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Xanten
Wallfahrt in zwei Dimensionen

Xanten: Wallfahrt in zwei Dimensionen
In Kevelaer (links) besuchen jährlich rund 800 000 Menschen die Pilgerstätten. Deshalb ist der Wallfahrtsort der zweitgrößte in Deutschland. In Ginderich war die Wallfahrt 365 Jahre lang verboten. 2005 kam jedoch die Wende: Der damalige Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann beschloss, die Gindericher Kirche wieder in den Kreis der Wallfahrtsorte der Diözese aufzunehmen. FOTO: Archiv
Xanten. Ginderich schaut als ältester Wallfahrtsort am Niederrhein auf eine lange Geschichte zurück, jedoch ebenso auf ein dunkles Kapitel. Kevelaer ist der zweitgrößte Pilgerort in Deutschland. Ein Vergleich, kurz vor Beginn der Wallfahrt. Von Marcel Romahn und Christian Cadel

Anfang Mai beginnt die Wallfahrt. Ein Vergleich der traditionellen Pilgerorte Ginderich und Kevelaer zeigt: Der eine darf sich ältester Wallfahrtsort am Niederrhein nennen, der andere zweitgrößter Pilgerort in Deutschland.

Im Jahr 1190 wurde Ginderich erstmals als Wallfahrtort in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg erwähnt. "Darauf sind wir sehr stolz", sagt Heinrich Henrichs vom Wallfahrtsausschuss, der die Prozession organisiert. "Deshalb steht eine Kopie dieser Urkunde in der Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt." Dort wird am 30. April, 18 Uhr, die diesjährige Wallfahrt vom Bischof von Münster, Felix Genn, eröffnet. Anschließend pilgern - wie in jedem Jahr - rund 2500 Menschen aus allen Bistümern in NRW bis Oktober nach Ginderich, zum Gnadenbild "Maria, Königin des Friedens".

Dass sich der 2600-Seelen-Ort Wallfahrtsstätte nennen darf, ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Denn: In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte der protestantische Kurfürst Friedrich Wilhelm I. im Herzogtum Kleve das Wallfahren verboten. Auch für den ältesten Marienwallfahrtsort am Niederrhein bedeutete dies den Entzug des Prozessionsrechts.

2005 kam jedoch die Wende: Nach einer gründlichen Renovierung und Restaurierung der Wallfahrtskirche hat der damalige Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann die Gindericher Kirche wieder in den Kreis der Wallfahrtsorte der Diözese aufgenommen. "Das war ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Kirche in Ginderich", sagt Henrichs.

In Kevelaer sind die Dimensionen deutlich größer. "Rund 800 000 Besucher kommen in jedem Jahr nach Kevelaer. Allerdings kann man kaum unterscheiden, wie viele wirklich Pilger sind. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2013 sind etwa 40 Prozent der Pilger privat organisiert", erklärt Dr. Rainer Killich, Generalsekretär der Kevelaerer Wallfahrt. Die Organisation für die anderen 60 Prozent übernimmt das Wallfahrtsbüro. Rund 1000 angemeldete Pilgergruppen werden pro Jahr betreut. Dabei arbeitet das Büro eng mit dem Verkehrsverein zusammen. Besonders im Sommer sind Dutzende Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen schnell ausgebucht. Einen Aufschwung erlebte die Kevelaerer Wallfahrt aber in den Jahren 1987, als Papst Johannes Paul II. zu Gast war, und 1992, zum 350. Jubiläum der Wallfahrt.

"Es kamen spürbar mehr Pilger. Seitdem haben sich die Besucherzahlen stabilisiert. Interessant ist, dass eine Gruppe aus Rees seit 1642 jedes Jahr nach Kevelaer kommt - auch in Kriegszeiten", sagt Killich.

Was vielen Menschen auch unbekannt ist: Die Kevelaerer Wallfahrt ist 212 Jahre jünger als ihr Pendant in Aengenesch. Als sich das Holzbild der Schmerzensmutter im Jahr 1430 auf wundersame Weise immer wieder in einer Aengenescher Esche wiederfand, obwohl man es zuvor dreimal von dort entfernt und nach Kapellen gebracht hatte, entstand erst die Wallfahrtskirche und damit auch die Aengenescher Wallfahrt. Große Pilgerströme gab es aber nie. "In der Vergangenheit hat man die Wallfahrt nie wirklich organisiert oder vorangetrieben", sagt Uehlenbruck.

Und diejenigen, die dennoch in den kleinen Gelderner Ortsteil pilgern, kommen aus der näheren Umgebung und bleiben nur wenige Stunden. Das kann Jürgen Peters, Vermieter einer Ferienwohnung, bestätigen: "Wir haben zwar internationale Gäste, Pilger sind aber nicht darunter", sagt er.

Quelle: RP
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