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Zum Sonntag
Verklärung

Xanten. Wenn man etwas oder jemanden mit "verklärtem" Blick betrachtet, ist meist Liebe im Spiel. Wenn wir jemanden lieben, sehen wir nur das Gute. Falls wir doch etwas nicht so Gutes entdecken, so wird dies in der Regel nicht sehr gewichtet. Es wird überstrahlt vom Guten, das uns begeistert. In diesem Sinne macht Liebe blind und sehend zugleich. Mit verklärtem Blick sehen wir hinter die Fassade eines Menschen, sehen den liebenswerten Menschen an sich und nicht - wie zumeist im Alltag - das, was er zu sein vorgibt oder wir zu sehen glauben oder sehen wollen.

Am 6. August feiert die katholische Kirche das Fest der Verklärung des Herrn. Jesus nimmt seine engsten Vertrauten Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg. Dort wird Jesus vor ihren Augen verwandelt, seine Kleider, sein Gesicht strahlend weiß - sie sehen Jesus mit anderen Augen. Plötzlich sehen sie sogar Mose und Elija mit Jesus reden. Und sie hören, wie der Vater sich zu Jesus als seinem auserwählten Sohn bekennt, auf den sie hören sollen. Für einen Augenblick berühren sich Himmel und Erde, für einen Augenblick ist alles klar. Für einen Augenblick treten sie in Kontakt mit dem Göttlichen. Und wie das so ist, wenn man den Augenblick festhalten möchte, wenn man eigentlich unsagbares in Worte fassen möchte, man redet dummes Zeug. So geschieht es auch dem Petrus: "Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija."

Fast entschuldigend fügt der Evangelist Lukas in seiner Darstellung der Verklärung hinzu: "Er wusste nämlich nicht, was er sagte." Nach ihrer Rückkehr erzählen sie zunächst niemandem von dem Erlebten. Es dauert, bis ihnen die Augen aufgehen, bis sie verstehen. Erst nach Ostern erkennen sie, was und wem sie in Jesus begegnet sind.

AUTORIN BÄRBEL JENSEN IST PASTORALREFERENTIN IN DER KATHOLISCHEN PFARRGEMEINDE ST. PETER RHEINBERG.

Quelle: RP
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