| 21.02 Uhr

Ursula von der Leyen
Eine Ministerin in Kampf-Modus

Von der Leyen bei den Kampfhubschraubern
Fritzlar. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ringt das Pannen-Image der Helikopter nieder und schließt einen Mali-Einsatz nicht aus. Bei einem Besuch im Fliegerhorst Fritzlar zeigt sie sich betont kämpferisch. Von Gregor Mayntz

Im Landeanflug auf den nordhessischen Fliegerhorst Fritzlar wird der Transporthubschrauber der Ministerin von zwei "Tiger"-Kampfhubschraubern eskortiert. "Show of Force" heißt das im Militärjargon, Demonstration von Macht und Entschlossenheit. Es ist das Bild für das letzte Drittel einer überraschenden Amtszeit. Auch die vormalige Sozial- und vormalige Familienministerin Ursula von der Leyen selbst hatte nicht damit gerechnet, erste Verteidigungsministerin Deutschlands zu werden. Im Sommer 2016 ist sie endgültig angekommen im Amt.

Klack, klack, klack. Die harten Sohlen der Schuhe von der Leyens knallen forsch und zügig über den Betonboden. Als einzige. Die sie begleitenden Offiziere, Feldwebel, Piloten, treten weicher auf. Aber sie verteilen gerne die Zettel des von-der-Leyen-Erfolges. Noch vor einem Jahr war vor allem die Hubschrauber-Flotte ein Sinnbild für verkorkste Kauf- und Wartungsabläufe in der Truppe. Nur jeder fünfte "Tiger" war einsatzbereit, jetzt fliegt schon jeder zweite. Ähnlich ist es bei den anderen Hubschraubertypen: Deutlich bessere Bereitschaft. Nur die "Sea Lynx"-Marine-Helikopter setzen das alte Trauerspiel fort.

Von Anfang bis zum Ende

Die "Tiger"-Truppe nimmt Aufstellung vor der Ministerin. Körpersprache verrät den Bereitschaftszustand der CDU-Politikerin. Sie zeichnet gestisch die "Problemkette" nach, und zwar "vom Anfang" (linke Hand nach links) "bis zum Ende" (rechte Hand nach rechts). Für einen Augenblick steht sie mit weit ausgebreiteten Armen vor den Soldatinnen und Soldaten. Wie die Mutter der Division. Deren Bezeichnung passt heute zu ihrem Selbstverständnis. "Schnelle Kräfte" – mit diesem Image konnten sich schon viele ihrer Vorgänger anfreunden.

Die hätten auch nicht gezögert, den coolen Pilotenhelm auszuprobieren, den von der Leyen nur mal kurz in der Hand wiegt. Und die wären sicher auch die paar Stufen in die Piloten- oder die Kommandantenkabine des Kampfhubschraubers gestiegen, um sich genau beschreiben zu lassen, was ihre Leute in der Luft leisten. Doch solche Bilder meidet die ansonsten mit einem feinen Sensorium für mediale Wirkungen ausgestattete Frau sorgfältig.

Ihr ist anderes wichtiger. Klack, klack, klack. Die Ministerin nähert sich einer Kampfhubschrauberpilotin, befragt sie nach ihrem Alltag, nach ihrer Ausrüstung, hebt auch mal die gegen Beschuss vorgesehene Weste. Doch dann will sie auch noch den Werdegang kennenlernen. Betriebswirtschaftsstudium, erzählt die Angesprochene, deren Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden darf, das sei nichts für sie gewesen. "Lustigerweise" sei sie dann über Werbung zur Bundeswehr gekommen, und da habe sich schnell herausgestellt, dass Hubschrauberpilotin ihr Ding sei. Nun fliegt sie seit acht Jahren, seit zwei Jahren den "Tiger".

"Familie?", fragt die Ministerin, die sich auch die Verteidigung des soldatischen Familienlebens vorgenommen hat. Von ihren beiden Töchtern berichtet die Kampfhubschrauber-Pilotin, dass sie "einen tollen Mann und einen noch besseren Kindergarten" habe, oder "besser umgekehrt". Von der Leyen nickt. Sie sagt nicht, dass der tolle Mann und die gut betreuten Töchter Anfang nächsten Jahres möglicherweise mal länger ohne Frau und Mutti auskommen müssen. Denn trotz aller abwartend-unverbindlichen Formulierungen wird klar, dass von der Leyen hier den Verband besucht, der in den nächsten Kampfauftrag ziehen könnte, nach Mali.

Keine Ankündigung, kein Dementi

Die Niederländer hätten der UN angezeigt, ihre Hubschrauber Anfang 2017 aus dem afrikanischen Bürgerkriegsland abzuziehen, berichtet von der Leyen. Auch die Bundeswehr hilft hier bereits als Teil der UN-Mission Minusma mit über 500 Soldaten, den brüchigen Waffenstillstand zu überwachen. Die Hubschrauber würden aber dringend benötigt, fährt die Ministerin fort. Deshalb seien die Vereinten Nationen derzeit auf der Suche, wer das übernehmen könne. Der "Suchprozess" laufe bis Ende der Sommerpause. "Dann werden wir uns zusammensetzen und sehen, was das Ergebnis ist." Das ist keine Ankündigung. Aber auch kein Dementi.

In Fritzlar ahnen die Soldaten das Ergebnis, und dass es sich um sie drehen wird. Im Gespräch ist ein "Mix", wonach die Deutschen nicht alles alleine schultern, sondern auch die Kanadier Rettungshubschrauber schicken. Die könnten dann von den Deutschen geschützt werden, und außerdem stünden die Kampfhubschrauber dann in Mali bereit, in Gefechtssituationen UN-Kameraden Luftunterstützung zu geben.

Wie gut, dass die durchschnittliche Verfügbarkeit der "Tiger" rechtzeitig von sechs auf zwölf Exemplare angewachsen ist. Damit ist auch die Zahl der Flugstunden von 1500 auf 2600 gestiegen. Wichtige Routine, auf die im Einsatz nicht verzichtet werden kann. Auch die zweifache Mutter hat nun gut 150 Stunden Flugerfahrung gesammelt. Von der Leyen dankt für die Beteiligung an dem Kraftakt, die Pannen-Helikopter zu vorzeigbaren Instrumenten zu machen. Hundert Millionen mehr für die Instandsetzung machten sich nun bemerkbar, nächstes Jahr seien es 200 Millionen mehr. Und auch die Ersatzteillieferungen, die vormals zwei Jahre brauchten, seien nun professionalisiert, angeleitet von der "Task Force Drehflügler". Schon seit längerem gehen der Zivilistin die Militärausdrücke leicht über die Lippen.

Klack, klack, klack

Von der Leyens Erfolgsspur ist sichtbar, aber schmal. Und im Wüstensand von Mali kann sie schnell wieder zuwehen, wenn die Besatzungen und ihre "Tiger" unter herausfordernden Bedingungen in den Schutz und den Kampf geschickt werden. Für eine Schlussbilanz dieser Ministerinjahre ist es viel zu früh. Die nächste Panne kann schon hinter der nächsten Ecke lauern, und je länger sie im Amt ist, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Verantwortung nicht mehr auf ihre Vorgänger schieben kann. Vielleicht bleibt sie deshalb vorsichtshalber auf Tempo. Klack, klack, klack.

(may)
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