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Berliner U-Bahn
Obdachlosen angezündet – Hauptangeklagter zeigt Reue

Berlin: Obdachlosen angezündet – Hauptangeklagter zeigt Reue
Der Obdachlose hatte im U-Bahnhof Schönleinstraße geschlafen (Archivbild). FOTO: dpa, pdz kno
Berlin. Am ersten Weihnachtstag des vergangenen Jahres haben sechs Männer in Berlin einen schlafenden Obdachlosen angezündet. Im Prozess bestreiten die Angeklagten den Vorwurf des versuchten Mordes – der Hauptangeklagte bereut die Tat, die er als "Streich" bezeichnet.

Die Männer ließen am Freitag vor dem Berliner Landgericht über ihre Verteidiger erklären, zu keiner Zeit billigend in Kauf genommen zu haben, dass jemand stirbt, wie eine Gerichtssprecherin sagte.

Der 21 Jahre alte Hauptangeklagte gestand demnach im Wesentlichen die Tat . Er ließ aber den Angaben zufolge über seinen Anwalt erklären, die Gruppe habe dem Obdachlosen "einen Streich" spielen und ihn "aufschrecken" wollen. Er sei stark alkoholisiert gewesen und habe auch Drogen genommen.

Beschuldigte flohen vom Tatort

Der 21-Jährige äußerte zugleich Reue über die Tat. "Ich bereue mein Tun sehr ernsthaft", sagte sein Anwalt nach Angaben der Gerichtssprecherin im Namen seines Mandanten. Er sei sich auch bewusst, welches Bild dadurch auf andere Flüchtlinge geworfen werde.

Die 16 bis 21 Jahre alten Beschuldigten - fünf Syrer und ein Libyer - sollen am ersten Weihnachtstag im U-Bahnhof Schönleinstraße ein brennendes Taschentuch neben den Kopf des schlafenden Obdachlosen gelegt haben. Das Feuer griff der Anklage zufolge bereits auf den Rucksack und eine Plastiktüte über, die dem Mann als Kissen dienten, als die Angeklagten feixend vom Tatort flohen.

Keiner der Angeklagten zeigt sich geständig

Fahrgäste einer einfahrenden U-Bahn löschten das Feuer gerade noch rechtzeitig. Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. Weitere wegen versuchten Mordes Angeklagte ließen am Freitag ebenfalls Erklärungen verlesen - geständig zeigte sich nach Gerichtsangaben keiner. Sie erklärten unter anderem, keine Flamme gesehen zu haben. Auch hätten sie nach eigenen Angaben versucht, den Hauptangeklagten von der Tat abzuhalten.

Ein siebter Beschuldigter aus Syrien, der als einziger nicht in Untersuchungshaft sitzt, räumte den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung ein. Der 17-Jährige erklärte demnach, er hätte das Feuer löschen können. Am zweiten Prozesstag wurde mit der Beweisaufnahme begonnen, es wurden Bilder der Überwachungskameras gezeigt. Für das Verfahren vor der Jugendkammer sind Termine bis zum 13. Juni angesetzt.

(isw/AFP)
 
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