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München
Böser Held strebt nach dem Guten

München. Die Videospielfigur Randale-Ralph will raus aus ihrem Automaten und endlich die Seiten wechseln.

Randale-Ralph ist fürs Leben gezeichnet. Tag für Tag arbeitet der animierte Antiheld in einem ruckeligen Videospiel-Automaten, der mit seiner pixeligen 8-Bit-Optik als Retro-Attraktion in einer Spielhalle steht. Doch darauf hat Ralph keine Lust mehr: Er will raus aus dieser Welt, er will auch einmal der Gute sein in der Welt, die in ihm nur den Bösen sieht. Selbst zum 30-jährigen Jubiläum des Spiels haben dessen Bewohner alle eingeladen - nur Ralph nicht. Sie mögen ihn nicht. Er zerstört Häuser - Tag für Tag. Von seinem guten Herz merkt in der Zwei-Klassen-Videospielgesellschaft niemand etwas. Die Bewohner des Spiels feiern ausschließlich ihren streberhaften Helden Fix-it Felix Jr. Seit drei Jahrzehnten beseitigt Felix die Schäden, die Randale-Ralph mit seinen mülleimerdeckelgroßen Pranken verursacht. Felix gewinnt Medaillen, Ralph dagegen ist der ewige Verlierer. Doch nun will er endlich seinen negativen Beinamen ablegen, der Welt zeigen, wer er ist - und Anerkennung ernten. Er hat genug von eckigen Querköpfen und billigen 8-Bit-Fanfaren.

Regisseur Rich Moore ("Die Simpsons") vereint den Retro-Charme der alten pixeligen Arcadespiele mit moderner Animationstechnik in 3D. Die Kulisse ist zwar nach Stand der Technik perfekt inszeniert, spielt aber immer wieder auf die beschränkte Schönheit der Spieletechnik der 1980er Jahre an. Die Bäume in Ralphs binärcodierter Heimat sind quaderförmig wie in alten Mario-Welten. Flüssigkeit kleckst nicht etwa in Pfützen auf den Boden, sie ordnet sich quadratisch an.

Beim Game-Hopping lernt Polygon-Held Ralph jemanden kennen: Vanellope von Schweetz ist zwar winzig klein und hat Haare schwarz wie Schuhcreme. Der wandelnde Programmierfehler mit dem losen Mundwerk ist aber genauso einsam wie Ralph. Beide erkennen, dass sie nur zusammen ihrem bitteren Dasein entkommen können. Für die deutschen Fernsehzuschauer gibt es am Rande vielleicht noch einen kleinen Aha-Effekt: Richtig, Ralphs Synchronstimme gehört Christian Ulmen, unter anderem "Tatort"-Kommissar in Erfurt.

"Ralph reicht's", RTL, So., 20.15 Uhr

(dpa)
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