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Reservistenverband
Die Wehrpflicht reaktivieren

Bundeswehr: Bilder eines bewegten Jahres
Bundeswehr: Bilder eines bewegten Jahres FOTO: Helmut Michelis
Berlin. Vor dem Hintergrund der aktuellen Bedrohungslage mehren sich die Stimmen, die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland wiedereinzuführen. Der Reservistenverband der Bundeswehr sieht darin auch eine Chance zur Integration. Von Helmut Michelis

An diesem Wochenende berät die Bundesdelegiertenversammlung des Reservistenverbandes einen Antrag der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, die sich für die Beendigung der Aussetzung der Wehrpflicht oder ersatzweise für ein verpflichtendes Soziales Jahr für junge Frauen und Männer ab 18 Jahren einsetzt.

Die Landesdelegiertenversammlung, die rund 15.000 freiwillige Reservisten in NRW vertritt, hatte diesem Vorschlag bereits mit überwältigender Mehrheit zugestimmt, auch auf Bundesebene (115.000 Mitglieder) wird eine breite Akzeptanz erwartet. "Es geht um die Sicherheit unseres Landes", erläuterte Landesvorsitzender Wolfgang Wehrend unserer Redaktion den Vorstoß. " Wenn die Bundeswehr argumentiert, sie lehne jetzt die Wehrpflicht ab, weil sie weder über genügend Ausbilder noch über ausreichende Unterkünfte verfüge, ist das einer von der Politik herbeigeführten Situation geschuldet. Es wird Zeit, dass dort ein rasches Umdenken stattfindet."

55 Jahre lang war die Bundeswehr eine Wehrpflichtarmee. 2011 rechnete die Politik zwar weder mit dem Ukraine-Konflikt noch einer direkten terroristischen Gefährdung wie gegenwärtig. Trotzdem wurde die Wehrpflicht vorsichtshalber nicht ganz abgeschafft, sondern offiziell nur ausgesetzt. Rund acht Millionen junge Männer haben seit 1956 zwangsweise Dienst in Uniform geleistet, zuletzt waren es nur noch sechs Monate.

Die Bundeswehr, die im Kalten Krieg über 800.000 Alarmreservisten verfügte, umfasst zurzeit noch 30.000 freiwillig beorderte Reservisten, zwei von drei Dienstposten sind nicht besetzt. "Neben der nicht mehr vorhandenen Aufwuchsfähigkeit der Bundeswehr in kritischen Sicherheitslagen geht es uns um das Engagement für die Gesellschaft", erläuterte Wehrend. " Man merkt es vielen jungen Menschen an, dass eben dieses Engagement, die Verantwortung lernen gegenüber dem eigenen Land, nicht mehr eingefordert wird."

Der Oberstleutnant der Reserve sieht in der Wehrpflicht auch ein Mittel der Integration: "Wenn junge Menschen bei der Bundeswehr, dem Technischen Hilfswerk, den Feuerwehren, den Hilfsorganisationen und Pflegediensten wie selbstverständlich zusammenarbeiten, kommen sich Ethnien und Religionen vielleicht näher. Es gäbe jedenfalls die Chance dazu."

Statt des Wehrdienstes war bis 2011 aus Gewissensgründen auch ein Zivildienst möglich. Deshalb fehlen nicht nur der Bundeswehr die Reserven. Auch das Technische Hilfswerk (THW), das für die Katastrophenhilfe fast ausschließlich aus Ehrenamtlichen besteht, und die Freiwilligen Feuerwehren klagen über Personalmangel, der die Einsatzfähigkeit zunehmend gefährdet. Deshalb unterstützt der Präsident der THW-Landeshelfervereinigung Nordrhein-Westfalen, Rainer Schwierczinski, ausdrücklich den Reservisten-Vorschlag; auch in der CDU gibt es entsprechende Bestrebungen.

So fordert ein Antrag des Netzwerks der Soldaten der NRW-CDU für den den Bundesparteitag der Union Anfang Dezember ein freiwilliges Dienstjahr zur Unterstützung der Gesellschaft. Der Reservistenverband, so Wehrend, wird unabhängig davon eine juristische Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

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