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Sonsbeck
Autofahrt endet im Wohnzimmer

Sonsbeck: Auto fährt in Wohnhaus
Sonsbeck: Auto fährt in Wohnhaus FOTO: Guido Schulmann/ schulmann.tv
Sonsbeck. Zwischen Geldern-Kapellen und Sonsbeck kam es am Samstagmorgen zu einem spektakulären Unfall. Ein Auto durchbrach eine Hauswand. Der 22-jährige Fahrer wurde leicht verletzt. Die Bewohner kamen mit dem Schrecken davon. Von Peter Gottschlich

Durch einen Knall wurde Melanie Wichert am frühen Samstagmorgen aus dem Schlaf gerissen. "Dann haben meine zwei Hunde gebellt", erzählt die Sonsbeckerin, die in einer Wohnung am Grunewaldweg lebt.

"Ich wusste gar nicht, was passiert war", sagt sie weiter. Sie ging zum Wohnzimmer, in dem ihre Hunde geschlafen hatten. "Ich habe die Tür geöffnet, da kam mir eine riesige Staubwolke entgegen", erzählt sie von ihren Schrecksekunden kurz vor halb sechs Uhr. Als sich die graue Wolke verzogen hatte, sah sie einen silbernen Opel Corsa, der zwischen ihrer roten Ledercouch und ihrem schwarzen Flachbildfernseher "parkte". Das ganze Zimmer war von roten Steinen und grauem Staub eingehüllt.

"Ich bin sofort zum Auto gegangen, um zu sehen, ob jemand verletzt ist", blickt Melanie Wichert zurück. "Der junge Fahrer war aber fast unverletzt. Der Airbag hatte sich geöffnet. Der hat ihm wohl das Leben gerettet", glaubt die Bewohnerin.

Was war passiert? Ein 22-jähriger Sonsbecker hatte mit seinem Wagen eine 65 Zentimeter starke Mauer aus Ziegelsteinen durchbrochen. Zuvor hatte das Auto bereits einen Grünstreifen, eine Hecke und einen Vorgarten durchquert. Auf der Gelderner Straße, die der 22-Jährige von Kapellen kommend in Richtung Sonsbeck befahren hatte, war er laut Angaben der Polizei in einer langgezogenen Linkskurve, die zwischen Kapellen und dem Forsthaus Winkel liegt, mit seinem Auto nach rechts von der Fahrbahn abgekommen und schließlich erst im Wohnzimmer von Melanie Wichert zum Stehen gekommen.

Polizei und Feuerwehr waren kurz nach dem Unfall am Ort des Geschehens. Laut Angaben der Feuerwehr hatte sich der Fahrer zu diesem Zeitpunkt bereits selbstständig aus dem Auto befreit.

"Der Fahrer hat gesagt, er sei einem Reh ausgewichen und dann von der Fahrbahn abgekommen", sagte Uwe Neumann, der im ersten Obergeschoss des Hauses wohnt, gegenüber der Rheinischen Post. Er erklärte weiter, er habe keinerlei Bremsspuren auf der Fahrbahn entdecken können. "Zum Glück ist dabei niemand verletzt worden."

René Kretz, Eigentümer des niederrheinischen Bauernhauses, in dem die Autofahrt im Wohnzimmer endete, spekulierte in diesem Zusammenhang über die gefahrene Geschwindigkeit. Die muss allerdings im Zuge der polizeilichen Untersuchungen noch ermittelt werden. Erlaubt sind in diesem Bereich 100 Stundenkilometer. "Er muss eine hohe Geschwindigkeit haben, um die Energie zu bekommen, eine dicke Wand komplett zu durchbrechen", sagt Kretz.

Ob der Fahrer möglicherweise unter Alkoholeinfluss stand, ist ebenfalls noch unklar. Die Polizei ordnete eine Blutentnahme im Krankenhaus, in dem er nach dem Unfall nach Angaben der Polizei stationär verblieb, an.

Ein Abschleppwagen zog den Opel Corsa aus dem Wohnzimmer. Die Feuerwehr stützte die Wand oberhalb der durchbrochenen Mauer mit Baustützen ab. Außerdem schloss sie die Wand provisorisch mit Bauholz.

"Die Wohnung ist erst vor vier Wochen komplett renoviert worden", erzählt Eigentümer René Kretz. Neben der Außenwand seien auch eine Zwischenwand und die Decke beschädigt. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf rund 70.000 Euro. Das Haus blieb bewohnbar, ein Statiker wurde nach Angaben der Polizei zur Überprüfung der Standsicherheit hinzugezogen. Heute wird ein Gutachter erwartet. Er soll die Kosten schätzen, die bei der Wiederherrichtung des Hauses entstehen werden. Dann kann der Wiederaufbau beginnen. "Es muss schnell gehen", sagt René Kretz. "Die Wand sollte wieder stehen, bevor es richtig kalt wird."

Wie genau es zu dem Unfall gekommen ist, dazu gab es gestern auf Nachfrage bei der Polizei noch keine weiteren Erkenntnisse. Die Ermittlungen dauern an.

Bilder von den Rettungsarbeiten finden Sie hier.

Quelle: RP
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