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Oscar-Preisträger intervenierte bei TV-Sender
Wikileaks enthüllt Story um Sklavenhalter in Ben Afflecks Stammbaum

Ben Afflecks Stammbaum: Wikileaks enthüllt Story um Sklavenhalter
Oscar-Preisträger Ben Affleck war das Detail um den Sklavenhalter unangenehm. FOTO: dpa, mr cs sab
Boston. Der Sender PBS geht in einer Doku-Serie dem Stammbaum Prominenter nach. Oscar-Preisträger Ben Affleck war das Detail um den Sklavenhalter unangenehm, er bat darum, es wegzulassen. Tatsächlich wurde es nicht erwähnt. Der E-Mail-Verkehr ist nun von Wikileaks enthüllt worden.

Ein Detail aus dem "Sony Hack" sorgt in den USA für Gesprächsstoff: Oscar-Preisträger Ben Affleck bat einem von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten E-Mail-Wechsel zufolge, in der Serie "Finding Your Roots" einen Sklaven haltenden Vorfahren unerwähnt zu lassen.

Die Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Senders PBS ließen es weg und konzentrierten sich auf ein Familienmitglied, das nach dem Bürgerkrieg Okkultist wurde - und seine Mutter, die 1964 als "Freedom Rider" gegen die Rassentrennung demonstrierte.

Der TV-Sender PBS und Show-Gastgeber Henry Louis Gates erklärten, sie hätten der Sklavenhalter in Afflecks Stammbaum nicht zensiert. Es sei eine redaktionelle Entscheidung gewesen, weil es insbesondere diesen "faszinierenden Ahnen" gegeben habe, der nach dem amerikanischen Bürgerkrieg 1861 bis 1865 - in dem es auch um die Sklavenfrage ging - Okkultist wurde.

Oscar-Sieger Ben Affleck teilt sein Glück mit Jennifer Garner FOTO: afp, FREDERIC J. BROWN

"Bei jedem Gast finden wir immer mehr Geschichten über Vorfahren in ihren Familienstammbäumen, als wir jemals benutzen können", erklärte Gates in einer Mail an die Nachrichtenagentur AP. Sklaven haltende Ahnen hätten vier von fünf Personen in ihrem Stammbaum, schrieb Gates.

Gates und PBS stellten die Auswahl der in der im Oktober gesendeten Dokumentation als redaktionelle Entscheidung dar, bei der die Bitte des Hollywoodstars ("Good Will Hunting", "Argo") keine Rolle gespielt habe. Ein E-Mail-Wechsel zwischen Gates - der auch Harvard-Professor ist - und Sony-Chef Michael Lyton dokumentiert aber, dass die Problematik durchaus bewusst war. Denn Affleck war der erste in der Doku-Serie, der Einfluss auf die Auswahl der vorgestellten Vorfahren zu nehmen versuchte - andere mit Sklavenhaltern im Stammbaum wie Regisseur Ken Burns und CNN-Moderator Anderson Cooper machten das eben nicht.

"Hier ist mein Dilemma: Zum ersten Mal bittet uns einer unsere Gäste darum, etwas über seine Vorfahren wegzulassen - die Tatsache, dass er Sklaven besaß. Nun, vier von fünf unserer Gäste in dieser Staffel stammen von Sklavenhaltern ab, einschließlich Ken Burns. Es hat uns noch nie jemand darum gebeten, etwas zu zensieren, was wir herausgefunden haben. Er ist ein Megastar. Was sollen wir machen?", schrieb Gates in einer E-Mail vom 22. Juli 2014.

Zum Schwärmen - Justin Timberlake und Ben Affleck FOTO: afp, David Becker

Lyton antwortete, es komme entscheidend darauf an, ob jemand wisse, dass dieses Detail bereits in der Dokumentation sei. "Ich würde es rausnehmen, wenn es niemand weiß. Wenn aber durchsickert, dass Sie derartiges Material wegredigieren, wird es heikel. Noch einmal, alles in allem würde ich es weglassen", schrieb Lyton.

Dem  E-Mail-Wechsel ist zu entnehmen, dass Gates und Lyton um die Problematik wussten, den eine Art Zensur auf Wunsch des Betroffenen hervorrufen könne. Gates schrieb noch am 22. Juli zurück, dass es letztlich Afflecks Fehler sei, den Vorgang überhaupt geschaffen zu haben: "Es wird ihn beschämen und seiner Integrität schaden. Ich denke, er ist sehr schlecht beraten worden." Und weiter: "Wenn wir einmal die Tür zur Zensur öffnen, verlieren wir die Kontrolle über die Marke."

Vertreter Afflecks äußerten sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Fall. Eine PBS-Sprecherin teilte mit, der Sender selbst habe nichts von dem E-Mail-Wechsel zwischen Gates, Sony und Affleck gewusst. Er habe keinen Einfluss auf die redaktionelle Entscheidung der Produzenten gehabt.

Wikileaks hatte am Donnerstag Hunderttausende E-mails und Dokumente vom Hackerangriff auf Sony Pictures in ein Online-Archiv gestellt.

(ap)
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