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Fecht-WM
Angeschlagene Heidemann unter Druck: "Augen zu und durch"

Fechten: Das ist Britta Heidemann
Fechten: Das ist Britta Heidemann FOTO: 4attention
Moskau. Die Ausgangslage ist durchwachsen, die Achillessehne schmerzt: Deutschlands Vorzeigefechterin Britta Heidemann muss bei der WM in Moskau wieder mal auf ihr Kämpferherz bauen.

Vor wenigen Tagen erlebte Fecht-Star Britta Heidemann den WM-Triumph von Fünfkämpferin Lena Schöneborn noch hautnah als TV-Expertin mit, nun muss die Peking-Olympiasiegerin selbst auf der großen Bühne brillieren. Bei der am Montag beginnenden WM in Moskau steht auch die deutsche Vorzeigefechterin unter Zugzwang - und das Ticket für Olympia in Rio de Janeiro auf der Kippe.

"Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich mein Bestes geben werde", sagte die 32 Jahre alte Degenfechterin vor dem wichtigsten Turnier der Olympiaqualifikation dem SID. Selbst die hartnäckige Verletzung an der Achillessehne, die die Leverkusenerin seit Wochen plagt, soll dabei keine Ausrede sein. "Da gibt es jetzt nichts zu maulen. Da heißt es: Augen zu und durch", betonte sie: "Ich werde alles einsetzen."

Die Ausgangslage für Heidemann ist alles andere als berauschend. Mindestens Platz fünf in der Weltrangliste braucht die deutsche Mannschaft, dann dürfen auch drei Athletinnen in der olympischen Einzel-Entscheidung starten. Nur: Derzeit liegen die Degenfechterinnen auf Rang zwölf - nur bei einem starken Ergebnis besteht noch eine realistische Chance auf das Rio-Ticket.

Fotos: Britta Heidemann trägt den Pokal zum Finale ins Stadion FOTO: dpa, hak

"Bei der WM muss es klappen. Im Team mindestens Platz acht, am besten unter die Top Vier", sagte Heidemann. Doch die Auslosung meinte es nicht gut: Im Achtelfinale treffen die Deutschen auf China, das derzeit wohl beste Degen-Team.

"Auch die Chinesinnen sind zu schlagen, aber wenn man auf die Weltrangliste schaut, sind wir nur Außenseiter", sagte Heidemann. Ansonsten bliebe ihr fast nur die Chance auf "Plan B" - die Qualifikation über das Einzel, die allerdings mindestens ebenso schwer ist. Hoffnung macht Heidemanns ureigenste Stärke: Immer, wenn Saisonhöhepunkte anstehen, zeigte die Olympiazweite von London ihre besten Leistungen.

Nicht umsonst kann sie auf eine beeindruckende Serie zurückblicken: Seit 2000 gewann Heidemann in jedem Jahr mindestens eine Medaille bei einem internationalen Großereignis - mittlerweile hat sie alleine drei Olympia- und elf WM-Medaillen in ihrem Trophäenschrank.

"Das ist vielleicht ein Vorteil, dass Britta bei solchen Events immer hochkonzentriert ist", sagte der deutsche Sportdirektor Sven Ressel, der allerdings auch bekannte, sich Sorgen um Damendegen zu machen: "Bei einer Niederlage gegen China wird es extrem schwer."

Auch für den Verband wäre es ein Horrorszenario, wenn Heidemann ihre vierten Olympischen Spiele verpassen würde. Kaum eine andere Sportart wird so personalisiert wahrgenommen. Heidemanns Nachfolger in der medialen Darstellung sind (noch) nicht in Sicht.

Dabei hatten die deutschen Degenfechterinnen eigentlich gehofft, nicht noch einmal so eine Zitterpartie zu erleben wie vor den Spielen in London. Damals lösten sie das Olympiaticket erst mit dem letzten Treffer im letzten Gefecht des letzten Qualifikationsturniers. "So einen Dusel wie damals", sagt Ressel, "den hast du kein zweites Mal."

(sid)
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