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Kampf gegen Boko Haram
Selbstmordanschläge erschüttern Nigeria

Die Sekte Boko Haram
Die Sekte Boko Haram FOTO: dpa, axs
Yola. Die Terror-Sekte Boko Haram schien in Nigeria schon fast geschlagen: Einheiten der Armee trieben die Milizen vor sich her, Berichte über Versorgungsengpässe bei der Miliz machten die Runde. Jetzt melden sich die Terroristen jedoch wieder zurück – mit Anschlägen in einer Stadt, in der Flüchtlinge Schutz suchen.

Wochenlang schien Boko Haram auf dem Rückzug. Doch nun melden sich die Islamisten in Nigeria mit Macht zurück. Erstmals schlagen Selbstmordattentäter in Yola zu, wo Hunderttausende Flüchtlinge Schutz suchten.

Zwei Selbstmordattentäter haben sich auf einem Markt im Nordosten Nigerias in die Luft gesprengt und 29 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Polizei in der Stadt Yola machte am Freitag die islamistische Terrorgruppe Boko Haram verantwortlich, die ihre Anschläge seit einigen Tagen wieder verschärft.

Eine Offensive mit Unterstützung der Nachbarstaaten Tschad und Kamerun schien die Extremisten seit einigen Monaten zurückzudrängen, die seit 2009 für ein islamisches Kalifat in Nigeria kämpfen. Doch neue Angriffe auf die Stadt Maiduguri - einst Ausgangspunkt von Boko Haram - haben diese Woche bereits 60 Menschen das Leben gekostet. Am Donnerstag waren dort acht Soldaten getötet worden, als ein Selbstmordattentäter an einem Kontrollpunkt eine Autobombe zündete.

Mai 2014: Boko Haram führt verschleppte Mädchen vor FOTO: afp, JM

Zwei Stunden später folgte am Donnerstagabend dann die Attacke auf den Markt in Yolo, das bislang verschont geblieben war. Dort haben rund 300 000 Flüchtlinge Schutz vor der Gewalt gesucht. "Ich kann überall verspritztes Blut sehen, auch auf meinem Auto, aber ich kann keine Einzelheiten erzählen, weil wir alle wegrennen", berichtete der Brotverkäufer Ayuba Dan Mallam kurz nach dem Anschlag vom Tatort.

Die Rettungsleitstelle meldete neben den 29 Todesopfern auch 38 Verletzte. Die Bomben explodierten laut Polizei zu Geschäftsschluss, so dass besonders viele Menschen unterwegs waren.

Bei der Gewalt in Nigeria sind seit 2009 rund sind rund 13 000 Menschen getötet worden. 1,5 Millionen weitere wurden in die Flucht getrieben. Der neue Präsident Muhammadu Buhari hatte bei seiner Amtseinführung Ende Mai Boko Haram den Kampf angesagt und angekündigt, das Hauptquartier dafür von der Hauptstadt Abuja nach Maiduguri zu verlegen.

Befreite Boko-Haram-Geiseln im Flüchtlingslager Yola FOTO: ap

UN-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein drängte Buhari am Freitag, Vorwürfen gegen die nigerianische Armee wegen möglicher Regelverstöße im Kampf gegen Boko Haram aufzuklären. Es müsse sicher gestellt werden, dass der Kampf gegen die Rebellen nicht zu einer weiteren Verschlimmerung der Menschenrechtslage im Nordosten führe.

Flüchtlinge beschrieben neben dem "absoluten Terror" von Boko Haram auch Menschenrechtsverletzungen der nigerianischen Armee, sagte der UN-Vertreter. So sollen Tausende Menschen in staatlichem Gewahrsam zu Tode gekommen sein. In Nigeria leben rund 170 Millionen Menschen. Etwa die Hälfte sind Christen.

(ap)
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