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Xanten
Eine Leiche zum Dessert in der Brasserie

Xanten: Eine Leiche zum Dessert in der Brasserie
Gleich ist er tot: Egon Kowalski (Philipp Terhorst) wankte blutüberströmt durch die Tischreihen, sehr zum Amüsement der Zuschauer. FOTO: Fischer, Armin (arfi)
Xanten. Die "BühnenRevoluzzer" waren in Marienbaum zu Gast: In der Brasserie Hennemann begeisterten sie das Publikum mit einem klassischen Krimi, in die sie viele Gags einbauten. Dazu wurde ein Fünf-Gänge-Menü serviert. Von Erwin Kohl

Kommissar Tenhagen (Thomas Tervoort) hat es nicht leicht, denn er soll einen heimtückischen Mord aufklären. Gleich zu Beginn stellt er fest, dass das Wichtigste fehlt: die Leiche. Die wandelte kurz zuvor blutüberströmt durch die Reihen der 50 Gäste in der Marienbaumer Brasserie Hennemann. An Zeugen mangelte es also nicht.

Mit "Mord in der Brasserie - Krimidinner in fünf Gängen" präsentierten die "BühnenRevoluzzer" nach ihrer gelungenen Theaterpremiere im vergangenen Jahr an zwei Abenden eine erfrischend komische Krimikomödie zu einem exklusiven Menü.

Verantwortlich für die kriminellen Abwege des Ensembles war Kommissar Zufall. Der wollte es, dass ein Supermarkt in Rhede seinen Gästen Anfang April einen mörderischen kulinarischen Abend bieten wollte. Regisseur Thomas Tervoort ließ sich nicht lange bitten und schrieb das wendungsreiche und mit vielen spritzigen Dialogen gespickte Stück. Dieses beginnt in Edgar-Wallace-Manier mit einem furchteinflößenden Schrei aus der Küche. Kurz darauf stolpert Hilfskoch Egon Kowalski (Philipp Terhorst) durch die Tischreihen, um gleich darauf wortlos, aber gestenreich in die Küche zu verschwinden.

Zum Glück ist Frau Doktor Bella von Zitzewitz anwesend, die sofort hinterhereilt, um den Schwerverletzten zu versorgen. Leider vergeblich. "Sie hat ihm den Rest gegeben, haben sie nicht die Mordslust in ihren Augen gesehen", ist sich die "Miss Marple für Arme" Adelheid (Moni Szewczyk) sicher.

Dummerweise verschwindet die Leiche just in dem Augenblick, als Hauptkommissar Tenhagen mit seinem verschlafenen Assistenten Schulz (Marc Nakath) und der aufgeweckten Azubine (Christiane Tervoort) den Handlungsort betritt. Letztere macht der Hobbydetektivin gleich deutlich, dass ihr für den ungerechtfertigt ausgelösten Polizeieinsatz zehn Jahre Zuchthaus drohen. "Prima, können Sie meine Frau gleich mitnehmen?", freut sich Gatte Werner (Matthias Franke).

Zum Glück läuft die Leiche kurz darauf erneut durch den Raum und Adelheid ist erstmal aus dem Schneider. Für einen vernünftigen Mordfall taugt das zu vitale Opfer allerdings nicht, bis Schulz zwischen zwei Nickerchen eine bemerkenswerte Entdeckung macht: "Chef, die Leiche ist wieder da, aber jetzt ist sie tot."

Feststellungen wie diese sorgen immer wieder für Szenenapplaus vom Publikum. Als der Chefermittler wenig später mit einem Messer in der Brust hereinwankt, überschlagen sich die Ereignisse. Zum Glück hat seine Auszubildende in einem ihrer zahlreichen Fortbildungslehrgänge gelernt, Blutgruppen am Geschmack zu erkennen. So kann die Mörderin überführt werden. Das Motiv der in den Koch (Sascha Späth) verliebten Medizinerin lag für die Nachwuchspolizistin ebenfalls auf der Hand: "Klarer Fall von Scheidung auf Niederrheinisch."

Dass der Manager des Hauses (Hans Klaassen) nach dem Genuss des Desserts tot auf dem Tisch liegt, könnte Anlass für eine Fortsetzung der gelungenen Aufführungen sein. Das Marienbaumer Publikum, so viel wurde nach dem frenetischen Schlussapplaus deutlich, hätte sicherlich nichts dagegen.

Quelle: RP
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