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Schlappe für Trump
Demokrat Jones gewinnt bei Senatorenwahl in Alabama

Schlappe für Trump: Demokrat gewinnt Senatorenwahl in Alabama
Birmingham. Der Demokrat Doug Jones hat sich überraschend bei der Senatorenwahl in Alabama durchgesetzt. Der US-Staat war seit Jahrzehnten von Republikanern beherrscht. Mit seinem Sieg fügte Jones auch US-Präsident Trump eine empfindliche Niederlage zu.

Doug Jones setzte sich am Dienstagabend (Ortszeit) gegen den umstrittenen republikanischen Kandidaten Roy Moore durch. Der Sieg des Demokraten stellt für US-Präsident Donald Trump einen heftigen politischen Dämpfer dar: Im Senat haben die Republikaner nun nur noch eine hauchdünne Mehrheit. Die 51 Senatoren von ihnen sitzen dort künftig 49 Demokraten gegenüber.

Jones' Wahlsieg dürfte zum großen Teil auch durch die sexuellen Belästigungsvorwürfe begünstigt worden sein, die Moores Wahlkampf erschüttert hatten. Mehrere Frauen hatten dem Republikaner vorgeworfen, sich in den 1970er Jahren ihnen gegenüber unangemessen verhalten zu haben.

Eine der öffentlichen Anklägerinnen sagte, sie sei damals erst 14 Jahre alt gewesen. Die Wahl in Alabama fand am Dienstag (Ortszeit) statt, weil Justizminister Jeff Sessions in Trumps Kabinett gewechselt war - und seinen Posten in der US-Kongresskammer daher aufgeben musste.

Erster Senatssitz seit 25 Jahren

Der Triumph des Demokraten Jones in einem so konservativ geprägten US-Staat ist erstaunlich. Sie können erstmals seit 25 Jahren einen Senatssitz in Alabama für sich verbuchen. Die Abstimmung zeigt auch, dass die Loyalität der Wähler gegenüber einer Partei in der Ära Trump nicht mehr als sicher gilt.

Der Republikaner Roy Moore hat die Wahl in Alabama verloren. FOTO: ap/Mike Stewart

Der neue Senator ist ein früherer US-Staatsanwalt, der vor allem für die Strafverfolgung von zwei Anhängern des Ku-Klux-Klans bekannt ist. Sie waren 1963 für eine Explosion in einer Kirche in Birmingham verantwortlich. Moore hingegen ist für seine christlich-konservativen Überzeugungen bekannt; er setzte sich in seiner Vergangenheit als Richter unter anderem gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ein.

Gratulation von Trump

Nach der Abstimmung gratulierte Trump dem gewählten Senator. Dessen Sieg sei hart erkämpft gewesen, schrieb er bei Twitter. Für Moores Niederlage machte er auch jene Stimmenabgaben verantwortlich, bei denen auf den Wahlzetteln für einen nicht aufgeführten Kandidaten votiert wurde. Aber, so Trump, ein Gewinn sei ein Gewinn.

Mit seinen Worten spielte der Präsident vielleicht auf den zweiten republikanischen Senatskandidaten Luther Strange an, der sich bei den Vorwahlen in Alabama nicht gegen Moore durchgesetzt hatte. Viele moderate Parteianhänger tendierten möglicherweise eher zu ihm als zu Moore.

Auch viele führende Republikaner hatten bis zuletzt mit Moores Kandidatur gehadert und vor allem mit den Belästigungsvorwürfen argumentiert. So hatte der für Alabama zuständige langjährige Senator Richard Shelby erklärt, seine Partei "könne etwas Besseres" und solle von Moore absehen.

Trump und die republikanische Parteiorganisation hatten Moore aber am Ende unterstützt und gesagt, der Republikaner werde dringend im Senat gebraucht.

Moore: "Ist noch nicht vorbei"

Jones selbst sah in seinem Überraschungssieg einen Moment der nationalen Einheit. "Ich habe immer daran geglaubt, dass die Menschen in Alabama mehr gemeinsam haben, als uns trennt", sagte er. Seine Kampagne habe darauf gesetzt, Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichen politischen Lagern zu finden. Dem ganzen Land sei nun gezeigt worden, was die Menschen vor Ort sein könnten, so Jones. Den Wahlkampf beschrieb er als ein Rennen um Würde und Respekt.

Nicht aufgeben wollte am Dienstagabend Roy Moore selbst: "Es ist nicht vorbei", sagte er vor Anhängern. Der Vorsitzende von Moores Wahlkampagne sagte, das endgültige Ergebnis liege noch nicht vor.

Das Wahlrecht in Alabama sieht eine Neuauszählung der abgegebenen Stimmen vor, wenn der Sieg eines Kandidaten mit weniger als einem halben Prozentpunkt besteht. Nachdem alle Wahlbezirke ihre Ergebnisse am Abend gemeldet hatten, führte der Demokrat Doug Jones mit 1,5 Prozentpunkten oder 20 000 Stimmen.

(ate/ap)
 
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