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Scharfe Kritik an US-Waffenlobby NRA
"Eine paranoide Vision der USA"
Scharfe Kritik an US-Waffenlobby NRA: "Eine paranoide Vision der USA"
NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre will mehr Waffen gegen Gewalt in den USA einsetzen. FOTO: dapd, Evan Vucci
New York. Nach dem Amoklauf in Newtwon mit 26 Opfern tobt in den USA die Debatte um den Umgang mit Waffen. Die einflussreiche US-Waffenlobby NRA will das grassierende Problem der Waffengewalt mit noch mehr Waffen lösen. Einflussreiche Prominente und Politiker reagieren empört auf die Vorschläge.

Das war eine "beschämende Flucht vor der Krise, die unser Land durchmacht", sagte der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der schon seit langem als entschiedener Befürworter einer strengeren Waffenkontrolle gilt.

"Statt eine Lösung für das Problem anzubieten, legen sie (NRA) eine paranoide, repressive Vision eines gefährlicheren und gewalttätigeren Amerikas vor, in dem jeder bewaffnet und kein Ort sicher ist", so Bloomberg zu der Pressekonferenz der NRA, die der Vizepräsident Wayne LaPierre in Washington gehalten hat.

Die stellvertretende Direktorin des Anti-Waffen-Gruppe Code Pink, Medea Benjamin, warf der NRA unterdessen Realitätsverweigerung vor: "Sie haben die Schuld für die Gewalt auf alle möglichen Dinge geschoben - nur nicht auf die Waffen selbst." Die "New York Times" bezeichnete die Äußerungen des NRA-Vizepräsidenten Wayne LaPierre am Samstag als "verlogen, wahnhaft" und eine "fast verwirrte Hasstirade".

Stars engagieren sich gegen Waffen

Am Freitag veröffentlichten zahlreiche Hollywood-Stars, darunter Gwyneth Paltrow, Julianne Moore und Jamie Foxx, ein Video, in dem sie sich unter anderem für ein Verbot von automatischen Schnellfeuergewehren sowie eine schärfere Überprüfung von Waffenkäufern aussprechen. "Columbine. Virginia Tech. Tucson. Aurora. Fort Hood. Oak Creek. Newtown. Newtown. Newtown," zählen die Schauspieler den letzten und vorangegangene Amokläufe in dem Video auf. "Wie viele mehr?"

LaPierre hatte vorgeschlagen, als Mittel gegen blutige Amokläufe sollten an jeder amerikanischen Schule bewaffnete Polizeiwachen postiert werden. "Das Einzige, das einen bösen Typen mit einer Waffe stoppt, ist ein guter Typ mit einer Waffe", erklärte er dazu.

Nach dem verheerenden Amoklauf, bei dem der 20 Jahre alte Täter 20 Kinder und sechs Schulmitarbeiter tötete, hatte sich die NRA zunächst in Schweigen gehüllt. Anders als bei früheren Amokläufen hatte die Organisation keine Beileidsbekundungen für die Angehörigen der Opfer veröffentlicht. Überdies schaltete sie ihre Facebook-Seite im Internet vorübergehend ab und verbreitete keine Mitteilungen im Kurznachrichtendienst Twitter.

NRA macht Medien und Videospiele für Gewalt verantwortlich

LaPierre machte die Medien, Videospiele, Filme und Musikvideos für die Gewalt in der Gesellschaft verantwortlich. "In einer Abwärtsspirale wetteifern Konzerne darum, zu schockieren und jeden Standard der zivilisierten Gesellschaft zu verletzen", sagte er. Manche hätten versucht, politisches Kapital aus dem Massaker zu schlagen. Deshalb habe die NRA zunächst "respektvoll geschwiegen".

Mindestens zwei Gegner der Waffenlobby unterbrachen die Pressekonferenz mehrfach. Ein Mann hielt ein Plakat mit der Aufschrift "Die NRA tötet unsere Kinder" hoch. Waffen in Schulen sei keine Antwort, riefen die Protestler, während sie von Sicherheitskräften abgeführt wurden.

US-Präsident Barack Obama setzt sich derweil für eine Verschärfung der Waffengesetze ein. Bereits im Januar wolle er den Abgeordneten im Kongress konkrete Vorschläge vorlegen, wie die Waffengewalt in den USA eingedämmt werden könne.

Von der Notwendigkeit einer Verschärfung der Waffengesetze wollte LaPierre indes nicht viel wissen: "20.000 andere Gesetze haben nichts gebracht." Im Übrigen sei die frühere republikanische Politikerin Asa Hutchison mit der Leitung eines NRA-Projekts betraut worden, das im Rahmen eines Sicherheitsplans bewaffnete Freiwillige für Schulen vorsehe, kündigte er an.

Auf Nachfrage schien sich Hutchison jedoch von der Forderung nach einer Stationierung bewaffneter Polizisten an jeder US-Schule zu distanzieren. Eine solche Entscheidung sollten die örtlichen Schulbezirke treffen, sagte sie der Nachrichtenagentur AP.

26 Glockenschläge erinnern an Opfer

Bei der Gedenkfeier in Newtown erinnerten 26 Glockenschläge an die 20 Kinder und sechs Erwachsenen, die dem Blutbad in einer Grundschule zum Opfer gefallen waren. Der Täter hatte zuvor schon seine Mutter erschossen und sich danach das Leben genommen.
US-Präsident Barack Obama erinnerte im Weißen Haus mit einer Schweigeminute an die Opfer.

In einer Videobotschaft berichtete Obama von einer Welle der Zustimmung für eine Verschärfung des Waffenrechts. Den Unterzeichnern einer Online-Petition versicherte er: "Wir hören Sie."

Es ermutige ihn, dass viele Waffenbesitzer meinten, man könne Schritte zur Verhinderung tödlicher Schießereien unternehmen, die sowohl die Rechte der Amerikaner wahrten als auch ihre Kinder schützten. "Ich werde alles in meiner Macht als Präsident stehende tun, diese Bemühungen voranzubringen, denn wenn wir als Land auch nur eine einzige Sache tun können, um unsere Kinder zu schützen, dann sind wir in der Pflicht, es zu versuchen."

Kurz nach der Pressekonferenz von NRA-Vizepräsident LaPierre wurden vier Menschen bei einer Schießerei an einer Landstraße im US-Staat Pennsylvania getötet.

Quelle: APD/felt/csi
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