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Neue Debatte um das Ende des Lebens
Hermann Gröhe gegen Geschäft mit Sterbehilfe

Berlin. In der neuen Debatte um aktive Sterbehilfe hat sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für eine klare gesetzliche Regelung ausgesprochen. "Ich wünsche mir, dass wir jede geschäftsmäßige Hilfe zur Selbsttötung unter Strafe stellen", sagte der Minister unserer Redaktion. Von Gregor Mayntz

Wer mit den Ängsten der Menschen vor dem Sterben ein Geschäft machen wolle und sich für Hilfe zur Selbsttötung bezahlen lassen, handele "überaus verwerflich", stellte Gröhe fest.

Die Straffreiheit der Selbsttötung und damit auch ihres Versuches zeige, dass es menschliche Dramen gebe, vor denen das Strafrecht zu Recht schweige, erläuterte Gröhe. "Wer aber die Selbsttötung propagiert, als Ausdruck der Freiheit des Menschen geradezu verklärt, der versündigt sich an der Wertschätzung des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen", sagte Gröhe.

Er reagierte damit auf den Vorstoß verschiedener Prominenter wie Fritz J. Raddatz oder Udo Reiter, die nachhaltig aktive Sterbehilfe auch in Deutschland eingefordert hatten. Jedes Jahr würden von den Krankenkassen auch 100.000 Schwangerschaftsabbrüche bezahlt. "Warum soll es bei der Sterbehilfe nicht so gehen?", fragte der ehemalige MDR-Intendant Reiter, der nach einem Autounfall seit 1966 querschnittsgelähmt ist.

Der frühere SPD-Sozialminister Franz Müntefering protestierte scharf gegen den Initiative Reiters. Es empöre ihn, dass hier "aus Angst vor dem unsicheren Leben ein sicheres Ende gesucht und der präventive Tod zur Mode der angeblich Lebensklügsten gemacht werden" solle.
"Wir schulden Schwerstkranken und Sterbenden, aber auch ihren Angehörigen bestmögliche Pflege und liebevolle Zuwendung", betonte Gröhe.

Dank des großartigen Einsatzes vieler Pflegekräfte, aber auch ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer in der Hospizarbeit erlebten viele Menschen ein würdiges Leben bis zuletzt. Große Fortschritte bei der Schmerzlinderung schenkten Zeit, Abschied zu nehmen. Das Gesundheitsministerium unterstütze daher Ausbau und Weiterentwicklung der Palliativ- und Hospizversorgung verstärkt.

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(may-)
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