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Syrien
Assad räumt Schwäche seiner Armee offen ein

Baschar Al-Assad – vom Hoffnungsträger zum Zyniker
Baschar Al-Assad – vom Hoffnungsträger zum Zyniker FOTO: dpa, nm moa
Damaskus . Erstaunlich offen hat Syriens Staatschef Baschar al-Assad am Sonntag die Schwäche seiner Armee eingestanden. "Es fehlt an Personalressourcen" für die Armee, sagte Assad in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache in Damaskus.

Trotz der "Ermüdung" bei den Soldaten nach mehr als vier Jahren Bürgerkrieg werde es aber nie eine "Niederlage" geben, versicherte Assad zugleich. Im ihrem Kampf gegen islamistische Organisationen und gegen Rebellen im ganzen Land ist die syrische Armee stark geschwächt worden, auch durch eine zunehmende Zahl von Deserteuren und Wehrdienstverweigerern. Assad erließ deshalb am Samstag eine Generalamnestie für diese Gruppen. "Dieses Dekret zielt darauf ab, die Deserteure zu ermutigen, sich wieder der Armee anzuschließen", sagte er am Sonntag.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Sana am Samstag berichtete, sollen sich ins Ausland geflohene Deserteure binnen zwei Monaten bei den Behörden melden, um von der Amnestie zu profitieren. Deserteure im Inland sollen einen Monat Zeit bekommen. Eine Frist für Wehrdienstverweigerer wurde nicht genannt. Ein Armeevertreter sagte, die Amnestie gelte nicht für Soldaten, die nach ihrer Fahnenflucht an Kämpfen gegen die Regierung teilgenommen oder "Blut an den Händen" hätten.

In den vergangenen Monaten hatte die syrische Armee schmerzhafte Niederlagen hinnehmen müssen, darunter in der Stadt Palmyra gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS). Assad, der sich vor Wirtschaftsvertretern äußerte, räumte ein, dass seine Armee nicht alle Stellungen im ganzen Land halten könne. Er hob aber hervor: "Das Wort Niederlage existiert im Wörterbuch der syrischen Armee nicht." Er fügte hinzu: "Wir werden widerstehen und wir werden gewinnen." Als für die Regierung unverzichtbare Stellungen gelten neben Damaskus Städte wie Homs und bestimmte Küstenregionen.

Seit Beginn der Kämpfe in Syrien im März 2011 wurden mehr als 80.000 Soldaten der Regierungstruppen und verbündeter Milizen getötet. Nach nicht überprüfbaren Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden in dem Bürgerkrieg bisher ingesamt etwa 230.000 Menschen getötet.

Die hohe Opferzahl hat zur Folge, dass selbst regierungstreue Syrer nicht ihren Militärdienst ableisten wollen. Laut Beobachtungsstelle haben sich 70.000 Syrer ihrem Dienst entzogen. Anfang Juli startete die Regierung eine Kampagne, um Bürger für den Dienst in den Streitkräften zu gewinnen.

Zu Verhandlungen über eine politische Lösung für den Konflikt in Syrien sagte Assad, dass jeder Vorschlag, der nicht auf dem "Kampf gegen den Terrorismus" basiere, "sinnlos" sei. Die syrische Regierung bezeichnet alle gegnerischen Kämpfer als "Terroristen", Rebellen genauso wie gewalttätige Islamisten. Solange der "Terrorismus" Teil der Opposition im Ausland sei, die am Dialog teilnehme, seien die Reden von einer politischen Lösung nur "hohle Worte", sagte Assad. Die Exil-Opposition wird von den Golfstaaten und westlichen Ländern unterstützt.

(AFP)
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