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Niederlande
Zeitung entschuldigt sich für Interview mit schwulem Paar

Die Küste von Zeeland
Die Küste von Zeeland FOTO: dpa, Bernd F. Meier
Goeree-Overflakkee. Ein niederländisches Lokalblatt führt erst ein Interview mit einem jungen homosexuellen Paar, um sich später bei seinen Lesern dafür zu entschuldigen: Man habe einem Lebensgefühl ein zu großes Podium gegeben, mit dem sich die mutmaßlich konservativen Leser nicht identifizieren könnten. Jetzt hagelt es Kritik. Von Ludwig Krause

Die Insel Goeree-Overflakkee in den Niederlanden – das sind grasgrüne Deiche, Dünen und Leuchttürme. Knapp 50.000 Menschen leben auf dem Eiland, im Internet präsentiert man sich als heiles Fleckchen Erde, auf dem es sich wunderbar entspannen lässt. Umso größer ist nun die Aufregung um eine Geschichte des Lokalblatts "Eilanden-Nieuws": Dessen Redaktion entschuldigte sich bei den Lesern dafür, über ein homosexuelles Paar berichtet zu haben.

Am Anfang stand die Idee der Zeitung, einem jüngeren Publikum ein Sprachrohr zu bieten. Was beschäftigt die Menschen unter 30 auf der Insel? Warum leben sie gerne dort und was würden sie verändern? Generell sicher keine schlechte Idee. Für einen Teil der Serie traf Autorin Sam Fish auch Arjan Kamp (20) und Menno Smit (19). Die beiden sind seit 2014 ein Paar, treffen sich abwechselnd bei Arjan auf der Insel und bei Menno auf dem Festland. Der 20-Jährige berichtete, wie positiv auf der Insel alle auf sein Coming-Out reagiert hätten und wie wohl er sich hier fühlt. Eine Geschichte, die keinem weh tut, könnte man meinen. 

Dann aber scheinen beim Lokalblatt die Telefone nicht mehr stillgestanden zu haben. Anders ist der Text wohl nicht zu erklären, den Chefredakteur Adri van der Laan und Direktor Ab van der Veer jüngst veröffentlichten. "Wir haben die Konsequenzen unserer Auswahl nicht richtig eingeschätzt. Damit haben wir einem Lebensgefühl und einer Lebensweise, in sich der die meisten unserer Leser nicht wiederfinden, und die auch nicht zum Grundsatz der 'Eilanden-Nieuws' gehören, ein zu großes Podium gegeben." Es sei deutlich geworden, dass sich die Leser um den Kurs der "Eilanden-Nieuws" sorgen. Kurzum: "Es hätte anders laufen müssen und wir bieten hierfür unsere gut gemeinte Entschuldigung an." Die Bewohner der Insel gelten als streng protestantisch, so auch viele Leser der Zeitung.

Nicht nur auf der Facebook-Seite des Blatts ist die Empörung nun aber groß. Leser schreiben, sie wollten die Zeitung nicht mehr im Briefkasten sehen, andere fordern den Rücktritt der Chefredaktion. Auch überregionale niederländische Medien berichten über den Fall. In wenigen Tagen, so heißt es, wolle man sich mit der Autorin treffen und beraten, ob die Serie fortgesetzt werden soll.

Im Mai erst hatte eine Kolumne des "Westfalen-Blatts" für ähnliche Aufregung gesorgt. Damals hatte Psychologin den Eindruck erweckt, Kinder müssten vor Schwulen geschützt werden. Die Nutzer werfen dem Blatt Homophobie vor - am Ende entschuldigte sich der Redaktionsleiter.  

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