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Explosion in Tianjin
Die Zahl der Todesopfer könnte auf über 200 steigen

Explosion in Tianjin hinterlässt riesigen Krater
Explosion in Tianjin hinterlässt riesigen Krater FOTO: dpa, hy sh
Tianjin. Nach der verheerenden Explosionsserie in der chinesischen Millionenstadt Tianjin könnte die Zahl der Toten bis auf über 200 steigen.

114 Leichen wurden bis Montag geborgen, 93 weitere galten noch als vermisst, darunter 85 Feuerwehrleute, wie die Behörden mitteilten. Die Oberste Volksstaatsanwaltschaft kündigte eine Untersuchung gegen die Verantwortlichen des Unglücks an.

Unter anderem soll geklärt werden, ob die Firma, in deren Lager es in der Nacht zum Donnerstag zu einem Feuer und anschließend zu den Explosionen gekommen war, ihre Sorgfaltspflicht erfüllt habe oder nicht. Die Behörden bestätigten am Sonntag, dass dort mehrere hundert Tonnen der giftigen Chemikale Natriumzyanid aufbewahrt worden waren.
Eigentlich sind nur zehn Tonnen erlaubt. Natriumzyanid ist bei Kontakt mit Wasser leicht entflammbar. Ohne von der Chemikalie zu wissen, versuchten die ersten Feuerwehrleute offenbar den Brand mit Wasser zu löschen.

Staatlichen Medien zufolge wurde der Generaldirektor des Lagerhausbetreibers Ruihai International Logistics im Krankenhaus unter Polizeibewachung gestellt. Dort wurde er behandelt, nachdem er sich bei dem Unglück Verletzungen zugezogen hatte.

Die Behörden in Tianjin habe für die ganze Stadt eine Überprüfung von Sicherheits- und Feuerschutzvorschriften angeordnet. Mehrere Fabriken, die die Auflagen nicht erfüllten, mussten ihren Betrieb umgehend einstellen. Ministerpräsident Li Keqiang besuchte am Sonntag einige der rund 700 Verletzten des Unglücks.

3000 Soldaten waren im Einsatz, um gefährliche Substanzen vom Unglücksort zu entfernen. Das ausgelaufene Natriumzyanid werde neutralisiert, das noch abgepackte abtransportiert, sagte der Generalstabschef der Volksbefreiungsarmee der Region Peking, Shi Luze. In der Luft war am Samstag zunächst ein erhöhter Wert der Chemikalie gemessen worden, am Abend war aber keine Verseuchung mehr messbar, wie die Umweltbehörde von Tianjin am Sonntag mitteilte. Im Wasser sei die Chemikalie nicht nachgewiesen worden.

Doch Angehörige der Opfer und Vermissten verlangten Klärung darüber, wieso überhaupt eine solch gefährliche Chemikalie so nahe an Wohngebieten gelagert wurde. Eigentlich sehen die Vorschriften eine Entfernung von mindestens einem Kilometer vor.

Auch über die Informationspolitik der Behörden beschwerten sich viele Angehörige. "Sie haben uns nichts gesagt. Wir wissen nichts", sagte eine Frau, deren Mann unter den Vermissten ist. "Wir sind seit drei Tagen hier und haben keine einzige Information erhalten", sagte ein anderer.

Unter den 112 bestätigten Opfern waren mindestens 21 Feuerwehrleute. Damit war das Unglück nicht nur einer der schwersten Industrieunfälle in China in jüngerer Zeit, sondern auch das verheerendste für die chinesische Feuerwehr seit mehr als 60 Jahren.

(ap)
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