| 15.30 Uhr

Tanzshow "Dance Dance Dance"
RTL weist Diskriminierungsvorwüfe zurück

Dance Dance Dance 2017: RTL weist Diskriminierungsvorwüfe zurück
Szene aus "Dance Dance Dance" (mit Mirja du Mont und Jo Weil). FOTO: MG RTL D / Stefan Gregorowius
Köln. Eine Augenzeugin erhebt bei Facebook Vorwürfe gegen den TV-Sender RTL. Sie habe beobachtet, wie eine Frau mit Down-Syndrom bei der Aufzeichnung zu "Dance Dance Dance" umgesetzt wurde, damit sie nicht im Blickfeld der Kamera ist. RTL weist die Vorwürfe zurück. Auch die Lebenshilfe kann die Vorwürfe nicht bestätigen. Von Sabine Kricke

Bereits über 7500 Mal (Stand Dienstagmittag) wurde der Beitrag geteilt, den eine Nutzerin auf der Facebook-Seite von RTL gepostet hat. Die junge Frau sei demnach gemeinsam mit ihrer Familie am vergangenen Samstag bei der Aufzeichnung zur Tanz-Show "Dance Dance Dance" im Studio gewesen. Dort habe sie beobachtet, dass häufig Leute umgesetzt wurden, um an anderen Stellen Lücken zu füllen. Das sei ja "ganz normal", schreibt sie.

Am Dienstag wurde der Beitrag der Nutzerin bereits über 7.500 Mal geteilt. FOTO: Screenshot RTL Facebook-Seite

Dann allerdings habe eine Platzanweiserin drei Frauen darum gebeten, von ihren Plätzen aufzustehen. "Die Damen hatten wirklich tolle Plätze mit einem super Blick auf die Bühne", erinnert sie sich. Schnell habe sie jedoch bemerkt, dass es sich bei den Frauen um eine Dame mit Down-Syndrom und ihre Begleiterinnen gehandelt habe. Die drei mussten sich, so der Vorwurf, an den Rand setzen, mit "dem schlechtesten Blick, den dieses Studio zu bieten hatte". Stattdessen hätten "drei sehr junge, attraktive Damen" ihre Plätze einnehmen dürfen.

Bei längerem Beobachten sei der Frau dann aufgefallen, dass "die schlechten Plätze" allesamt mit Personen besetzt wurden, die ein Handicap hatten. "Alle hinter der Kamera." Auf Nachfrage, wieso die Dame mit dem Down-Syndrom sich wegsetzen musste, habe eine Mitarbeiterin geantwortet: "Sowas möchte man nicht im Fernsehen sehen." Auch einen Blinden hätte man umgesetzt.

RTL und Lebenshilfe haben Vorfall anders wahrgenommen

"Niemand bei RTL oder auch im Auftrag von RTL darf andere Menschen auf die beschriebene oder andere Art diskriminieren. Niemand!", teilte eine Sprecherin des Senders unserer Redaktion mit. Laut RTL hat sich die Situation anders zugetragen. Man habe zwei Frauen mit Handicap und ihre Betreuerin gefragt, ob sie einen Platz in der Nähe des Notausgangs bevorzugen würden. Von dort aus sei der Ausgang "im Fall aller Fälle" leichter zu erreichen gewesen. 

Die betroffenen Zuschauerinnen werden von einer Lebenshilfe im Rheinland betreut. Dort werden Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltag unterstützt und auch bei Freizeitaktivitäten, wie bei einem solchen Besuch in einem TV-Studio, begleitet. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe, von der die betroffenen Zuschauer betreut werden, bestätigt weitestgehend die Schilderungen der RTL-Sprecherin. "Die Beteiligten haben sich nach meinen Informationen nicht diskriminiert gefühlt". Dass man ihnen aus Sicherheitsgründen andere Plätze angeboten habe, hätten sie plausibel gefunden. Die Sendung hätten sie vorzeitig verlassen müssen, weil sie auf eine frühere Zugverbindung angewiesen waren. Von den angeblichen diskriminierenden Äußerungen der Studio-Mitarbeiterin hätten sie nichts mitbekommen. 

Das sind die Kandidaten von "Dance Dance Dance" FOTO: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Nach Angaben der Sender-Sprecherin nimmt RTL auf die Platzvergabe in TV-Studios keinen Einfluss. Die Ticketingfirma, die von der Produktionsfirma beauftragt werde, sei dafür zuständig. "Sollte tatsächlich so eine Aussage von einer Mitarbeiterin der Produktion oder Ticketing-Firma gefallen sein, ist das für uns völlig inakzeptabel", sagte die Sprecherin weiter. 

Auf Facebook kochen derweil die Emotionen über. Bereits mehr als 4100 Personen kommentierten den beschriebenen Vorfall. Ein Nutzer schreibt: "Spendenmarathon veranstalten und Menschen, die nicht eurer Norm entsprechen einfach auf das Abstellgleis verbannen?" Ein anderer Nutzer findet: "Das hat mit Menschenwürde nichts zu tun."

Die neue "Dance Dance Dance"-Staffel soll ab Freitag (8. September) ausgestrahlt werden.

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Dance Dance Dance 2017: RTL weist Diskriminierungsvorwüfe zurück


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.