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Nizza
Attentäter hatte seinen Anschlag wohl schon länger geplant

Als der Terror nach Nizza kam
Als der Terror nach Nizza kam FOTO: afp
Nizza. Mohamed Lahouaiej-Bouhlel, der Attentäter von Nizza, hat nach Medienberichten kurz vor der Bluttat sein ganzes Geld abgehoben. Seiner Familie soll er etwa 100.000 Euro nach Nordafrika geschickt haben. Außerdem wurde bekannt, dass die Tat wohl doch schon länger geplant war.

Den Miet-LKW, den er als Mordinstrument verwendete, habe er bereits am 4. Juli reserviert und am 11. Juli abgeholt, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise. Am Dienstag und Mittwoch (12. und 13. Juli) habe er den Tatort erkundet. Er habe auch ein Foto von sich mit dem weißen 19-Tonner gemacht.

Dann habe der Tunesier innerhalb einer Woche sein Konto geleert, berichtete die Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" unter Berufung auf Ermittlerkreise. Am Tag vor dem Angriff mit einem Lastwagen auf eine feiernde Menschenmenge habe er auch sein Auto verkauft und seinem näheren Umfeld seine Radikalisierung gestanden.

Lahouaiej-Bouhlel ließ seiner Familie umgerechnet rund 100 000 Euro zukommen. Das berichtete sein Bruder der britischen Boulevardzeitung "Daily Mail". Der 31-Jährige habe Freunde überredet, die Geldbündel nach Nordafrika zu bringen. "Er hatte das Geld Leuten gegeben, von denen er wusste, dass sie in unser Dorf zurückkehren." Zuvor habe er die Familie regelmäßig mit kleinen Summen unterstützt.

"Mein Bruder ist kein Terrorist", heißt es weiter in dem Interview. Nach Angaben seiner Familie war der Tunesier schon vor seiner Bluttat gewalttätig und litt unter psychischen Problemen.

Ehefrau: Habe keinen Kontakt mehr zu ihm

Unterdessen wurde bekannt, dass die getrennt lebende Ehefrau des Attentäters nach Angaben ihres Anwalts keinen Kontakt mehr zu ihrem Mann habe. Die Frau sei von ihrem Ehemann körperlich misshandelt worden und habe ihn aus dem Haus geworfen, sagte Jean-Yves Garino am Sonntag dem Sender BFM-TV. "Es war hart, aber sie tat es." Der getötete mutmaßliche Angreifer Mohamed Lahouaiej Bouhlel sei auch gegenüber anderen Familienmitgliedern gewalttätig gewesen, sagte Garino weiter.Die getrennt lebende Frau von Bouhlel war am Freitag festgenommen worden. Am Sonntag kam sie wieder frei. Sie ist die Mutter seiner drei Kinder.

Kurz vor Anschlag SMS abgesetzt

Zudem hat der Attentäter kurz vor seinem Anschlag noch eine SMS-Nachricht abgesetzt, in der er laut französischen Ermittlerkreisen eine Waffenlieferung erwähnte. In der SMS habe Lahouaiej-Bouhlel seine Genugtuung darüber zum Ausdruck gebracht, dass er ein Pistole vom Kaliber 7.65 habe, hieß es in mit dem Fall vertrauten Kreisen in Frankreich. Außerdem habe er "die Lieferung weiterer Waffen" erwähnt. Der 31-jährige Tunesier habe von sich auch "ein Foto am Steuer des Lastwagens aufgenommen", bevor er es per SMS verschickte. Das Foto sei zwischen dem 11. und 14. Juli entstanden. Die Ermittler versuchten nun, "alle Empfänger" dieser Mitteilungen zu identifizieren.

Bei dem Angriff am Donnerstag in der südfranzösischen Stadt sind mindestens 84 Menschen ums Leben gekommen, über 300 wurden verletzt.

Mehr zum Anschlag in Nizza lesen Sie in unserem Dossier.

(felt/dpa)
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