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Berlin
Merkel ruft zu mehr Frauen in Führungsjobs auf

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Unternehmen und Behörden aufgerufen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Seit Inkrafttreten der Quote von 30 Prozent für Aufsichtsräte Anfang 2016 habe sich für neu zu vergebende Posten bei den Dax-Unternehmen bis jetzt immer eine Frau gefunden, sagte Merkel gestern. Manche Firmen, die das Gesetz nur zu selbst gesteckten Zielvorgaben für einen höheren Frauenanteil verpflichtet, setzten sich leider die Zielgröße null. Dafür habe sie "null Verständnis", sagte Merkel.

Zum dritten Mal hatte Merkel rund 100 Frauen und Männer ins Kanzleramt eingeladen, um über mehrere Stunden zu beraten, wie der geringe Frauenanteil in Führungspositionen gesteigert werden kann. Schwerpunkt war diesmal die enorm hohe Teilzeitquote von Frauen in Deutschland. 70 Prozent der Mütter und 45 Prozent aller Frauen arbeiten nur Teilzeit. Die Mehrheit der Teilnehmer war der Meinung, dass eine Teilzeittätigkeit nicht karrierefördernd sei. Führung in Teilzeit sei in Einzelfällen nur dann möglich, wenn zwei Personen sich einen Führungsjob teilen könnten.

Die Runde diskutierte auch über geschlechterspezifische Stereotypen, die Karrieren von Frauen erschweren. So würden Männer oft als durchsetzungsstark beschrieben, Frauen dagegen eher als rücksichtsvoll oder sogar bescheiden. Eine Frau müsse sehr viel dafür tun und tatsächlich doppelt so viel arbeiten, wenn sie diese Vorurteile durchbrechen wolle, hieß es in der Runde. Als Beispiel nannte eine Teilnehmerin: Wenn in den USA ein heraufziehender Hurrikan einen weiblichen Namen habe, seien die Folgen oft verheerender als bei einem Männernamen, weil der Sturm dann als harmloser eingeschätzt werde und weniger Menschen evakuiert würden.

(mar)
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