| 19.04 Uhr

Trägt er ein Geheimnis in sich?
Forscher belauschen Asteroid "Oumuamua"

Oumuamua - Besucher aus dem interstellaren Raum
Oumuamua - Besucher aus dem interstellaren Raum FOTO: Eso
Green Bank. Er kommt aus einem anderen Sonnensystem und flitzte kürzlich an der Erde vorbei: Der Asteroid "Oumuamua" gibt Forschern wegen seiner Form Rätsel auf. Einige halten "Oumuamua" sogar für ein Raumschiff. 

Auf der Suche nach außerirdischer Intelligenz haben US-Astronomen damit begonnen, den Asteroiden "Oumuamua" zu belauschen. Vom Green-Bank-Teleskop im Bundesstaat West Virginia aus sei der Lauschangriff am Mittwochnachmittag (Ortszeit) gestartet worden, teilten die Organisatoren des Programms "Breakthrough Listen" mit. Die Gruppe wird unter anderem vom britischen Astrophysiker Stephen Hawking unterstützt.

Doch nur ein Brocken im Weltall?

Der Asteroid wurde zunächst über mehrere Frequenzen zehn Stunden lang untersucht. Die ersten Erkenntnisse: "Nach sehr vorläufiger Analyse scheint es zunächst keine Zeichen dafür zu geben, dass das etwas anderes ist als ein Brocken im Weltall", sagte eine Sprecherin des "Breakthrough Listen"-Programms.

"Oumuamua" war vor einigen Wochen als erster mit modernen Teleskopen beobachteter Asteroid von außerhalb unseres Sonnensystems an der Erde vorbeigerauscht. Der 400 Meter lange Brocken war Millionen Jahre zu uns unterwegs und verblüfft Wissenschaftler mit seiner ungewöhnlichen Form: Er ist nach neuesten Analysen rund fünf Mal so lang wie breit - anders als alle Asteroiden aus unserem Sonnensystem, die bislang beobachtet wurden. Der Brocken war am 19. Oktober mit dem Pan-Starrs1-Teleskop auf Hawaii entdeckt worden.

Die Forscher von "Breakthrough Listen" gingeb davon aus, dass "Oumuamua" mehr sein könnte als nur ein Asteroid: Die Form einer Zigarre oder Nadel könne darauf hindeuten, dass es sich um ein interstellares Raumschiff handelt. Eine solche Bauweise minimiere die Reibung mit Gasen und Staub im Weltall.

"Das ist weithergeholt"

Rüdiger Jehn von der europäischen Weltraumorganisation ESA hält die Raumschiff-These jedoch für unwahrscheinlich: "Das ist weithergeholt. Aber ich lächele darüber nicht, das sind anerkannte Wissenschaftler." Für die Form des Asteroiden "Oumuamua" gebe es vermutlich eine natürliche Erklärung. "Wahrscheinlich kommt diese Form viel häufiger vor, als wir denken. Aber meistens sind Asteroiden viel zu weit weg und zu dunkel, als dass wir sie erkennen könnten", sagt Jehn.

Die Wissenschaftler von "Breakthrough Listen" hoffen, dass sie mit ihrem Projekt weitere wichtige Informationen sammeln können, selbst wenn kein Signal außerirdischer Intelligenz empfangen wird. So seien Erkenntnisse über das Vorhandensein von Wasser oder Eis denkbar. Auch die Gashülle von "Oumuamua" könne auf diese Weise besser erforscht werden.

Das Programm "Breakthrough Listen" wird vom russischen Milliardär Juri Milner mit 100 Millionen US-Dollar finanziert. Es widmet sich der Suche nach extraterrestrischer Intelligenz und verfolgt das Ziel, eine Millionen Sterne und 100 benachbarte Galaxien zu überwachen.

(ems/dpa)
 
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