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Klugscheißer-Ausgabe
Warum "Wer wird Millionär" keine Specials braucht

Warum „Wer wird Millionär“ keine Specials braucht
Günther Jauch moderierte auch die "Klugscheißer-Ausgabe" souverän, obwohl er von den Kandidaten überrascht wurde. FOTO: RTL/Frank Hempel
Düsseldorf. Günther Jauch hatte die Klugscheißer der Klugscheißer zum "Wer wird Millionär"-Special geladen. Ein Kölner konnte mit einem kleinen Gewinn nach Hause gehen. Auch zwei weitere Kandidaten konnten nicht brillieren. Von Jessica Baleer

Im Jahr 2016 lag der Durchschnittsgewinn eines Kandidaten bei "Wer wird Millionär" bei rund 50.000 Euro. Am Freitagabend hatte Günther Jauch zum "Klugscheißer-Special" eingeladen. Dass die drei Kandidaten unterdurchschnittlich abschnitten, war das deutlichste Indiz dafür, wie überflüssig dieses "Special" war.

Sechs Kandidaten überraschten Günther Jauch beim "Klugscheißer-Special". Bereits das Auswahlprozedere dauerte lange 20 Minuten – dann erst stellte Jauch einem Kölner die erste Frage.

Publikum liefert 100-Prozent-Antwort

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Das könnte man im Falle von Ferdinand Tengelmann (25) aus Köln sagen. Seine Freundin nämlich wünschte sich, dass er "von den Fragen richtig fertiggemacht wird". Mit vier Jokern ging er als als erster "Klugscheißer" an den Start und musste tatsächlich um den Gewinn kämpfen. Der BWL-Student bemühte bereits bei der 2000-Euro-Frage das Publikum: "Was stellt die italienische Küstenwache seit diesem Sommer an öffentlichen Stränden unter Geldstrafe?" Das stimmte zu 100 Prozent für Antwort A: Liegen reservieren.

Drei Joker für Politik-, Chemie- und Filmfrage

Auch im Themengebiet Politik hatte der Kölner keine Antwort auf die Frage, welchen Ministerposten Markus Söder in Bayern bekleidet. Nach dem 50:50-Joker blieben B) Dirndlminister und C) Heimatminister zur Auswahl. Er entschied sich richtigerweise für C und kommentierte mit: "Das hatte ich geahnt!

Bei 16.000 Euro war der Telefonjoker fällig. Der erklärte, dass mit "großem Gewächs" nicht rote Rosen, essbare Pilze oder edles Parkettholz gemeint ist, sondern "trockene Weine". Dass alle chemischen Elemente im Periodensystem, die auf Plutonium folgen, künstlich erzeugt werden, verriet ihm der Zusatzjoker. Doch bei der Frage zum Filmklassiker "Lawrence von Arabien", der mit dem tödlichen Motorradunfall des Titelhelden beginnt, wusste der BWL-Student nicht weiter. Er verließ die Show mit 32.000 Euro.

Bachelorarbeit über Tätowierungen

"Ich würde die Million sowas von locker gewinnen", soll Florian Niehaus (24) aus Steinfeld zu seiner besten Freundin gesagt haben. Sie befand also, er sei der prädestinierte Kandidat für das "Klugscheißer-Special". Der Student der Wirtschaftsethik und Sozialwissenschaften hat kürzlich seine Bachelorarbeit zum Thema Stereotype von Tätowierungen geschrieben.

Ob ihn das für einen hohen Gewinn qualifizierte? Bis 8000 Euro marschierte Florian Niehaus. Dann wollte Jauch wissen: "Seit dem 19. Juni darf in Deutschland keinem geschäftsfähigen Erwachsenen mehr verweigert werden...

A) ein Haus zu kaufen

B) ein Konto zu eröffnen

C) einen Kredit aufzunehmen

D) eine Bank zu überfallen

Sein Telefonjoker wusste, dass "B" richtig ist. Mit Hilfe des 50:50-Jokers ordnete er für 16.000 Euro dann die Inseln Guadeloupe und Martinique richtigerweise den Antillen zu. "Es heißt der Krake", belehrte Günther Jauch, als der Kandidat um 32.000 Euro und ohne Joker zockte. Aber weder "die" noch "der" Krake, sondern Blindschleichen können älter als 40 Jahre werden. 16.000 Euro nahm der Steinfelder mit heim.

Wermelskirchener gewinnt 32.000 Euro

Als dritter Kandidat folgte René Essel, Gärtnermeister aus Wermelskirchen. Seine Partnerin Eva Neuburg hatte ihn angemeldet, denn beim gemeinsamen Wer-wird-Millionär-Abend glänzt Essel regelmäßig mit rhetorischen Fragen wie: "Bin ich gut oder bin ich gut!?" Mit drei Jokern machte er Jagd auf die Million.

Bei der 4000-Euro-Frage aber musste auch Essel den ersten Joker ziehen. Mehr als die Hälfte aller nach Deutschland importierten Tomaten kommt nicht aus Marokko, sondern aus den Niederlanden. Dann half sein Telefonjoker bei der Frage: Für welche Fälle hat der Gesetzgeber die "Ministererlaubnis" vorgesehen?

A) Unternehmensfusionen

B) AKW-Stilllegung

C) vorzeitige Haftentlassung

D) Auslandsspionage

Richtig war Antwort A. Das Glück war bei der 32.000-Euro-Frage mit dem Wermelskirchener: Er tippte richtig, dass man den "Großen Hundstod" in der Liste der höchsten Berge Deutschlands findet. Dann aber war Schluss für ihn. Er scheiterte an der Frage nach der Namensherkunft des Wellensittichs, die von der Zeichnung des Gefieders herrührt. Jauch lobte den Wermelskirchener: "Es zeichnet den wahren Klugscheißer aus, wenn er im richtigen Moment aufhört." Essel ging mit 32.000 Euro.

Fazit des Abends: "Wer wird Millionär" hat sich nach 17 Jahren fest als Format im deutschen Fernsehen etabliert. Jeder Innovationsversuch aber wirkt gezwungen, irgendwie unpassend. Der Zuschauer begnügt sich mit dem simplen Prinzip des Frage-Antwort-Spiels. So wirkte das "Klugscheißer-Special" einfach überladen. Und zu den unspektakulären Kandidaten sei an dieser Stelle nur Sokrates zitiert: Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser.

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