| 10.11 Uhr

Winnetou-Neuverfilmung 2016
Mario Adorf spielt wieder den Bösewicht Santer

Winnetou-Neuverfilmung 2016 - Mario Adorf in Teil 3 zu sehen: "Winnetou - Der letzte Kampf"
Auch 2016 spielt Mario Adorf den Bösewicht Santer. FOTO: RTL
Köln. Mario Adorf wurde nach "Winnetou I" von den Deutschen jahrelang für seinen tödlichen Schuss auf Winnetous Schwester Nscho-tschi gehasst. In der Neuverfilmung spielt er den Bösewicht Santer ein weiteres Mal. Zumindest fast. Von Jörg Isringhaus

Es dauerte viele, viele Jahre, bis die Deutschen Mario Adorf verziehen hatten. Als Bösewicht Santer hatte er am Ende von "Winnetou I" Nscho-tschi erschossen, die von Marie Versini gespielte Schwester des Indianerhäuptlings, Old Shatterhands große Liebe.

Zigtausend Mal musste sich Adorf danach anhören, wie sehr man ihn dafür gehasst habe. Und dennoch entschied sich der 86-Jährige, für die RTL-Neuverfilmung des Karl-May-Stoffs die folgenreichste Rolle seines Lebens erneut zu übernehmen, allerdings leicht abgewandelt. "Ich spiele Santers Vater, also gewissermaßen meinen eigenen Vater", erzählt er. "Das fand ich reizvoll."

Adorf, weißes Haar, weißer Bart, schwarze Augenbrauen, ist heute zwar so etwas wie der Grandseigneur der deutschen Schauspielriege, besitzt aber immer noch die wuchtige Präsenz und das Charisma von früher. Neben ihm zu bestehen, ist schwierig, da braucht es schon einen wie Michael Maertens vom Wiener Burgtheater als Santer junior.

Nik Xhelilaj ist der neue Winnetou FOTO: RTL / Nikola Predovic, RatPack

Die Szenen mit beiden im dritten "Winnetou"-Teil, "Der letzte Kampf", sind ein Vergnügen. Auch Adorf hatte Spaß bei den Dreharbeiten in Kroatien. "Natürlich war es ein sentimentales Erlebnis, sich nach über 50 Jahren in der gleichen Landschaft und dazu im gleichen Themenkreis wiederzufinden", sagt er. "Der Unterschied zu damals aber ist - was den Dreh angeht - erstaunlich gering."

Immer seltener spannende Angebote

Sorgen, dass der Mythos Winnetou entzaubert werden könnte, hatte er nicht. Im Gegenteil, konstatiert er doch eine ernstere Herangehensweise an die historische Problematik der Indianer. Immerhin, denn über ein Überangebot an hochklassigen Drehbüchern kann sich Adorf nicht beklagen.

Es gebe immer seltener spannende Angebote, das sei eine Frage des Alters, erzählt er. "Gute Drehbücher und Geschichten waren aber immer rar." Er lasse sich gerne überraschen. "Nur wenn man nicht mehr neugierig ist, kommt einem alles alt vor."

Pierre Brice – der ewige "Winnetou" FOTO: dpa, bsc

Die Neugier war es vor allem, die Adorf angespornt und auch hinausgetrieben hat in die Welt. Der Sohn einer Röntgenassistentin aus der Eifel und eines kalabrischen Chirurgen drehte viel in Italien, war wegen seines südländischen Aussehens aber auch in Hollywood gefragt - gerne als Mexikaner.

"Nicht immer klug, aber konsequent"

Die meisten Rollen aus Übersee lehnte er jedoch ab, unter anderem Angebote von Billy Wilder und Francis Ford Coppola, der ihn für den "Paten" haben wollte. "Meine Entscheidungen über Zu- und Absagen waren nicht immer klug, aber konsequent", sagt er. "Ich habe sie jedoch nie bereut."

Weil für die Rollen, die ihm entgangen sind, andere kamen, die er annahm - viele davon hochkarätig. Wie die des Ganoven Bruno "Dandy" Stiegler in "Die Herren mit der weißen Weste", die des Alfred Matzerath in "Die Blechtrommel", die des Kommissars Beizmenne in "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" oder die des Patriarchen Peter Bellheim in "Der große Bellheim".

Die TV-Highlights an Silvester und Neujahr FOTO: NDR/WDR

Eine Lieblingsfigur hat Adorf nicht. "Sicher gibt es einige Rollen, die allein vom Erfolg und der persönlichen Befriedigung her haften bleiben, aber mindestens genau so viele, die, da ohne Erfolg, öffentlich vergessen sind, die aber für mich selbst wichtig bleiben", sagt er und richtet den Blick lieber kritisch auf die Gegenwart. "Es gibt im Alter viel mehr Preise fürs Lebenswerk als Rollen, allein in diesem Jahr waren es vier, aber keine nennenswerte Rolle."

Dennoch bleibt Adorf optimistisch. Lautet seine Antwort auf die Frage, worauf es ankomme im Leben, doch: "Weitermachen!" Noch eine letzte große Bombenrolle wünsche er sich, das wäre was. Und Gesundheit.

Alles andere, Ängste, Sorgen - geschenkt. Adorf ist da fatalistisch. "Das wird im Alter weniger, weil man weiß, dass man die Lösung der gegenwärtigen Probleme leider nicht mehr erleben wird."

Adorf spielt im dritten "Winnetou"-Film mit. Sendetermine "Winnetou - Das Geheimnis vom Silbersee" läuft Dienstag, 20.15 Uhr, auf RTL. Mario Adorf ist am Donnerstag, 29. Dezember, 20.15 Uhr, in "Winnetou - Der letzte Kampf" zu sehen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Winnetou-Neuverfilmung 2016 - Mario Adorf in Teil 3 zu sehen: "Winnetou - Der letzte Kampf"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.