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Sexistische Werbung
Journalistin fordert Baumgartner wegen "Osterhöschen" heraus

Felix Baumgartner und Corinna Milborn streiten um sexistische "Osterhöschen"
"Bei der Figur kein Wunder": Felix Baumgartner schrieb abfällig über eine Fernsehjournalistin. Jetzt soll er sich rechtfertigen. FOTO: dpa, her fob axs
Wien. Ob Felix Baumgartner die Einladung annimmt? Die Journalistin Corinna Milborn hat den Extremsportler aufgefordert, im Fernsehen sein Frauenbild zu verteidigen. Anlass war ein Foto mit sechs leicht bekleideten Frauen – und ein abfälliger Kommentar Baumgartners über Milborns Figur.

Der österreichische Unterwäschehersteller Palmers hatte ein Foto veröffentlicht, auf dem sechs leicht bekleidete Frauen nebeneinander auf dem Bauch liegen. "Unsere Osterhöschen", schrieb die Firma dazu und erntete vor allem von Frauen viel Kritik dafür - unter anderem von der Fernsehjournalistin Corinna Milborn. 

Schön wenn sich Zuhause wieder einige sogar zu Ostern aufregen! Allen voran Puls-4-Infochefin und -Moderatorin Corinna...

Posted by Felix Baumgartner on Dienstag, 18. April 2017

Die Sexismus-Debatte wäre vermutlich in Österreich geblieben, wenn sich nicht Felix Baumgartner eingeschaltet hätte. Der Extremsportler wurde 2012 weltberühmt, weil er als erster Mensch aus 39.000 Metern Höhe auf die Erde sprang. Seitdem fiel er allerdings eher durch umstrittene Äußerungen zur Flüchtlingspolitik auf. Und jetzt mit seinem Frauenbild. 

Offensichtlich hatte Baumgartner kein Verständnis für die Sexismus-Debatte in seiner Heimat. "Schön, wenn sich Zuhause wieder einige sogar zu Ostern aufregen!", schrieb der Extremsportler auf seiner Facebookseite. Und dann wurde er persönlich.

Dass vor allem die Journalistin Milborn das Foto mit den schlanken Frauen kritisiere, sei kein Wunder, meinte Baumgartner – "bei der Figur!" Er finde "die Mädels" dagegen "weltklasse" und springe "gerne mal dazwischen rein, auch ohne Fallschirm!"

