zebrastreifen durch

Wülfrath. Die Stadt knickt ein: 2018 soll es neben einem Fußgängerüberweg am Angermarkt auch einen in Höhe des Altenheims geben. Lange hielt die Verwaltung das für falsch. Nun wird doch gepinselt. Das kostet 12 000 Euro. Komisch: In vielen Städten werden Zebrastreifen wegen zu hoher Kosten abgeschafft. Von Uwe Reimann

 Die Stadt macht ab dem jahr 2018 Nägel mit Köpfen - besser: Streifen mit Farbe. In einer halbjährigen Testphase sollen in zwei Jahren zwei Fußgängerüberwege, einer vom Angermarkt-Ausgang zur Kreissparkasse und einer von der Hirsch-Apotheke zum Altenheim, eingerichtet werden. Endlich soll geklärt werden, wo an der Goethestraße wie viele Menschen die Straße überqueren und wo es am sichersten ist. Darauf haben sich Stadt, Kreis und Polizei geeinigt.

Der Ordnungsausschuss soll das am Dienstag abnicken. Dabei ist die Stadt genaugenommen erst mal eingeknickt, denn einen Zebrastreifen in Altenheim-Höhe hatte sie bisher vehement abgelehnt, da ältere Menschen dort wegen der gegenüberliegenden Wiedenhofer Straße dann akut gefährdet seien. Natürlich kann man Bedenken revidieren und einer neuen Einschätzung Platz einräumen, wie es die Stadt tat. Aber warum das so ist, bleibt nebulös. Der immense Druck des Seniorenrates, der über ihre Vorsitzende Gertrud Brüggemann immer schon darauf drängte, dürfte es bei allem Respekt gegenüber der Seniorenvertretung nicht sein.

Wer jetzt aber glaubt, die Formulierung "zunächst zwei Fußgängerüberwege zur Probe einzurichten" in der Verwaltungsvorlage sei etwas hochgestochen formuliert und ein Eimer weiße Farbe, Pinsel und eine genaues Auge würden reichen, hat die Rechnung ohne die Verordnung R-FGÜ gemacht. Die regelt im Amtsdeutsch die Mindest-Streifenbreite, die Schilder über der Fahrbahn, die abgesenkten Bürgersteige für Rollstuhlfahrer, Auffindstreifen für Blinde und vor allem die ausreichende Beleuchtung.

Da wundert es nicht, dass die Zebrastreifen mittlerweile auf der roten Liste der aussterbenden Verkehrsinstrumente stehen. Immer mehr Städte richten zur zögerlich neue ein, die bestehenden entsprechen oft nicht den Vorschriften. Die Kommunen haben Probleme, für ausreichend Beleuchtung zu sorgen. Dortmund stellte bei einer Überprüfung fest: Fast die Hälfte aller Zebrastreifen entspricht nicht den Beleuchtungsvorschriften. Und in Hamm fuhr ein Autofahrer eine Straßenlaterne um - woraufhin der Zebrastreifen dort durchgestrichen werden musste. Fast ein halbes Jahr lang blieb das so, denn der Hersteller des Lichtmastes konnte lange nicht liefern. Erst Mitte September gab es wieder Licht - und auch wieder einen Zebrastreifen.

Die Beleuchtung ist denn auch eine der teuersten Punkte bei Fußgängerüberwegen und somit ein willkommendes Argument, sie, wenn es aus Sicherheitsgründen geht, still und heimlich verblassen zu lassen. Trier zum Beispiel hat 253 Zebrastreifen. Entsprechend teuer wäre die Nachrüstung für die Stadt. Allein die Kosten für die Installation von Laternen an einem bisher unbeleuchteten Zebrastreifen können bis zu 25.000 Euro kosten, schätzt die Stadt. Seit Anfang des Jahres überprüft Trier alle weißen Streifen. Bald soll es eine Liste geben, in der steht, wo sie bleiben und wo sie wegkommen.

In Wülfrath sind für die neuen Fußgängerüberwege 12.000 Euro kalkuliert. Man wird sehen, ob die Kosten ein Argument in der Diskussion sind. Ein Argument wird sicherlich bemüht werden: Durch den Zebrastreifen an der Hirsch-Apotheke fallen Parkplätze weg. Bei manchen Themen ist es DAS Argument, etwas zu tun oder auch nicht.

Quelle: RP
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