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US-Präsident auf Kuba
Obama an Kubaner: "Yes, we can"

Barack Obama in Kuba für eine Versöhnungr: "Yes, we can"
Termin ohne Krawatte am Abend: Obama und Castro besuchten am Dienstagabend ein Baseball-Spiel. FOTO: dpa, mr ase
Havanna. Historische Rede des US-Präsidenten in Havanna: In einer direkt an das kubanische Volk gerichteten Ansprache in einem Theater der Hauptstadt hat Barack Obama am Dienstag zur Versöhnung zwischen den vormals bitter verfeindeten Ländern aufgerufen.

"Ich glaube an das kubanische Volk", sagte Obama, der als erster amtierender US-Präsident seit fast 90 Jahren das Nachbarland besuchte. "Ich bin hierher gekommen, um das letzte Überbleibsel des Kalten Krieges auf dem amerikanischen Kontinent zu beerdigen", sagte Obama in seiner von Sätzen auf Spanisch gespickten Rede, die mehrfach von Applaus unterbrochen wurde. In der live vom kubanischen Staatsfernsehen übertragenen Ansprache im Gran Teatro de La Habana Alicia Alonso rief Obama erneut zu einem Ende des vor mehr als 50 Jahren verhängten US-Embargos gegen Kuba auf. Das Ende des Embargos wird bislang im US-Kongress von den oppositionellen Republikanern verhindert.

Die Handelsblockade sei eine "überkommene Belastung für das kubanische Volk. Sie ist eine Belastung für die Amerikaner, die in Kuba arbeiten, Geschäfte machen oder investieren wollen", sagte Obama.

"Bürger sollten frei sein"

Kubas Staatschef Raúl Castro verfolgte die Rede im Theater mit und musste sich dabei Kritik an der fehlenden politischen Freiheit auf der von der Kommunistischen Partei regierten Karibikinsel anhören. "Ich glaube, dass Bürger frei sein sollten, ohne Angst ihre Meinung zu sagen, sich zu versammeln und ihre Regierung zu kritisieren", sagte der US-Präsident.

Direkt im Anschluss an die Rede kam Obama mit politischen Dissidenten zusammen. "All die Menschen an diesem Tisch haben außergewöhnlichen Mut gezeigt", sagte er bei dem Treffen in der US-Botschaft. Zu den mehr als ein Dutzend Teilnehmern der Runde gehörte die Sprecherin der Oppositionsgruppe Damen in Weiß, Berta Soler, die kurz vor der Ankunft Obamas am Sonntag auf der Insel kurzzeitig festgenommen worden war.

Die Damen in Weiß setzen sich für die Freilassung von politischen Gefangenen ein. Bei einer Pressekonferenz mit Obama am Montag hatte Raúl Castro bestritten, dass es in Kuba politische Gefangene gebe. Außerdem verlangte er, Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Ländern "zu akzeptieren und zu respektieren" und diese nicht "in das Zentrum unserer Beziehungen" zu stellen.

Ohne Krawatte und Sonnenbrille

Trotz solcher Dissonanzen hatte der dreitägige Besuch auch seine lockeren Momente. Zum Auftakt hatte Obama am Sonntag in Begleitung seiner Familie die Altstadt von Havanna besichtigt. Nach dem Treffen mit den Dissidenten besuchte er dann zum Abschluss seines Besuchs gemeinsam mit Raúl Castro ein Baseballspiel. Die beiden Staatschefs, beide ohne Krawatte und mit Sonnenbrillen, saßen lachend und plaudernd zusammen - ein Bild, das vor wenigen Jahren noch völlig undenkbar gewesen wäre.

Vor Beginn des Spiels wurde die Stimmung jedoch kurz sehr ernst, als in einer Schweigeminute der Opfer der Anschläge von Brüssel gedacht wurde. Kubanische Gymnasten boten dann eine Show, bevor die kubanische Nationalmannschaft und das US-Erstligateam der Tampa Bay Rays gegeneinander antraten. Baseball ist in beiden Ländern gleichermaßen beliebt.

(csi/afp)
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