Lieber Felix Baumgartner, ich habe eine Einladung für Sie. Sie haben mich in einem Facebook-Posting erwähnt, weil ich das Werbefoto eines Unterwäscheherstellers kritisiert habe. Ich erkläre Ihnen gerne nochmal warum: Man sieht darauf Frauen, die kaum bekleidet auf einem schmutzigen Boden liegen und mit dem Gesicht gegen die Wand auf einen Haufen Dreck schauen. Das erinnert mich an meine Recherchen zu Menschenhandel - nämlich an die Fotos, die Frauenhändler von ihren Opfern machen, um dem nächsten Abnehmer die "Ware" zu zeigen: Man sieht da Frauen, wenig oder nicht bekleidet, in Abbruchhäusern oder Kellern, oft von hinten fotografiert, damit man das Gesicht nicht erkennt und die Frauen nicht gefunden werden können. Das ist eine Realität. Und ich finde so eine Ästhetik sehr unpassend für eine Werbung für Unterwäsche zu Ostern. Sie sind aber nicht auf diese Kritik eingegangen, sondern haben behauptet, ich hätte das Sujet _wegen meiner eigenen Figur_ kritisiert. Was überhaupt keinen Sinn ergibt. Ich wollte deswegen zunächst auch gar nicht darauf eingehen. Es haben aber so gut wie alle Medien Ihr Facebook-Posting aufgegriffen, und deswegen antworte ich jetzt doch: Was Sie da getan haben, ist nämlich sehr typisch. Sie haben nicht einen der Männer kritisiert, die das Sujet ebenso gesehen haben, sondern haben sich eine Frau herausgepickt. Und Sie sind nicht auf den Inhalt eingegangen, sondern haben zusammenhanglos mein Aussehen, meinen Körper thematisiert. Das passiert Frauen dauernd, und es trifft alle: Zu hübsch um ernst genommen zu werden, zu blond um gescheit zu sein, zu sexy oder zu unweiblich, zu stark geschminkt oder zu hässlich, zu dünn oder zu dick, zu alt oder zu dunkelhäutig (oder mit der falschen Figur um eine Meinung zu äußern - was, mit Verlaub, wirklich zum deppertsten gehört). Ich will nicht, dass Ihr Facebook-Posting - mit dieser Reichweite - dazu führt, dass irgendeine Frau da draußen das Gefühl hat, sie müsse sich erst irgendwelchen Schönheitsvorstellungen von Leuten wie Ihnen beugen, bevor sie in der Öffentlichkeit den Mund aufmacht. Deshalb möchte ich das gerne mit Ihnen besprechen. Ich möchte Sie einladen in meine Sendung "Pro und Contra" auf PULS 4, um mit Ihnen über Ihr Frauenbild und die Auswirkungen zu diskutieren. Sie sind ja schon aus dem All gesprungen, Sie sind also sicher nicht zu feig dafür - oder, um es in Ihrer Sprache zu sagen: Sie haben doch sicher die Eier, sich der Diskussion zu stellen. Ich freue mich darauf. ps weil das unklar berichtet wurde: Ich habe nie etwas über die Frauen auf dem Sujet gesagt und schon gar nicht über ihre Körper, sondern das Setting kritisiert. Ich hab auch das Posting nicht gelöscht, sondern die Sichtbarkeit auf "nur Bekannte" gestellt - ich habe hier die Information einer TV-Sendergruppe zu leiten und kann mich nicht den ganzen Tag um die Kommentare kümmern.

Posted by Corinna Milborn on Mittwoch, 19. April 2017

"Sie haben doch sicher die Eier dafür"

Zunächst reagierte Milborn nicht darauf. Dann antwortete sie Baumgartner doch – öffentlich, auf Facebook. Weil er nicht auf ihre Kritik eingegangen sei, sondern auf "mein Aussehen, meinen Körper", erklärte die Journalistin. Das passiere Frauen ständig.

Entweder seien sie zu hübsch, um ernst genommen zu werden, oder zu blond, um als gescheit wahrgenommen zu werden. "Oder zu sexy oder zu unweiblich, zu stark geschminkt oder zu hässlich, zu dünn oder zu dick, zu alt oder zu dunkelhäutig." Oder sie hätten die falsche Figur, um eine Meinung zu äußern. "Was, mit Verlaub, wirklich zum deppertsten gehört", schrieb Milborn.

Felix Baumgartners erfolgreicher Sprung FOTO: dpa, Joerg Mitter

Das wolle sie nicht stehen lassen. Keine Frau solle das Gefühl haben, "sie müsse sich erst irgendwelchen Schönheitsvorstellungen von Leuten wie Ihnen beugen, bevor sie in der Öffentlichkeit den Mund aufmacht", erklärte die Fernsehjournalistin und lud den Extremsportler in ihre Sendung "Pro und Contra" im Fernsehsender Puls 4 ein: "um mit Ihnen über Ihr Frauenbild und die Auswirkungen zu diskutieren". 

Einen Spitze gegen Baumgartner konnte sie sich nicht verkneifen. "Sie sind ja schon aus dem All gesprungen, Sie sind also sicher nicht zu feig dafür – oder, um es in Ihrer Sprache zu sagen: Sie haben doch sicher die Eier, sich der Diskussion zu stellen. Ich freue mich darauf."

Baumgartners Reaktion steht noch aus.

(wer)
 
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