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Berliner Bühne
Grüne Zählkunst
Berliner Bühne: Grüne Zählkunst
Eva Quadbeck kommentiert die "Grüne Zählkunst". FOTO: RP
Berlin. Als die Grünen noch waren, wie die Piraten heute gerne wären, durften tatsächlich alle mitreden. Die Folge der Basisdemokratie: Jeder kämpfte gegen Jeden und am Ende gab es eine Menge verrückter Beschlüsse. Mit dieser Art Politik zu machen haben die Grünen längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Das kann die amtierende Bundesregierung eigentlich auch ganz gut.  Von Eva Quadbeck

Nun heben sich die Grünen wieder von den anderen Parteien ab: Da sie in der Frage, wer von den alten Frontkämpfern die Partei als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf führen soll, keine Einigung erzielen konnten, ziehen sie nun die Weisheit der Basis zu Rate. Ur-Wahl heißt das Ganze und man darf es sich getrost als Mutter aller Abstimmungen vorstellen. Am Samstag soll dann offiziell bekannt gegeben werden, was Freitagabend voraussichtlich schon getwittert wird: Das Spitzenkandidaten-Duo der Grünen für die Bundestagswahl. Bis zum Wochenende hatte etwas mehr als die Hälfte der Parteimitglieder ihre Stimme abgegeben. Seitdem wird ausgezählt. Und in der Partei steigt die Spannung von Tag zu Tag.

Für Aufregung sorgte eine Spontan-Umfrage des Rentenexperten der Fraktion Wolfgang Strengmann-Kuhn. Er fragte nach Schließung der Abstimmung auf seiner Internet-Seite schlicht: Wen habt Ihr gewählt? So machen das renommierte Umfrage-Institute, die die Hochrechnungen für Bundes- und Landtagswahlen liefern übrigens aus. Der Grünen-Sozialpolitiker fügte ordnungsgemäß hinzu, dass seine Umfrage nicht repräsentativ sei. Gut war sie trotzdem.

664 Antworten bekam er bis Sonntagabend. Erwartungsgemäß liegt Fraktionschef Jürgen Trittin souverän vorn. Eher überraschend erhielt zumindest in dieser Abstimmung Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt die zweitmeisten Stimmen. Nachdem unsere Redaktion über die Befragung einen Bericht gebracht hatte, reagierten die Grünen mit einer Mischung aus Alarm-Stimmung und Humor. Kommt die Umfrage der Wahrheit am Ende nahe? Immerhin rechnen alle mit einem sehr guten Ergebnis für Trittin.

Wenn mit ihm Göring-Eckardt in den Wahlkampf ziehen dürfte, wäre das eine faustdicke Überraschung. Verständlich, dass sich ihre Konkurrentinnen Fraktionschefin Renate Künast und Parteichefin Claudia Roth weniger begeistert zeigten. Trittin reagierte mit der ihm eigenen Ironie und sprach seinen Parteifreund Strengmann-Kuhn als „Wahlforscher“ an, als sich dieser am Dienstag in der Fraktionssitzung zu Wort meldete. Am Abend, als sich die Grünen noch zum geselligen Herbstempfang trafen, witzelten etliche Bundestagsabgeordnete, der Jürgen habe sich einfach selbst 300mal geklickt und sei damit auf sein hervorragendes Ergebnis gekommen.

Quelle: sap
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