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TV-Kritik "Wild Island"
"Ich habe Angst, dass ich hier jemanden aufesse"

Fotos: ProSieben-Show "Wild Island": Die Kandidaten
Fotos: ProSieben-Show "Wild Island": Die Kandidaten FOTO: Prosieben
Düsseldorf. Die neue Survival-Show "Wild Island – das pure Überleben" läuft seit Sonntag auf ProSieben. 14 sich fremde Menschen kämpfen auf einer einsamen Insel um Nahrung und einen Schlafplatz. Das klingt ein bisschen nach Big Brother unter erschwerten Bedingungen, nach Dschungel und auch nach Adam und Eva. "Wild Island" hat immerhin einen Pluspunkt: Die Teilnehmer tragen Kleidung. Meistens zumindest. Von Tanja Karrasch

Darum geht's

Kein Handy, kein Internet, kein Strom, nur 14 Menschen und eine Insel. Die Teilnehmer sind vier Wochen lang ganz auf sich alleine gestellt. Als Hilfsmittel dienen ihnen vier Macheten und sechs Messer. Es gibt keine Regeln, keine Gewinner und keine Verlierer. Keinen Einfluss von außen. Nur eine Aufgabe für alle: überleben. Für absolute Notfälle steht ein Ärzteteam samt Helikopter bereit. Und die könnten eintreffen, denn ganz theoretisch lauert der Tod an jeder Ecke der Insel, in Form von giftigen Äpfeln, wilden Tieren und fehlendem Wasser.

Darum geht's wirklich

Tränen und Blut fließen im Vorspann, Youtuber Tommy (25) hat schon kannibalische Gelüste. "Ich habe Angst, dass ich hier irgendjemanden aufesse", sagt er. "Der Durst macht mich wahnsinnig", jammert eine Mitstreiterin. Doch alles Zukunftsmusik: In der ersten Folge ist von dieser Spannung noch nichts zu spüren.

Nach einem Training mit dem Survival-Experten Ross Bowyer werden die Männer auf der einen Seite der Insel ausgesetzt. Mit an Bord: ein Wasservorrat für die ersten 24 Stunden. Sie entscheiden sich schnell für ein Mehrheits-Abstimmverfahren bei allen Entscheidungen. Bei den Frauen, die im südlichen Teil der Insel ankommen, läuft es weniger gut: Sie laufen in unterschiedliche Richtungen, die Absprachen führen zu nichts, schon jetzt bahnt sich ein Zickenkrieg an.

Die Freude ist groß, als beide Gruppen am frühen Nachmittag am Strand aufeinander stoßen. Gemeinsam wird ein vorrübergehender Schlafplatz errichten, wo die Gruppe von Mücken geplagt eine ungemütliche Nacht verbringt. Am nächsten Tag suchen Irina, Tommy und Gerrit stundenlang erfolglos ein Wasserloch. Stattdessen hören sie ein Schwein. Wie es weitergeht, erfahren die Zuschauer erst am Montagabend.

Die Kandidaten bei Wild Island

14 Menschen, die sich vorher nicht kannten, sich aber vor lauter Erleichterung über menschliche Wesen auf der einsamen Insel zur Begrüßung in den Armen liegen. Ein Jäger, drei professionelle Kameraleute, ein Youtuber, ein Assistenzarzt, eine Schuhverkäuferin, eine Ingenieurin für Luft- und Raumfahrttechnik. Die Mischung der Abenteurer ist bunt. Assistenzarzt Gregor ernennt sich selbst zum Wortführer und gibt leicht verstörende Anweisungen: "Selbst wenn uns ein Schweinchen über den Weg läuft, jetzt erstmal nicht killen." Kommunikationsdesignstudentin Svenja ist nachts in einen Dorn getreten und zweifelt daran, ob sie stark genug ist für die Insel: "Ich weiß nicht, ob ich das mental durchhalten kann", sagt sie unter Tränen.

Schuhverkäuferin Irina (21) erscheint hingegen eher taff. Sie sagt, wo es lang geht, ein paar Schrammen durch einen Felsen im Meer machen ihr nichts aus. Dennoch: Die dramatische Hintergrundmusik darf nicht fehlen. An Annika, Ingenieurin für Luft- und Raumfahrttechnik stoßen sich schon in der ersten Folge einige Kandidaten. Die 31-Jährige zieht ihr eigenes Ding durch, und mehr Ärger liegt in der Luft: "Jetzt fängt Annika schon an, Videos zu fälschen", heißt es in der Vorschau für die nächste Sendung.

Die Insel

Gibraléon, eine kleine, verlassene Insel vor Panama. Sie ist nur zwei Kilometer lang und einen Kilometer breit. Ein langer, weißer Sandstrand mit vielen Kokosnüssen verspricht traumhafte Idylle. Doch die Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent und die Temperatur von 35 Grad Celsius machen den Inselbewohnern zu schaffen. Der Urwald biete genügend Nahrung für alle, heißt es. Sofern die Teilnehmer diese finden. Das Grundwasser ist voller Bakterien, es muss vor dem Trinken gefiltert und abgekocht werden. "Im schlimmsten Fall kann man sonst davon sterben" sagt Bowyer. Die Dreharbeiten sind zu Beginn der Regenzeit, das Wetter also sehr unbeständig. Es kann jederzeit Regen oder ein Gewitter geben.

Das ist neu

In Zeiten von Selfies und Youtube eigentlich nichts Neues, im Fernsehen aber schon: Die Kandidaten filmen sich selbst. Jeder von ihnen ist mit einer Kamera ausgestattet. Das Filmmaterial und die Akkus werden täglich in eine Dropbox gebracht. Das Showteam tauscht sie gegen leere Speicherkarten und volle Akkus aus. Heimlich natürlich, erklärt Survivalexperte Ross Bowyer flüsternd, danach geht es mit einem Boot schnell wieder weg vom Camp.

Angeblich ist kein Team auf der Insel, nichts ist gescripted. Alles echt, authentisch, real. Und trotzdem ist es inszeniert. Dafür sorgt die Unterlegung mit nervenaufreibender Musik. Die dramatischen Rückblenden in schwarz-weiß, die wackeligen Bildausschnitte, die für die nächste Sendung Ärger, Verzweiflung, und Nervenzusammenbrüche ankündigen. Todesgefahr hin oder her: die pure Realität wäre wohl doch zu langweilig.

Fazit

Weniger Känguruhoden, mehr Dschungel-Facts. Das macht "Wild Island" im Gegensatz zu anderen Wildnis-Shows zu einer zumindest streckenweise informativen, unterhaltsamen Sendung. Das kann auch ohne die tiefe Stimme des großen Bruders, das Gekreische von Sonja Zietlow oder die bissigen Kommentare von Daniel Hartwich funktionieren. Es ist irgendwie erfrischend, dass keine Aufgaben verteilt werden. Keine Sterne gesammelt werden. Niemand nominiert wird. Und dennoch: Um diese Sendezeit (23.10 bis 0:05 Uhr) möchte man lieber den eigenen, gemütlichen Schlafplatz aufsuchen, als ein paar Möchtegern-Robin Crusoes bei der Stöckchensuche für den Zeltplatz zuzugucken.

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