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Lima
Neue Hoffnung für das ewige Eis

Lima. Selbst die sonst skeptischen Umweltverbände sind nun zuversichtlich, dass der Klima-Gipfel in Lima mit der Vorlage eines Maßnahmenkatalogs endet. Im nächsten Jahr könnte in Paris ein weltweiter Vertrag zum Schutz des Klimas folgen. Von Rainer Kurlemann

Das Treffen der Vertreter von Politik und Wissenschaft hat sich zum jährlichen Ritual entwickelt. Diesmal sind die Klima-Experten in Lima zusammengekommen. Es ist der 20. Gipfel seiner Art. Wieder geht es um die Reduzierung der Treibhausgase - vornehmlich um Kohlendioxid, dessen Menge in der Erdatmosphäre erneut einen Höchststand erreicht hat. Die Debatte verläuft immer nach dem gleichen Muster. Das Abschlussdokument enthält viele Worte, doch für den Schutz des Klimas erweist es sich nur als heiße Luft.

Doch diesmal ist der Optimismus größer. Selbst die oft enttäuschten Umweltverbände hegen Hoffnung, dass die zehn Verhandlungstage mit einem Dokument mit konkreten Ankündigungen enden. Im kommenden Jahr könnte in Paris ein weltweiter Vertrag zum Schutz des Klimas geschlossen werden.

Die Vorzeichen für den Klima-Gipfel haben sich gewandelt. Die beiden größten Widersacher einer Einigung in Klimafragen haben Vorschläge für eine Verringerung der Treibhausgase unterbreitet. Die USA und China hatten eine Einigung jahrelang blockiert. Vielleicht haben die jüngsten Entwicklungen den Druck auf die Regierungen erhöht. Nicht nur das Eis am Nordpol schrumpft durch die steigende Temperatur der Atmosphäre, auch die Eispanzer der West-Antarktis sind ins Rutschen geraten. Die Zahl der extremen Wetterereignisse ist weltweit gestiegen, so wie es die Berechnungen der Klimaforscher vorhergesagt haben.

Trotzdem wird auch dieser Klimagipfel wie jeder seiner Vorgänger von kritischen Tönen begleitet. Skeptiker zweifeln den Zusammenhang zwischen der Kohlendioxidmenge in der Atmosphäre und dem Klimawandel an. Für sie ist der letzte Bericht des Weltklimarats nicht wissenschaftlich begründet. Naomi Oreskes, Professorin an der Harvard-Universität, hat das Vorgehen dieser Gruppe von Forschern untersucht: "Diese Männer haben die Stärke der Wissenschaft in eine Schwäche verwandelt", sagte die Wissenschaftstheoretikerin der "Süddeutschen Zeitung". Sie hätten die Tugend, dass Ergebnisse hinterfragt werden sollen, auf eine infame Art und Weise genutzt. Es gehe ihnen darum, einen Dissens vorzutäuschen, wo es keinen gibt. Sie träten dabei als Vertreter von Organisationen auf, deren intensive finanzielle Förderung durch die Industrie nur schwer zu erkennen sei.

Trotzdem finden sie Gehör. Mit vielen Details aus dem wechselhaften Klimageschehen auf der Erde versuchen die Skeptiker, den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Industrieabgasen als unbewiesene Hypothese darzustellen. Dabei halten weit mehr als 95 Prozent der Forscher genau das für bewiesen.

Zu den beliebten Gegenargumenten gehört der Vergleich mit den natürlichen Klimaschwankungen. Die Skeptiker verweisen gern auf die 1930er Jahre: Damals stiegen die Temperaturen am Nordpol auch ohne Klimawandel an. Dabei verheimlichen sie, dass der Anstieg deutlich geringer verlief, als er in jüngster Zeit gemessen wurde. Ein beliebtes Argument ist auch der Vergleich der Temperatur der Erdatmosphäre mit dem Jahr 1998. Weil dieses Jahr besonders warm war, fällt der relative Temperaturanstieg in der Folgezeit nur gering aus - von einer globalen Erderwärmung könne also keine Rede sein. Dieser Bewertung steht der Befund gegenüber, dass die Jahre, in denen auf der Erde die höchsten Durchschnittstemperaturen gemessen wurden, fast alle in die Zeit nach dem Jahr 2000 fielen.

Doch selbst die Messungen werden in Zweifel gezogen. Die Skeptiker verweisen darauf, dass die Messstationen früher ländlich gelegen waren, jetzt aber durch das Bevölkerungswachstum der Großstädte urbanisiert worden seien. In Städten sei es aber schon immer wärmer gewesen. Dieses Argument mag sinnvoll klingen; es ist aber schlicht falsch, wie ein Blick auf die Lage der Messstationen zeigt.

Für lange Debatten sorgt die Frage, ob die steigende Menge an Kohlendioxid der Auslöser für den Klimawandel ist oder nur eine Folge davon. Die Skeptiker argumentieren mit Phänomenen, die von früheren Erwärmungen der Erde bekannt sind. Nämlich dass erst die Temperatur stieg und danach der CO 2-Gehalt der Atmosphäre. Beides stimmt: Durch den veränderten Stand der Sonne und der Erdachse hat es schon häufiger Klimawandel mit natürlicher Ursache auf der Erde gegeben. Und damals stiegen auch die CO 2-Werte, weil warmes Meerwasser weniger Kohlendioxid speichern kann als kaltes und es deshalb das Treibhausgas an die Luft abgibt. Aber beide Aspekte haben mit der aktuellen Situation nichts zu tun. Mit der derzeitigen Bahn der Erde lässt sich kein Klimawandel erklären. Das Kohlendioxid in der Atmosphäre stammt aus industriellen Quellen. Forscher messen die höchsten Werte seit 650 000 Jahren, so alt sind die ältesten Eisschichten, die durch Tiefbohrungen in der Antarktis Aufschluss auf das Klimageschehen geben.

Ebenso geht es mit der höheren Aktivität der Sonne, die in den letzten Jahrzehnten beobachtet wurde. Verschiedene Rechenmodelle haben das simuliert. Das Ergebnis: Etwa zehn Prozent beträgt die Rolle der Sonne am Klimawandel.

Quelle: RP
 
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