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Getöteter Matador
Kein Herz für Stierkämpfer

Torero stirbt in Spanien: Kein Herz für Stierkämpfer
Dieses Foto zeigt eine Szene aus dem Kampf, bei dem Torero Victor Barrio später getötet wurde. FOTO: dpa, apc pro
Meinung | Düsseldorf . Zum ersten Mal seit 21 Jahren ist in Spanien ein Matador beim Stierkampf ums Leben gekommen. Viele Tierfreunde äußern sich bei Facebook jetzt hämisch über den Todesfall - ein Armutszeugnis, schließlich ist ein Mensch gestorben. Mein Mitleid bekommt der Torero trotzdem nicht. Von Susanne Hamann

Victor Barrio zählte zu den Ausnahmetalenten in der Stierkampfarena. Jetzt ist der 29-Jährige tot. Das Horn seines letzten Gegners durchbohrte sein Herz. Traurig, dramatisch ohne Zweifel, eine Tragödie für die Angehörigen - aber eigentlich ein angenehmer Tod im Vergleich zu dem, was die Stiere erleben. 

Ich will nicht gehässig sein: Es ist ein Mensch gestorben, das ist nichts, worüber man sich freuen sollte. Aber verwunderlich ist das Ereignis auch nicht. Toreros kennen das Risiko. Die "Kunst" des Stierkampfs wird seit dem 18. Jahrhundert gelehrt, und auch wenn es selten ist (der letzte Torero starb 1985): Manchmal gewinnt der Stier.

Das ist Berufsrisiko und gehört für den Matador ebenso zum Job wie die Absturzgefahr beim Dachdecker. Der Unterschied ist: Dachdecker arbeiten mit Ziegeln. Stierkämpfer quälen Lebewesen.

Man muss sich das klarmachen: In drei Turnierphasen wird der Stier im Minutentakt von Neuem aufgespießt. Erst stechen zwei Reiter wieder und wieder mit Lanzen zu, um ihn unterwürfig zu machen. Dann dürfen drei Gehilfen vom Boden aus ran. Die Reaktionen des Stiers auf ihre Lanzenstiche sollen dem Matador helfen, seinen Gegner besser einzuschätzen. Als Letztes kommt dieser dann persönlich mit rotem Tuch und Schwert und jagt das, was von dem Tier noch am Leben ist, in den Tod.

Aufgerissene Stieraugen, blutüberströmte Tierleiber. Bockende Rinder beim Versuch, den Angreifer abzuwehren – jedes Jahr muss ich mir diese Bilder ansehen. Und jedes Jahr regen sie mich wieder auf. Ich habe kein Mitgefühl für Toreros.

Und es wundert mich nicht, wenn manche diesen seltenen Todesfall nutzen, um in den sozialen Medien ihre Empörung zum Ausdruck zu bringen. Traditionen rechtfertigen nicht die Entscheidung des Einzelnen für Tierquälerei. Niemand muss Stierkämpfer werden - und wenn doch, dann muss er mit den Konsequenzen leben.

(ham)
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