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London
Brexit-Gegner legen in Umfragen zu

London. Die EU-Befürworter bekommen neuen Rückenwind - Folge des Mords an Jo Cox?

In Großbritannien haben die Gegner eines EU-Austritts wieder Boden gutgemacht. In einer Befragung für die "Mail on Sunday" gaben 45 Prozent an, sie würden am Donnerstag für einen Verbleib in der EU stimmen. Nur 42 Prozent befürworteten einen Brexit, also einen EU-Austritt. Die telefonische Umfrage wurde am Freitag und Samstag durchgeführt.

Noch am Donnerstag hatte eine Umfrage desselben Instituts die Brexit-Befürworter im gleichen Verhältnis vorn gesehen. Ob das veränderte Ergebnis mit der Berichterstattung über den Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox am Donnerstag zusammenhängt, ist aber fraglich - zwei Umfragen des Instituts Yougov hatten bereits für Mitte vergangener Woche einen Umschwung zugunsten der Brexit-Gegner verzeichnet. Die Demoskopen führen den Sinneswandel eher auf wirtschaftliche Ängste zurück.

Im Mordfall Cox hat die Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Täter, den 52-jährigen Thomas M., angeklagt. Er wurde einem Haftrichter vorgeführt. Nach seinem Namen befragt, antwortete er: "Mein Name ist Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien." Während des Rests der 30-minütigen Anhörung äußerte er sich nicht mehr. Das Gericht ordnete die Unterbringung in Untersuchungshaft und eine psychiatrische Untersuchung an.

Die vorläufige Anklageschrift beschrieb den Hergang des Verbrechens. Der Mann habe am Mittag vor der Bücherei im nordenglischen Ort Birstall auf Cox gewartet, die ihre Bürgersprechstunde abhalten wollte. Als sie aus dem Auto stieg, habe er auf sie eingestochen und dreimal auf sie geschossen. Die Polizei habe in seinem Haus "ideologisches Material" gefunden, "das sich auf rechtsextreme Gruppen und Individuen bezieht". Auch die "Mail on Sunday" deckte Verbindungen des Täters zu einer rassistischen Organisation auf, die sich unter anderem für einen Brexit einsetzt.

(dpa/witt)
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